Report München


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Sonne, Strand und Oligarchen Die Türkei-Russland-Connection

Aus Sorge vor Sanktionen bringen viele wohlhabende Russen ihre „Schäfchen ins Trockene“. Eines der Lieblingsziele ist dabei offenbar die Türkei. Der Rubel scheint zu rollen - in Jachthäfen und bei Immobilienmaklern.

Von: Oliver Mayer-Rüth / Gabriele Dunkel

Stand: 14.06.2022

Göcek am ägäischen Meer. Ein türkisches Urlaubsparadies für Superreiche und Besserverdiener. Strände und Hafen sind großräumig abgesperrt. Nur von weitem kann man der Hautevolee beim dolce Vita zusehen. Neben Segelbooten für etwa 100.000 Dollar liegen mehrere hundert Millionen Dollar teure Luxusyachten. Auch die, russischer Oligarchen. So zum Beispiel die Eclipse des Multimilliardärs Roman Abramowitsch. Der Oligarch ist ein Freund des russischen Diktators Putin und wurde im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine von westlichen Ländern sanktioniert.

Die Türkei will neutral bleiben und Geld verdienen. Russische Multimilliardäre sind herzlich willkommen. Deutsche Touristen am Nachbarstrand zwischen Unwissenheit und Irritation:

"Nein, das interessiert uns nicht. Wir machen wie gesagt hier unseren Urlaub, wir sind auch überwiegend hier in unserer Clubanlage.

Ich finde, das fühlt sich schon komisch an, dass man jetzt hier ist, und die Schiffe sind ein paar Kilometer weiter. Jetzt gerade mit der aktuellen Situation ist das schon ein seltsames Gefühl."

Deutsche Touristen

Nicht nur Abramowitschs Eclipse kann ungehindert in der Bucht ankern. Wenige hundert Meter weiter liegen die Flying Fox, die Romea und die Aurora. Nach Medienangaben allesamt Luxusyachten russischer Multimilliardäre. Britische Touristen sind trotz allem begeistert.  


Das Geschäft seines Lebens macht zurzeit Soner Kahraman, Immobilienmakler in Bodrum – seine Kunden: Russen. von Luxusvillen bis Wohnungen, kaum auf dem Markt sind sie auch schon verkauft.

Seit dem Krieg sind Nachfrage und Preise in die Höhe geschossen. So etwas habe er noch nie erlebt:

"Eigentlich ist die Nachfrage überall sehr groß. Die Russen bevorzugen eher alleinstehende Häuser – oder eine Anlage, mit eigenem Zugang zum Meer.

Häuser, die bisher zweihunderttausend Euro gekostet haben, kosten jetzt das dreifache."

Soner Kahraman, Immobilienmakler in Bodrum

Gezahlt wird in Dollar und Euro. Agenturen regeln alle Formalitäten. Und: Ab 400 Tausend Dollar Investition erhalten Ausländer, also auch der russische Kunde die türkische Staatsbürgerschaft gratis dazu.

Die türkische Volkswirtschaft habe von russischem Geld in den letzten drei Monate profitiert, so der russisch-deutsche Ökonomie-Professor Toews.

"Ich kann den ökonomischen Anreiz sehen, ich kann sehen, dass die türkische Regierung interessiert daran sein wird, diese Ressourcen hierherzuholen – vor allem die Ressourcen der Oligarchen."

Prof. Gerhard Toews, Wirtschaftswissenschaftler

Westliche Sanktionen muss Putins Außenminister Lawrow bei seinem türkischen Amtskollegen und Freund Cavusoglu nicht fürchten. Ankara macht es Russen möglich in der Türkei Geld abzuheben, während Moskaus Soldaten ukrainische Zivilisten töten.

"Wir haben auch über das russische Zahlungssystem MiR gesprochen, das es sicherlich ermöglichen wird die Touristenzahlen von vor der Pandemiezeit zu erreichen, Die lagen bei knapp 7 Mio. russischen Urlaubern in der Türkei."

Sergej Lawrow

7 Millionen russische Urlauber – darauf will die Türkei nicht verzichten. In Istanbul können Gäste aus Russland die Seele baumeln lassen. Ganz gleich ob regimetreuer Oligarch oder Putinskeptiker.

Elena ist seit Anfang März in Istanbul – Bargeld abheben war für die Russin einfacher, als russische Banken noch mit Visa- und Mastercard zusammenarbeiteten.

"Diese VISA Karte geht nicht, diese Masterkarte auch nicht, diese Visa nicht, ich hatte sogar eine Platin-Karte – aber nein.

Wenn ich das richtig verstehe, sind es alles staatliche Banken oder solche, die zur Regierung eine Verbindung haben."

Elena, Russin

Die Lösung für das Problem heißt Mir. Türkische Banken umgehen westliche Sanktionen, indem sie mit dem russischen Zahlungssystem arbeiten. Allerdings nicht alle Banken in der Türkei

Russisches Geld ist in der Türkei herzlich willkommen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist das Land ein sicherer Hafen für Putinfreunde und deren Milliarden.  

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