Report München


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Konservativer als die Union erlaubt? Wie die Junge Union die Parteien vor sich hertreibt

Tilman Kuban sorgt für Unruhe bei CDU und CSU: Erst stellt der Bundesvorsitzender der Jungen Union die Führungsfrage, dann positioniert er sich strikt gegen den Grundrenten-Kompromiss. Wer ist der Mann, der viele Errungenschaften der Ära Merkel ablehnt? Mindestlohn, Atomausstieg, Aussetzung der Wehrpflicht – Entscheidungen, die Kuban für einen Fehler hält.

Von: Benedikt Nabben

Stand: 18.11.2019

Letztes Wochenende, Bad Waldsee in Baden-Württemberg. Die Junge Union feiert Friedrich Merz wie einen Popstar. Er soll die Union zu alter Größe führen - das wünschen sich hier viele.

Und auch er ist eine der Schlüsselfiguren, die die Union zur Zeit aufmischen: Der Niedersachse Tilman Kuban, seit einem dreiviertel Jahr Vorsitzender der Jungen Union.

"Wenn man Volkspartei sein will, darf man sich nicht mit 20 Prozent zufriedengeben, dann muss man den Anspruch haben, 40 Prozent zu erreich. Das ist die Aufgabe der CDU Deutschlands."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

Tilman Kuban, als Merkel-Kritiker gewann er überraschend die Wahl zum Vorsitzenden der Jungen Union. Jetzt ist er Chef von über 100.000 Mitgliedern und macht der eigenen Parteispitze Dampf: Erst stellt er die Führungsfrage, dann gibt’s von ihm ein klares Nein zum Grundrenten-Kompromiss im CDU-Bundesvorstand:

"Ich muss ihnen ganz ehrlich sagen, ich habe lange überlegt, ob ich jetzt schon wieder was machen kann… Aber dafür bin ich gewählt worden, um die Positionen der jungen Generation zu vertreten."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

Soll die Union weiter nach rechts rücken?

Für Kuban bedeutet das vor allem: Kritik an vielen Entscheidungen der Ära Merkel. Der Aussetzung der Wehrpflicht, dem Atomausstieg und auch dem Mitte-Kurs der Union, der neue Räume geöffnet hat. Müsste man da auch wieder weiter nach rechts rücken, weil man da auch für die AfD aufgemacht hat?

"Man muss aus meiner Sicht Anstand und Haltung zeigen."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

report München: „Aber Anstand und Haltung hatte die Union doch auch in den letzten 14 Jahren. Oder wo war da der Fehler?“

"Also wir haben natürlich 2015 auch einen gewissen Raum aufgemacht, in den die AfD stoßen konnte. Aber die AfD ist eine Partei, die nur über Probleme redet und keine einzige Lösung anbietet."

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Er weiß, wie man die eigene Mutterpartei vor sich hertreibt. Juso-Chef Kevin Kühnert, der beim Parteitag für den SPD-Bundesvorstand kandidieren will.

"Den Vorteil, den wir haben, ist, wir vertreten oder repräsentieren eine Generation, die unterrepräsentiert ist in der Politik, auf die aber ganz viele schauen. Siehe Fridays for Future."

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender Jusos

Fridays for Future. Dort, wo viele Junge Menschen gerade für ihre politische Überzeugung auf die Straße gehen. Davon will man bei der Schülerunion nichts wissen. Bundestreffen des ganz jungen und ziemlich konservativen Union-Nachwuchses.

"Wir haben am Anfang des Jahres gesagt, Fridays for Future ist nicht etwas, wo man blind hinterherlaufen muss... Es werden noch andere Themen auf die Straße getragen als der Hobby-Veganismus irgendwelcher gelangweilter Vorstadt-Einzelkinder."

Finn Wandhoff, Bundesvorsitzender Schüler Union

Auftritt Tilman Kuban. Sein offensiver Kurs kommt hier an.

"Wir haben seit der Bundestagswahl 2017, also vor zwei Jahren in sechs von acht Wahlen erhebliche Niederlagen einstecken müssen. Und wer solche Einbrüche hinnimmt, der kann nicht einfach nur sich hinstellen und einen Tag Trauer tragen und dann anschließend meinen, es geht einfach so weiter."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

Kuban fordert einen Umbruch. Den will auch die Schülerunion.

"Wir sehen das ja genauso wie du. In der Union muss einiges repariert werden. Und dafür braucht es symbolisch Werkzeug. Und du bist jemand, der gerne auf den Tisch haut. Und dafür steht symbolisch der Hammer."

Finn Wandhoff, Bundesvorsitzender Schüler Union

Kuban macht Druck auf Parteispitze

Während die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer um ihre Autorität kämpft, provoziert Kuban, ist omnipräsent, um den Druck vor dem Parteitag zu erhöhen.

"Mit wem wir in den nächsten Bundestagswahlkampf ziehen. Genau Frage habe ich aufgeworfen, dass wir sie klären müssen."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

Wer Kanzlerkandidat wird, das soll durch eine Ur-Wahl von der Parteibasis bestimmt werden. So zumindest ein Antrag der Jungen Union. Kramp-Karrenbauer ist dagegen, Ärger programmiert:

"Wir sind die Zukunft der CDU, und diese Zukunft muss man mitnehmen. Ohne uns ist kein Wahlkampf zu machen."

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union

Eine unverhohlene Drohung. Wie entscheidend die Unterstützung des Parteinachwuchses sein kann, hat die Junge Union Bayern vor zwei Jahren gezeigt. Im Streit zwischen Seehofer und Söder schlägt sie sich ganz offensiv auf die Seite Söders. Und Söder stellt sich neben die ausgedruckten Plakate. Kein Mensch glaubt ihm, er habe von nichts gewusst. Später führt an ihm kein Weg mehr vorbei. Er wird vorzeitig Ministerpräsident.

Geht es um Namen für mögliche Kanzlerkandidaten, ziert sich Kuban. Aber seine Nähe zu Jens Spahn und Friedrich Merz ist bekannt.

Telefonat mit Friedrich Merz

report München: "Sie haben eben mit Friedrich Merz telefoniert. Worum ging es?"

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union: “Woher wissen Sie, mit wem ich telefoniert habe.”

report München: "Um was ging’s?“

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union: “Was Friedrich Merz und ich besprechen, bleibt genauso geheim, wie das was ich mit AKK, Jens Spahn oder Armin Laschet bespreche.”

Spannungen in der Union - das bleibt auch beim politischen Gegner nicht unbemerkt.

"Ja, manchmal seufzen ja bei uns Leute und sagen. Ach, so sehr, ähm wir irgendwie die Union doof finden, so sehr bewundern wir sie auch dafür, wie sie es schaffen, Konflikte intern zu klären und nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Das scheint sich jetzt in den letzten Monaten ein bisschen zu ändern. Da scheint der Deckel nicht mehr ganz auf dem Topf zu bleiben."

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender Jusos

Am letzten Wochenende wurde Merz gefeiert. Ob er wirklich der Favorit der JU ist, bleibt unklar. Sicher ist, er und Kuban werden weiter den Druck auf die Parteispitze erhöhen.

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