Report München


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Der Hackerangriff Das Versagen der Politik

Wieder ist der Aufschrei groß. Hacker haben private und sensible Daten veröffentlicht. Doch das Problem ist nicht neu, das Jammern jetzt scheinheilig. Es fehlen nicht nur Gesetze, es fehlt das Bewusstsein für Datenschutz in der deutschen Politik.

Von: Sebastian Kemnitzer, Sabina Wolf

Stand: 08.01.2019

„Sie bewerten den Vorfall als Angriff auf die Demokratie“ – Ganz Deutschland diskutiert über den Hackerangriff – und die betroffenen Politiker, sie schlagen Alarm:

"Dann geht es schon um einen Angriff auf die Institutionen unseres Landes, unserer Demokratie."

Konstantin von Notz, B´90/Grüne, stellv. Fraktionsvorsitzender

"Das ist ein sehr ernsthafter Vorfall, der unter anderem auch gegen die Demokratie, gegen unser System gerichtet sein kann."

Patrick Schnieder, CDU, Parlamentarischer Geschäftsführer

Eine neue Dimension der Cyber-Kriminalität? Ein gigantischer Angriff?

"Also der größte Cyberangriff oder Datenhack in der Geschichte der Bundesrepublik, ja, es waren ein paar Promis dabei, aber wir haben in den letzten Jahren so viele große Datengaus erlebt."

Markus Beckedahl, Chefredakteur netzpolitik.org

"Das ist ein absolut alltäglicher Vorgang, den wir haben, das ist nichts Neues."

Hans-Wilhelm Dünn, Präsident Cyber-Sicherheitsrat

Millionen Angriffe - pro Tag

Jeden Tag gibt es Millionen Daten-Angriffe. Auf Privatpersonen, auf Unternehmen, auf Institutionen, auf Länder. Visualisiert haben das IT-Sicherheitsexperten mit diesen Pfeilen. Hier die Bedrohungslage vor wenigen Stunden.

"Das passiert tagein, tagaus und andauernd. Das passiert in jeder Minute, in jeder Sekunde. Es geht um die Daten, die Daten sind das Hauptziel. Mit diesen Daten kann ich dann natürlich ganz andere Dinge machen."

Dirk Arendt, IT-Experte, Firma Check Point

Zum Beispiel werden sie auf einschlägigen Seiten im Dark-Net zu Geld gemacht. Tausende Datensätze von Bürgern. Seit Jahren deckt report München immer wieder Sicherheitslücken auf:

  • per Funk werden  Kreditkartendaten abgezogen
  • Infrastruktureinrichtungen, wie ein Wasserwerk, die nicht richtig geschützt sind
  • Handel von Ausweisen mit gestohlenen Daten
  • Und auch eine Iris-Erkennung kann problemlos gehackt werden.

Von der Politik immer die gleiche Reaktion – kein Handlungsbedarf.

"Ich glaube, wir haben in Deutschland auf vielen Ebenen versagt, indem das Thema Digitalisierung, das Thema Netzpolitik, viele Jahre vor sich her geschoben wurde, man sich nicht davon betroffen fühlte."

Markus Beckedahl, Chefredakteur netzpolitik.org

Sicherheitslücken bei IT-Produkten

Dass die allermeisten IT-Produkte Sicherheitslücken aufweisen, halten Experten für ein massives Problem.

"Wenn ich ein Flugzeug kaufe, möchte ich, dass es starten und landen kann. Das gleiche fordere ich von der Industrie bei der Herstellung von Geräten. Wir haben eine Vielzahl von Geräten, die auf den Markt kommen mit angeborenen Sicherheitslücken und diese müssen geschlossen werden. Und dafür werden wir sicherlich neue Gesetze brauchen."

Hans-Wilhelm Dünn, Präsident Cyber-Sicherheitsrat

Das Problem: Die so genannten smarten Geräte wie zum Beispiel Computer, Handys oder auch Fernseher, die am Internet angeschlossen sind, haben Sicherheitslücken. Die Hacker dringen auf diesem Weg ein und stehlen so die persönliche Daten.

Und das Innenministerium weiß auch von dieser Lücke – im November 2018 schreibt man uns auf Anfrage:  „Bislang ist die Frage der IT Sicherheit der Produkte keine verpflichtende Voraussetzung für die Verkehrsfähigkeit und mithin den Marktzugang.“

Berlin vor wenigen Stunden – Horst Seehofer gibt eine Pressekonferenz. Wir möchten von ihm wissen, wieso die Politik seit Jahren das Problem dieser Sicherheitslücken nicht angeht.

"Ich habe mich heute sehr bemüht, Ihnen darzustellen, dass völlig unabhängig von diesem Vorgang letzten Donnerstag wir ständig dabei sind, die Cybersicherheit für unsere Menschen zu verbessern und auch die Privatleute zu unterstützen, wenn Sie diese Unterstützung von uns wollen."

Horst Seehofer, CSU, Bundesinnenminister

Gravierende Versäumnisse sieht der Innenminister erstaunlicherweise nicht. Und das, obwohl tagtäglich Millionen Datenangriffe stattfinden.

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