Report München


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Die Union nach der Laschet-Wahl Der Kampf um die Kanzlerkandidatur

Wer führt die Union in die Bundestagswahl? Am Samstag wählte die CDU einen neuen Vorsitzenden. Wird Armin Laschet auch der Kanzlerkandidat der Union oder tritt Markus Söder an? Dazu auch eine aktuelle Umfrage, durchgeführt von infratest dimap für report München.

Von: Benedikt Nabben, Markus Rosch

Stand: 19.01.2021

Drei Männer, ein Sieger und zwei Frauen, die zeigen, vor welcher Herausforderung Armin Laschet nun steht.

"Ich bin erleichtert, Armin Laschet ist die beste Wahl."

Anja Wagner-Scheid, CDU, Stellvertretende Bundesvorsitzende Frauenunion

"Ich bin sehr sehr gespannt, wie die Menschen in meinem Wahlkreis reagieren."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Sabine Buder lebt in Brandenburg. Die Tierärztin möchte im Herbst das Direktmandat im Wahlkreis 59 für die Union gewinnen, erstmalig in den Bundestag einziehen. Vor der Parteichef-Wahl macht sie eine Online-Abstimmung und fragt, wen die Wählerinnen und Wähler in ihrem Wahlkreis am liebsten als CDU-Vorsitzenden hätten.

"Die Mehrheit der Menschen in der Region wünscht sich Friedrich Merz als neuen CDU-Bundesvorsitzenden. Armin Laschet ging in meiner Facebook-Umfrage ohne Stimme aus."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Frauenunion klar gegen Friedrich März

Wie die meisten in ihrer spontanen Umfrage hatte sie sich Friedrich Merz als Vorsitzenden gewünscht. Vor allem, weil sie glaubt: Mit Merz hätte sie besser gegen die AfD punkten können.

Ganz anders ist die Gemütslage im Saarland, bei Anja Wagner-Scheid. Sie ist Finanz-Staatssekretärin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Frauenunion. Diese hat sich klar für Armin Laschet und Norbert Röttgen ausgesprochen – Hauptsache Friedrich Merz verhindern. 

"Wir wollen, dass mehr Frauen in unseren Parlamenten vertreten sind. Wir wollen auch eine Wahlrechtsreform, die es möglich macht, dass Frauen zu gleichen Teilen auf allen Listen vertreten sind. Und da haben Röttgen und Laschet uns klare Zusagen gegeben."

Anja Wagner-Scheid, CDU, Stellvertretende Bundesvorsitzende Frauenunion

Die eine ist zufrieden mit der Wahl, die andere hadert mit dem Ergebnis. Eine repräsentative Infratest dimap Umfrage im Auftrag von report München zeigt: Deutschlandweit halten 48 Prozent der Wahlberechtigten Armin Laschet für eine gute Wahl, 32 Prozent für eine schlechte. Bei den CDU-Anhängern sieht es für ihn nur geringfügig besser aus.

Angela Merkel prägte die CDU die letzten zwei Jahrzehnte. Jetzt übernimmt er das Ruder.

"Armin Laschet hat betont, er stehe für Kontinuität, und ich glaube auch, dass er das entsprechend auch wahrnehmen wird. Er wird sicherlich auch den Rat der Kanzlerin einholen."

Anja Wagner-Scheid, CDU, Stellvertretende Bundesvorsitzende Frauenunion

"Also, das glaube ich nicht, dass es so weitergeht. So oder so ist das eine andere Person, die jetzt unser Bundesvorsitzender ist."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

38 Prozent der Wahlberechtigten glauben, dass sich die CDU unter Armin Laschet in eine Richtung entwickelt, die ihnen gefällt. 41 Prozent dagegen sagen, die CDU wird sich in eine Richtung entwickeln, die ihnen nicht gefällt.

Der NRW-Ministerpräsident gewinnt die Wahl zum Parteichef nur knapp, auf Armin Laschet entfallen 521 Stimmen.

