Report München


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Wer regiert Deutschland? SPD vor der Entscheidung

Martin Schulz hat mit seinen deutlichen Worten am Wahlabend gegen eine große Koalition kaum mehr Verhandlungsspielraum. Doch nicht jeder in der SPD folgt seinem Kurs. Die Partei ist gespalten, der Vorsitzende angezählt. Der Druck wächst. Und das vor dem Bundesparteitag mit Personalentscheidungen. Der Ausgang: offen.

Von: Ulrich Hagmann, Markus Rosch

Stand: 05.12.2017

Faustregel Nummer 1: Lasse allen Interessen in der Partei freien Lauf und schwöre sie nicht auf ein Projekt ein:
JEDER gegen JEDEN  und alle machen mit!

"Bei den obersten Funktionären sind sich alle einig, dass sie eigentlich weiter regieren wollen, ich glaube Sigmar Gabriel zum Beispiel ist wahnsinnig gerne Außenminister und Heiko Maas ist auch wahnsinnig gerne Justizminister. Dann gibt es so diese mittlere Funktionärsschicht, da ist glaube ich bei vielen klar, dass ein weiterer Wahlkampf die Partei personell aber auch finanziell an die Grenzen führen wird. Und dann gibt es sozusagen das einfache Mitglied und da ist es total offen, wie diese Leute denken und entscheiden."

Jan Fleischhauer, Publizist

Eisernes Gesetz Nummer zwei: Glaube nicht daran, dass du etwas durchsetzen kannst: Pflegt den parteiinternen Streit!

"Eine große Koalition kommt für mich auch deshalb nicht in Frage, weil ich nicht glaube, dass man mit der Union unsere Politik umsetzen kann."

Johanna Uekermann, SPD, Ehem. Juso -Vorsitzende

Spielregel Nummer drei: Pfleg die Minderwertigkeitskomplexe, arbeite dich an deinem Gegner ab und mache ihn alternativlos

Pflegt die Merkel-Phobie!

"Man muss ehrlich sagen, wir haben die Konkurrenz auch ein wenig überschätzt. Wir dachten Frau Merkel kriegt das mit Seehofer, Lindner und Özdemir und jetzt sieht man in Deutschland geht nichts ohne die SPD."

Ralf Stegner, SPD, Stellv. Vorsitzender

Politikgesetz Nummer vier: Übernehme als Vorsitzender keinesfalls die Verantwortung für einen falschen Kurs. Nur auf dein politisches Überleben kommt es an.
Weiter mit Schulz!

"Also mein Eindruck ist, dass das größte Problem von Herrn Schulz ist, dass keiner mehr in der Partei ihm glaubt. Die große Frage im Augenblick ist, was sie eigentlich machen sollen. Er hat einen sehr unglücklichen Wahlkampf hingelegt. Der größte Moment war mit Verspätung in der Wahlnacht als alle Würfel gefallen waren und er plötzlich Frau Merkel attackiert hat, und alle gedacht haben, hups, der Mann hat ja doch irgendwie Energie. Dann hat der die Partei festgelegt, auf keinen Fall mehr in die Regierung, und muss das jetzt wieder aufessen. Ich glaube da verliert ja der gläubigste Sozialdemokrat den Glauben an den Mann an der Spitze."

Jan Fleischhauer, Publizist

Kapitel fünf: Verbeiße dich in ein Megathema, das nicht den Hauch einer Chance zur Umsetzung hat.
Träumen von Lieblingsthemen.

"Es ist ein Herzensanliegen der SPD, der Abbau der Zweiklassenmedizin, meine Mutter hat jetzt eine Diagnose gehabt, die ist genau wie bei einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert, da hat sie dann einen Arzttermin für das Jahr 2019 angeboten bekommen. Also wer da sagt, dass Zweiklassenmedizin kein dringendes Thema für die Menschen im Lande ist, das kann ich aus eigener Erfahrung immer wieder in meiner Verwandtschaft, meiner Familie widerlegen."

Andrea Nahles, SPD, Fraktionsvorsitzende

Eherne Regel Nummer sechs: Ignoriere, was für deine Anhänger oder ehemaligen Wähler wirklich brennende Fragen sind, was dir aber nicht ins Weltbild passt:
FOLGEN VON MIGRATION IGNORIEREN!

"Es kann nicht sein, dass die obere Mittelschicht nun die Uhr im Unternehmen profitieren, während diejenigen, die in den Vierteln wohnen, die sich kulturell und sozial verändern, die sozialen Kosten tragen, und das ist ganz überwiegend das Modell nachdem das gegenwärtig abläuft."

Prof. Julian Nida-Rümelin, Philosophie und politische Theorie LMU München

Erheben alles zum Parteigesetz: Wage keine Revolution wie die Agenda 2010 sondern bleibe beim alten Politikmuster.
Die REALITÄT AUSBLENDEN!

"Also, wenn man so will ist doch das deprimierende der letzten vier Jahre gewesen für die SPD, dass sie die wichtigsten Punkte ihres Programmes in der großen Koalition durchgesetzt hat, also Mindestlohn, bei der Rente und anderes mehr. Und das hat ihnen überhaupt nichts an der Wahlurne genutzt. Und ich weiß nicht, woher die Idee stammt jetzt, jetzt setzen wir noch mehr SPD in der großen Koalition unter Angela Merkel durch, und das wird dann honoriert am Ende am Wahltag, diesmal erkennt es der Wähler? Glaub ich never, ever!"

Jan Fleischhauer, Publizist

Ergebnis: Die garantierte Anleitung zum Unglücklichsein. 

Noch zwei Tage bis zum Parteitag.

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