Report München


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DDR-Nostalgiker Geburtstagsfeier für die SED-Diktatur

Die Hauptstadt feiert gerade 30 Jahre Mauerfall. Doch manche zelebrierten in diesen Tagen lieber ein anderes Jubiläum: den 70. Jahrestag der DDR-Gründung. Die SED-Diktatur sei "die glücklichste Etappe in der deutschen Geschichte" gewesen, hieß es in einer Vorankündigung. Um den am 7. Oktober 1949 gegründeten Staat gebührend zu würdigen, traten unter anderem ein ehemaliger Stasi-Spitzel und Ex-DDR-Spitzenpolitiker wie Egon Krenz oder Hans Modrow als Redner auf.

Von: Philipp Grüll

Stand: 08.10.2019

Gestern Vormittag, etwas östlich von Berlin. Ein Fregattenkapitän der Nationalen Volksarmee. Das russische Fernsehen und der letzte DDR-Ministerratsvorsitzende Hans Modrow. Die Kommunistische Partei. Und der Vorsitzende des Dachverbands ehemaliger DDR-Verbände. Sie alle sind gekommen, um zu feiern.

"Es ist ein besonderer Tag, weil vor 70 Jahren der erste deutsche Friedensstaat gegründet wurde."

Matthias Werner, Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden

Am 7. Oktober 1949 war das, viereinhalb Monate nach Gründung der Bundesrepublik. Die DDR entstand. Der sogenannte Arbeiter- und Bauernstaat unter Führung der sozialistischen Einheitspartei SED. Der Beginn einer neuen Diktatur, vier Jahre nach Kriegsende. Für viele hier aber ist der 7. Oktober bis heute der Anfang der glücklichsten Etappe der deutschen Geschichte.

"Das war ein Paukenschlag in der Geschichte, dessen Widerhall bis heute der Kapitalistenbrut und ihren professionellen Hetzern gegen Sozialismus und Frieden in den Ohren klingt."

Matthias Werner, Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden

"Die DDR ist bis heute mehr als ein Stachel im Fleisch der herrschenden Klasse. Sie lebt."

Patrik Köbele, Vorsitzender Deutsche Kommunistische Partei

Zumindest für diese beiden Stunden, in diesem Saal, im Bürgerhaus Neuenhagen in Brandenburg. Mit Einspielfilmen, die zeigen sollen, wie das Leben in der DDR wirklich war: Selbstbestimmte Frauen. Eine starke Wirtschaft mit glücklichen Werktätigen. Ein Staat, in dem die Gemeinschaft noch was zählte.

Lied: „Weil ich allzeit jedermann, offen kann ins Auge schauen. Und dem nächsten kann vertrauen. Nämlich bin ich glücklich.“

Vertrauen also und offen ins Auge schauen.

Diese Bilder wurden übrigens nicht gezeigt beim DDR-Revival: Die Mauer und die Toten, das Spitzelsystem der Staatssicherheit, die Unterdrückung der eigenen Bürger – all das blieb außen vor. Die Opfer der SED-Diktatur, für den Veranstalter waren sie offenbar selber schuld.

„Niemand hat mit Willen Menschen erschossen"

Matthias Werner, Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden: "In die anderen Länder zu reisen ist natürlich eine schöne Sache, also in der Hinsicht gibt es natürlich einen großen Teil der Bevölkerung auch in der DDR, die gerne alles, wie das immer beim Menschen ist, haben wollen. Das ging nicht zusammen."

report München: "Aber war das eine Rechtfertigung, die Menschen zu erschießen dann an der Grenze?"

Matthias Werner, Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden: "Niemand hat mit Willen Menschen erschossen, sondern das war eine gesicherte Grenze zwischen zwei gesicherten Blöcken."

Vieles an diesem Vormittag klingt zynisch. Und manches wie ein schlechter Scherz. Diese Werbezettel zum Beispiel. Für ein internationales Kinderferienlager in einer der brutalsten Diktaturen der Welt.

Ferien in der Diktatur

report München: "Man kann sich da anmelden und seine Kinder ins Ferienlager nach Nordkorea schicken?"

Michael Koth, Korea-Studiengruppe Berlin und Brandenburg: "Kann man selbstverständlich, wir nehmen erstmal Kinder aus sozial schwachen Kreisen. Das heißt, das wird dann gesammelt in der Solidarität, wenn der Vater obdachlos und die Mutter Flaschen sammelt, soll das Kind nicht daran gehindert werden, dorthin zu reisen. Und wir nehmen natürlich nicht jeden mit, wir nehmen gutwillige Leute mit, also Provokateure und andere haben die Koreaner genug."

report München: "Denken Sie, es ist eine gute Idee, Kinder nach Nordkorea zu schicken?"

Michael Koth, Korea-Studiengruppe Berlin und Brandenburg: "Das ist die beste Idee der Erde."

Nach zwei Stunden geht der Spuk zu Ende. Die DDR ist wieder Geschichte.

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