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Nach Machtkampf um die Kanzlerkandidatur Die Wut der CDU-Basis

Die CDU-Parteiführung hat Armin Laschet als Kanzlerkandidaten durchgesetzt. Obwohl der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in den Meinungsumfragen schlecht abschneidet. Viele Mitglieder an der CDU-Basis können das nicht verstehen, vor allem in den neuen Bundesländern ist die Skepsis sehr groß. Und hier stehen in wenigen Wochen wichtige Wahlen an. Ein Stimmungsbild aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Von: Markus Rosch

Stand: 27.04.2021

Wenige Tage nach der Unions-Kandidatenkür. Fahrt nach Brandenburg, Besuch der CDU-Basis. Schwierige Zeiten für Sabine Buder. Wir haben die Bundestagskandidatin schon öfter begleitet. Die Tierärztin kämpft im Wahlkreis Märkisch-Oderland um ein Direktmandat.

Heute besucht sie den Zirkus Wille. Das Familienunternehmen kämpft in der Pandemie ums Überleben. Von der Politik erwartet man hier klare Kante. Viele sind sauer, wie die Union ihren Kanzlerkandidaten bestimmt hat.

"Für mich als langjähriges CDU-Mitglied ist es schon verwunderlich, dass dort eine Entscheidung getroffen wird, die anders ist als die Basis es will. Keiner versteht die Wahl."

Jürgen Heinike

"Es ist noch bedauerlicher, die Art und Weise wie die Entscheidung getroffen wurde. Die Menschen sind in unsere Region sehr sensibel in Bezug auf politische Bevormundung, die wollen mitsprechen und nicht durchregiert werden. Und sie haben das Gefühl., dass sie diesmal nicht gefragt wurden, wieder einmal."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Hat sich die Parteispitze der Basis widersetzt?

Weiterfahrt nach Magdeburg. In Sachsen-Anhalt wird Anfang Juni gewählt. Das erste Mal mit einem Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Neueste Umfragen – erhoben kurz vor der Kandidatenkür- sehen die CDU zwar vorne, aber mit Verlusten.

Treffen mit Anna Kreye. Sie sitzt seit Januar im Bundesvorstand. Hat bei der Kandidatenkür mitgewählt. War für Söder. Doch die Parteispitze hat sich in einer dramatischen Nachtsitzung der Basis widersetzt, findet Kreye.

"Viele Wahlkämpfer hatten sich doch hier für Markus Söder ausgesprochen, auch viele meiner Freunde, die nichts mit der Politik zu tun haben, die gesagt haben, ok, Markus Söder ist unser Favorit. Und ich hatte deshalb auch den Eindruck, dass er uns eventuell noch etwas helfen könnte hier im Wahlkampf."

Anna Kreye, CDU, Vorsitzende JU Sachsen-Anhalt

Trotz optimistischer Inszenierung ist es ein schwieriger Wahlkampf für die CDU. Nicht nur wegen des Kanzlerkandidaten. Sondern man ist vor allem unter Druck von rechts. Die AfD ist zweitstärkste Kraft.

Schwierige Abgrenzung gegen Rechts

Demo gegen rechts in Magdeburg, letzten Donnerstag. AfD Abgeordnete versuchen die Teilnehmer zu provozieren. Sie treten äußerst selbstbewusst auf. Ihr Ziel: Eine Regierungsbeteiligung.

Einige in der CDU schließen eine Zusammenarbeit nicht ganz aus. Auf der Landesliste stehen die Abgeordneten Lars-Jörn Zimmer und UlrichThomas weit oben. In einer vielbeachteten Denkschrift haben beide darüber nachgedacht wie künftige Koalitionen aussehen könnten:„Es muss wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen.“

Zimmer steht für ein Interview ebenso wie sein Kollege Thomas, nicht zur Verfügung. Anfang 2020 sagt er Folgendes:

Lars-Jörn Zimmer, CDU (Februar 2020)

Lars-Jörn Zimmer, CDU: "Also eine Minderheitsregierung, eine CDU-Minderheitsregierung ist absolut denkbar. Natürlich."

Frage: "Auch, wenn sie von der AfD toleriert wird?"

Lars-Jörn Zimmer, CDU: "Von wem sie dann toleriert wird, weiß ich ja in dem Moment nicht."

Das alles macht Carmen Niebergall große Sorge. Sie ist Parteimitglied seit 1979, war Abgeordnete in der ersten frei gewählten Volkskammer, lange Landtagsmitglied. Niebergall kennt die Partei in- und auswendig. Nicht nur die verkorkste Kanzlerkandidatenwahl, sondern auch die fehlende Abgrenzung nach rechts durch Einige schade ihrer Partei, meint sie.

"Ich verstehe es nicht was da passiert ist. Sie hätte es nicht tun sollen! Und auch jetzt noch müssen wir drauf achten und deswegen erwarte ich vom nicht nur vom Ministerpräsidenten und vom Landesvorsitzenden, sondern von allen Kandidatinnen und Kandidaten, die für den Landtag kandidieren, aber auch von exponierten Menschen, in Stadträten, Gemeinderäten, dass sie sich klar gegen rechts positionieren. klar gegen rechts positionieren."

Carmen Niebergall, CDU

Keine Zusammenarbeit mit rechts!, sagt der neue Landesvorsitzende Sven Schulze. Für den Kampf gegen die AfD setzt er deshalb auch auf Unterstützung von außen.

"Bei uns in Sachsen-Anhalt, in Ostdeutschland generell, würde man sich auch wünschen, dass der Friedrich Merz sich stark in den Wahlkampf einschaltet."

Sven Schulze, CDU, Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt

Weiterfahrt nach Bernburg. Wahlkreis Anhalt. Ländlich. Eigentlich sicheres CDU-Gebiet. Doch AfD und Linke liegen hier gerade bei je rund 20 Prozent.

Hier ist Frank Wyszkowski Bundestagkandidat. Der Hotelier hat sich beurlauben lassen, will sich ganz auf die Politik konzentrieren. Doch der Straßenwahlkampf läuft gerade schleppend an. Wyszkowski liest die Umfragen, sieht die Unzufriedenheit, hofft seine Stammwähler halten zu können, will kämpfen. 

"Herr Laschet hätte noch eine Möglichkeit gehabt zu sagen, wenn er das sieht, hätte er auch den Mut haben können, zu sagen nein, ich trete nicht an, ich lasse es Herrn Söder, nach dem ganzen Hick-Hack der letzten Tage. Den Mut hat er nicht aufgebracht."

Frank Wyszkowski, CDU, Bundestagskandidat

Zurück in Brandenburg. Sabine Buder hat die Umfragen der Wahlkreise bekommen. Schwarz ist nur der Süden. Der Osten ist hart umkämpft. Ihr Wahlkreis steht gerade auf der Kippe. Was bedeutet jetzt ein Kanzlerkandidat Laschet für Ihren Wahlkampf?

"Wir müssen sehen, dass wir, dass wir die Stimmung wieder kippen können. Momentan siehst schlecht aus für die Union. Das sehe wir an den Umfragewerten, dass merke ich auch an den alltäglichen Gesprächen mit den Menschen vor Ort."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Kandidatinnen wie Sabine Buder fühlen sich gerade von der Bundespartei ziemlich alleine gelassen.

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