Große Chancen auf Kanzlerkandidatur für Laschet

Seine Chancen auf die Kanzlerkandidatur sind groß: Auch, weil Konkurrent Merz viele Sympathien verspielt, als er trotz verlorener Wahl das Wirtschaftsministerium fordert und nicht ins Führungsteam will. Gleichzeitig macht sich Jens Spahn angreifbar, durch seinen Werbeauftritt für das eigene Team auf dem Parteitag. Nicht nur aus dem Saarland kommt nun eine klare Forderung – gerichtet an die eigene Schwesterpartei:

"Die CDU ist der große Bruder in der Konstellation mit der CSU. Wir haben jetzt einen neuen Bundesvorsitzenden. Armin Laschet sollte auch Kanzler werden."

Anja Wagner-Scheid, CDU, Stellvertretende Bundesvorsitzende Frauenunion

In Ostdeutschland hatten viele in der Union auf Friedrich Merz gehofft, sind enttäuscht von der Wahl Laschets. Der lachende Dritte könnte nun Markus Söder werden. Hier zumindest könnten sich viele den bayerischen Ministerpräsidenten als Kanzlerkandidaten vorstellen.

"Mir ist es wichtig, dass wir einen Kanzlerkandidaten finden, der die Fähigkeit hat, die Gabe hat, alle Menschen in Deutschland anzusprechen. Da sollte man auf Umfragen reagieren, man sollte diese Umfragen ernst nehmen."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Umfrage: Mehrheit will Söder als Kanzlerkandidaten

Die report München-Umfrage ist eindeutig. 54 Prozent der Wahlberechtigten halten Markus Söder für einen guten Kanzlerkandidaten, von den Unions-Anhängern meinen dies sogar 72 Prozent. Dagegen glauben nur 34 Prozent der Wählerinnen und Wähler, Armin Laschet wäre ein guter Kanzlerkandidat. Bei den Unions-Anhängern sind es immerhin 41 Prozent.

Der letzte CSU-Kanzlerkandidat der Union hieß Edmund Stoiber. Seine Kandidatur wurde in einem persönlichen Treffen mit Angela Merkel beschlossen. Er traut Söder und Laschet die Kandidatur zu. 

"Jeder Kanzler der Union und Kanzlerkandidat der Union war immer Parteivorsitzender. Und natürlich traut sich Laschet das zu, das hat er ja auch schon mehrfach bekundet. Aber mehr als ein Vorschlagsrecht hat die CDU nicht, sie braucht die Zustimmung der CSU. Und das werden, glaube ich, zunächst einmal beide Parteivorsitzenden erörtern und einen gemeinsamen Vorschlag machen."

Edmund Stoiber, CSU-Ehrenvorsitzender

"Die Vorstellung, dass es eine einvernehmliche Entscheidung gäbe zwischen Parteivorsitzenden der CDU und der CSU ist eine naive Vorstellung. Am Ende entscheiden die großen Figuren in beiden Parteien, es entscheidet vor allem die Angst der Bundestagsabgeordneten, die um ihre Mandate fürchten."

Albrecht von Lucke, Politologe, Blätter für dt. und internat. Politik

Unmut bei März-Anhängern

Armin Laschet ist der erste Parteichef in Deutschland, der digital gewählt wurde. Damit das Ergebnis rechtskräftig wird, müssen die Delegierten den neuen Vorsitzenden nun per Briefwahl bestätigen. Ob die Merz-Wähler Laschet unterstützen oder ihn durch Stimmverweigerung schon vor Amtsantritt schwächen?

"Die Gefahr einer Überraschung bei der Briefwahl besteht durchaus, aufgrund des Unmuts auf der einen Seite des Merz-Lagers. Aufgrund der Tatsache, dass sich überhaupt alle Verlierer wieder aufraffen müssen, überhaupt diesen Zettel abzuschicken."

Albrecht von Lucke, Politologe, Blätter für dt. und internat. Politik

Sabine Buder auf dem Weg zu einem Termin in ihrem Wahlkreis in Brandenburg. Kurz nach der Wahl Laschets machen sie sich hier Sorgen, dass die Union nicht zur Ruhe kommt.

"Die große Bitte ist, dass wir uns im Wahlkampf bitte nicht zerfleischen."

René Koth, CDU

Ob Laschet die Union einen kann – die nächsten Wochen werden es zeigen.

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