Report München


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Fix und Foxi-Schöpfer Die braune Gesinnung des Rolf Kauka

Rolf Kauka, der Erfinder der Zeichentrickfiguren Fix und Foxi galt als das deutsche Comic-Genie. Weithin unbekannt: Kauka sympathisierte mit rechtsextremem Gedankengut. Der Historiker Bodo Hechelhammer und report München-Recherchen zeigen ein neues, erschreckendes Bild des "deutschen Walt Disney".

Von: Christian Stücken

Stand: 02.05.2022

Wir sind auf dem Weg an den Bodensee, auf der Spur eines der unfassbarsten antisemitischen Skandale der Comic-Literatur – und treffen Michael Walz. Er war viele Jahre lang Verleger der deutschen Asterix-Comics. Wir zeigen ihm das Asterix-Heft "Die goldene Sichel".

"Das ist eine bekannte Szene, die man dann eben wirklich als rassistisch, als fremdenfeindlich kennzeichnen kann, und das ist im Original überhaupt nicht so angelegt."

Michael Walz, ehemaliger Verleger Egmont Ehapa Comic Collection

Rassistische deutsche Fassung aus den 60er Jahren.

In diesem Asterix-Heft aus den 60er Jahren wird die Figur des gallischen Händlers Bossix in seiner deutschen Fassung in das antisemitische Zerrbild eines jüdischen Schacheres umgewandelt.

"Und aus Bossix wird jetzt Schieberus.‚Der Besitzer dieser gemietlichen Taverna. Mein Freind Gaston sagt, ihr wollt haben gern goldene Sichel, he.‘ Ja, das ist der Versuch. Jüdisch nachzuäffen."

Michael Walz, ehemaliger Verleger Egmont Ehapa Comic Collection

Für diese Entgleisung war niemand anders zuständig als eine der schillerndsten Figuren der Comic-Welt. Rolf Kauka, der deutsche „Walt Disney“. Er hatte damals die Rechte für die Asterix-Hefte in Deutschland erworben.

"Ich heiße Rolf Kauka und mache Comics. Meine Lieblingsfiguren sind Fix und Foxi."

Rolf Kauka, 1976

Rolf Kauka führte ein Doppelleben

Eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen wächst mit diesen Comics auf. Über das braune Doppelleben ihres Schöpfers gibt es bislang keine Informationen. Wir wollen mehr darüber herausfinden. Videoschalte in die USA. Kaukas Witwe Alexandra unterstützt die Recherchen von report München. 1975 hat sie Rolf Kauka geheiratet, da war er 58 Jahre alt.

"Er war erzkonservativ. Aber extrem kreativ. Couragiert, immer neue Wege zu gehen. Ich weiß, darin liegt Widersprüchlichkeit."

Alexandra Kauka

Rolf Kauka, einer der größten Comicproduzenten weltweit. Genialer Verkäufer. Freund von BND-Chef Gerhard Wessel.Rennstall-Besitzer. Gern gesehener Gast von Präsidentenmutter Rose Kennedy.

Jetzt erscheint erstmals eine Biographie über ihn. In Berlin treffen wir Autor Bodo Hechelhammer, langjähriger BND-Chefhistoriker. Und der hat einige dunkle Stellen in Kaukas Leben ausgemacht.

"Die Schule abgebrochen. Kein Abitur, kein Studium, obwohl er sich später in Lebensläufen sich sehr gerne als promovierten Literaturwissenschaftler verkauft hat und das auch bei Behörden angegeben hat."

Bodo Hechelhammer, Autor „Fürst der Füchse, das Leben des Rolf Kauka

Fix und Foxi-Hefte mit politischem Vorwort

Während der NS-Zeit ist Rolf Kauka, Jahrgang 1917, überzeugter HJ-Funktionär und später Soldat. In seinem Nachlass befindet sich ein Fotoalbum, das er in den ersten Kriegsjahren angelegt hat.

"Alleine halt schon die Überschriften: Gebt Raum, ihr Völker unserem Schritt! Also ganz klar, in welcher Denkweise er gelebt hat. Als überzeugter NS-geprägter junger Soldat."

Bodo Hechelhammer, Autor „Fürst der Füchse, das Leben des Rolf Kauka

Nach dem Krieg entwickelt Rolf Kauka seine Comics um die beiden Füchse Fix und Foxi. Schnell erreichen die Hefte Millionen Leser.

Auf Seite 1 immer das Vorwort, mit dem er politisch auf sein Publikum einwirkt. So auch im Weihnachtsheft von 1966. Darin bittet er seine Leser zu beten – für Menschen, die unschuldig im Gefängnis sitzen.

"Unter anderem denn auch die unschuldig Einsitzenden in Spandau. Und in Spandau saß eben zu dieser Zeit nur noch einer, und er war alles andere als unschuldig. Und das war Rudolf Heß."

Bodo Hechelhammer, Autor „Fürst der Füchse, das Leben des Rolf Kauka

Rudolf Heß. Enger Vertrauter Adolf Hitlers, ein Nationalsozialist der ersten Stunde. Im Nürnberger Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Immer wieder schimmert Rolf Kaukas Gesinnung in seinen Heften durch.

Asterix und Obelix als Germanen

So eben auch bei Asterix und Obelix. Anfang der 60er Jahre erwirbt Kauka die Rechte an den Geschichten und deutet sie in seinem Sinne um. Asterix und Obelix werden zu Germanen. Ihr Land ist von den Amerikanern besetzt und – aus Kaukas Sicht – mit einem Schuldkomplex beladen.

"Er war schon jemand, der wie ein Pädagoge auftrat, und da wird es ja umso mehr fragwürdig um nicht zu sagen, gefährlich. Er hatte das Ziel mit solchen Vergewaltigungen einer Originalvorlage die Kinder mit seinem Gift zu konfrontieren und zu infiltrieren."

Michael Walz, ehemaliger Verleger Egmont Ehapa Comic Collection

In Frankreich löst Kaukas Revanchismus eine Welle der Empörung aus. Die Asterix-Macher gehen vor Gericht, und Texter René Goscinny, Holocaust-Überlebender, soll Kauka daraufhin einen „waschechten Nazi“ genannt haben.

Seine Witwe Alexandra erklärt im report München-Interview, dass sie davon bisher kaum etwas wusste.

"Sie sprechen mit mir über eine Zeit, die vor meiner Zeit stattfand, auch vor Ihrer Zeit, und es ist schwierig, mich jetzt in Vermutungen zu ergehen."

Alexandra Kauka

Im September 2000 stirbt Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney. Erst jetzt kommt seine Weltanschauung ans Licht.

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