Report München


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Das G7-Gipfeltreffen in Elmau Diskussionen, Beschlüsse und Ergebnisse

Begleitet von gewaltigen Sicherheitsmaßnahmen trafen sich die Regierungschefs der G7 zum zweiten Mal auf Schloss Elmau, während in der Region und in München Menschen gegen den Gipfel demonstrierten. Teams von report München blickten hinter die Kulissen des weltbewegenden Ereignisses.

Von: Lukas Graw, Ulrich Hagmann

Stand: 28.06.2022

Deutschlands höchste Grenzkontrolle. Hoch über Garmisch-Partenkirchen bewacht die Bundespolizei die Grenze zu Österreich. 16 Tage lang patrouillieren sie hier auf Klettersteigen und Wanderwegen. Ein atemberaubender Job mit traumhaftem Ausblick.

Treffen mit der Grenzkontrolle

Reinhold S., Polizeihauptmeister Bundespolizei: "Anlässlich des G7-Gipfels san wir hier auf der Meiler Hütte und kontrollieren den grenzüberschreitenden Wanderverkehr nach auffälligen Personen, Gegenständen, die die Personen eventuell mitführen könnten."

report München: "Was sind auffällige Personen oder Gegenstände? Wonach schauen Sie?"

Reinhold S., Polizeihauptmeister Bundespolizei: "Dürfen wir das so sagen?"

Höchste Geheimhaltung

Dürfen sie nicht. Wie so viel im Rahmen des G7-Gipfels: Höchste Geheimhaltung aus einsatztaktischen Gründen. Immerhin, wo der Ort liegt, den sie bewachen, das ist nicht geheim.

"Schloss Elmau befindet sich hier hinten. Man kann es gut an der grünen Wiese da unten erkennen."

Florian Reiter, Polizeihauptkommissar

Auf dieses Schloss blickt die Welt derzeit. Schloss Elmau liegt in 1000 Meter Höhe am Fuße des Wettersteingebirges, einsam zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. Hier treffen sich die Regierungschefs der mächtigen G7-Staaten in diesem abgeschiedenen Luxushotel, bewacht von 18.000 Polizisten, abgeschirmt in einem abgeriegelten Alpental. 

Polizeiaufgebot in Garmisch-Partenkirchen

Droben im Schloss die Mächtigen, drunten in Garmisch-Partenkirchen tummelt sich der Rest: Polizisten, Journalisten und Protestierende. Die Marktgemeinde im Belagerungszustand – und mittendrin Bürgermeisterin Elisabeth Koch. Sie versucht seit Monaten den G7-Gipfel auf Seite der Gemeinde so zu organisieren, dass die Bürger möglichst wenig gestört werden.

Doch Einschränkungen sind unvermeidbar. Samstagnacht, die Ortsdurchfahrt ist gesperrt. Keiner darf hier mehr durch für die nächsten zwei Stunden. Alle warten gespannt auf die Durchfahrt des amerikanischen Präsidenten.

"Das ist schon irre. Total irre, also, wenn man seinen Ort so erlebt, das ist ja hier der Rathausplatz. Da kommen die Leute nicht mehr von links nach rechts über die Straße. Wahnsinn."

Elisabeth Koch, CSU, Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchen

Großes Konfliktpotential

Ob der amerikanische Präsident in dem Auto sitzt, dem sie dann doch alle zujubeln, oder im Hubschrauber drüber fliegt, das weiß niemand, und genau solche Unannehmlichkeiten ärgern die Bürger. Zu vermitteln zwischen einheimischer Bevölkerung und den Sicherheitsanforderungen der Polizei, das ist seine Aufgabe. Josef Grasseger ist von der örtlichen Planungsgruppe der bayerischen Polizei.

"Mein größter Antrieb? Dass man sagt, man kann das dementsprechend sichern, man kann der Bevölkerung auch die Sicherheit geben, dass von uns da alles getan wird."

Josef Grasegger, Polizei Garmisch-Partenkirchen

Ein großes Konfliktpotential birgt der Hubschrauber-Landeplatz. Extra für den G7-Gipfel ist ein Wanderparkplatz im Naturschutzgebiet beim Schloss geteert worden. Die Teerdecke wird nach dem Gipfel entfernt, aber vorher will die Weidegenossenschaft mit ihren Kühen hier durch. Genau am Gipfelwochenende ist der Almauftrieb über den Hubschrauber-Landeplatz im Hochsicherheitsbereich geplant.

"Damit wir auch in der Dämmerung landen können mit den Hubschraubern, dafür müssen entsprechend auch Stromkabel verlegt werden. Und wenn da die Kühe drüber gehen würden, könnten die kaputtgehen und dann hätten wir ein Problem mit der Beleuchtung, falls wir doch im Dunkeln hier anfliegen."

Lars Nedwed, Bundespolizei

Die Bundespolizei hätte den Viehtrieb gerne ein Wochenende vor dem Gipfel gehabt. Den Bauern ist das zu früh und sie setzen sich durch. Kurz vor dem Gipfelwochenende, Freitag in der Früh müssen 130 Weidekühe über den Hubschrauber-Landeplatz, auf dem Kanzler Olaf Scholz und die anderen Staatsgäste landen werden.

"Ah, die sind schnell...das heißt dann packen wir es gleich […] Einsatz für bayerische Polizei in dieser Sache beendet und wie man sieht, da braucht es eine Kehrmaschine, dass wenn die Hubschrauber kommen, dass keinem die Hinterlassenschaften um die Ohren fliegen."

Josef Grasegger, Polizei Garmisch-Partenkirchen

Demonstrationen und Großaufgebot der Polizei

Drunten am Bahnhofsplatz in Garmisch-Partenkirchen, Auftakt zur angekündigten Großdemonstration gegen den G7-Gipfel. Sonntag 13 Uhr. Statt Tausenden sind nur ein paar Hundert gekommen, bewacht von einem Großaufgebot der Polizei. Auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch schaut nach dem Rechten

"Dass die Polizei berechtigt ist, das müssen Sie mir zugestehen. Also wirklich berechtigt, schau, es ist auch der schwarze Block da..."

Elisabeth Koch, CSU, Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchen

„Die USA als Führungsmacht in der NATO ist der Hauptaggressor dieses Krieges“ - eine Lautsprecher-Durchsage auf der Demonstration. Linksradikale Gruppen dominieren mit ihren Parolen. Aus deren Sicht ist die NATO Schuld am Krieg. Spannend wird es, als die Anti-G7-Demo auf eine Gegendemonstration von Ukrainern trifft. Für die ist Putin der Aggressor. Sie fordern schwere Waffen.

Beide Demonstrationen verlaufen friedlich. Das befürchtete Chaos bleibt aus. Bürgermeisterin Elisabeth Koch rast von Interview zu Interview und hat immer dieselbe Botschaft.

"Die Leute sind einfach massiv genervt, es geht gegen das Format als solches, und das muss dringend überdacht werden. Sowas kann nicht mehr Zukunft haben."

Elisabeth Koch, CSU, Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchen

Es ist friedlich geblieben in Garmisch-Partenkirchen und trotzdem hoffen hier alle, dass die G7 nie mehr wieder hierherkommen

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