Report München


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Neuer Machtkampf im Vatikan (report-Presseinformation) Schleppende Aufarbeitung des Missbrauchskandals bringt Papst in Bedrängnis

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Missbrauchskonferenz im Vatikan gerät Papst Franziskus unter Druck. Missbrauchsopfer und konservative Geistliche werfen dem Papst Fehler in der Aufarbeitung der Affäre vor. Der Papst habe viel zu lange an belasteten Priestern festgehalten oder zugesehen, wie gegen die von ihm selbst einberufene Vatikan-Missbrauchskommission intrigiert wurde.

Stand: 08.01.2019

Papst Franziskus | Bild: BR

Kardinal Raymond Leo Burke kritisiert das Verhalten des Papstes inzwischen ganz offen. In einem Exklusivinterview mit dem ARD-Politmagazin report München meint der dem konservativen Flügel der Katholischen Kirche zugerechnete Kardinal: „Man kann jetzt schwer sagen, wie der genaue Ansatz ist. Ich würde sagen, es ist mehr Verwirrung als alles andere.“ Dies sei unter dem Vorgänger von Franziskus, dem inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI. ganz anders gewesen: Benedikt „hatte hierzu eine ganz klare Haltung. Es war offensichtlich, dass die Kirche in seinen Augen diese Situation nicht einfach so hinnehmen konnte.“

Zudem will Kardinal Burke Rücktrittsforderungen an Papst Franziskus nicht verurteilen. Im August 2018 forderte ein Erzbischof, den Papst in Zusammenhang mit der schleppenden Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in einem Brief auf, sein Amt aufzugeben. Papst Franziskus sei ein Teil des Problems und nicht die Lösung. Kardinal Burke kennt den Verfasser des Briefs persönlich. Er schätze den Erzbischof. Zur Rücktrittsforderung erklärt der aus den USA stammende Geistliche: „Ob wir so weit gehen sollten, seinen Rücktritt zu fordern, das ist eine andere Frage. Aber es ist wahr, dass für klassische Kommentatoren ein Papst, der von seinem Amt vor allem in dogmatischer Hinsicht abweicht, sich also der Häresie schuldig macht, automatisch aufhört, Papst zu sein.“

Der deutsche Kardinal Walter Kasper berät und verteidigt Franziskus. Öffentliche Kritik am Papst lehnt er ab. Die Missbrauchsdebatte sei nur ein Vorwand, um den Papst zu beschädigen, meint Kasper: Es gebe Leute, „die einfach dieses Pontifikat nicht mögen und die wollen das so schnell wie möglich beenden und wollen sozusagen ein neues Konklave haben. Und das wollen sie auch vorbereiten, dass das in ihrem Sinne nach Möglichkeit ausgeht.“ Die Kritiker würde von der eigentlichen Aufgabe ablenken und daraus eine „Diskussion um Papst Franziskus“ machen. „Das ist nach meinem Gefühl ein Missbrauch des Missbrauchs“, erklärt Kardinal Kasper in Rom.

Kritik an der Rolle des Papstes kommt aber auch von der Seite der Missbrauchsopfer. Die Irin Marie Collins wurde als Mädchen von einem Priester missbraucht. Sie gehörte der von Papst Franziskus einberufenen Missbrauchskommission des Vatikan an. Als sie erkennen musste, dass die Arbeit der Kommission zu keinem Ergebnis führte, erklärte sie 2017 ihren Rücktritt. Vom Papst ist sie enttäuscht: Franziskus „berief die Kommission ein, um Missbrauch zu verhindern und den Opfern zu helfen. Die Kommission unterbreitete ihm hierfür Vorschläge. Er genehmigte sie und tat dann nichts, um zu sehen, was tatsächlich geschah.“

 


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