Report München


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Angriffe auf Israelis Antisemitismus in Deutschland

Angriffe auf Israelis mit Kippa. Musiktexte mit antisemitischem Inhalt. Rechte Hetze im Netz. Nicht nur die Juden in Deutschland sondern auch die Menschen in Israel sind besorgt über diese Entwicklung. Ein Stimmungsbild.

Stand: 24.04.2018

Berlin, Prenzlauer Berg: Ein Palästinenser aus Syrien prügelt auf  den jungen Israeli Adam Armoush  brutal ein. Nur weil er eine Kippa trägt. Die arabischen Freunde klatschen Beifall. Armoush kann den Angriff filmen. Verhindert dadurch wohl noch Schlimmeres.

Noch Tage danach ist Armoush geschockt. Immer wieder schaut sich der Student die Szenen an.

"Ich bin relativ ruhig geblieben. Aber ich hatte Riesenangst. Und ich habe noch eine Stunde danach gezittert die ganze Zeit. Denn es war Aufregung und richtig viel Stress."

Adam Armoush, Student

Der alltägliche Antisemitismus in Deutschland. Manchmal brutal. Manchmal getarnt als Kunst.

Erst vor kürzlich bekommen die Rapper Kollegah und Farid Bang den Musikpreis Echo.

Auch für einen Song,  in dem beide sich über Auschwitz-Häftlinge lustig machen.

Treffen mit Moshe Zimmermann. Der israelische Historiker forscht seit Jahrzehnten zum Antisemitismus, ist von der aktuellen Entwicklung nach Jahren der muslimischen Zuwanderung aber nicht überrascht.

"Der Antisemitismus ist nicht verschwunden, das ist klar, etwa ein Fünftel der Bevölkerung bring ein antisemitisches Syndrom zum Ausdruck. Das ist aber europäischer Durchschnitt."

Moshe Zimmermann, Historiker Hebrew Universität Jerusalem

Ob Durchschnitt oder nicht:  In Israel wird dies alles kurz nach den Feiern zum 70. Gründungstag des Staates sehr aufmerksam beobachtet. Viele sind deshalb aufgewühlt, auch entsetzt:

Israelis kurz nach den Feiern zum 70. Gründungstag des Staates

"Es ist schrecklich. Der Antisemitismus kommt wieder hoch . Die Leute hier haben das so nicht wirklich erwartet."

"Beklemmend, weil es speziell gegen Juden und Israelis gerichtet ist."

"Das ist ein Zeichen unserer Zeit. Vielleicht werden wir zu bequem. Juden können doch eigentlich nicht außerhalb Israels leben. Hier müssen wir leben. Und manchmal müssen wir daran erinnert werden."

Die deutsche Politik reagiert. Interview mit der deutschen Kanzlerin im israelischen Fernsehen.

Zur besten Sendezeit. Angela Merkel zeigt sich besorgt, verspricht zu handeln.

"Wir tun alles für ihre Sicherheit. Wir sind aber auch bedrückt darüber, dass wir den Antisemitismus noch nicht abschließend in die Schranken weisen konnten. Wir haben auch neue Phänomene, indem wir jetzt auch Flüchtlinge haben, zum Beispiel, oder Menschen arabischen Ursprungs, die eine andere Form von Antisemitismus ins Land bringen."

Angela Merkel (22.04.2018)

"Das Hauptproblem ist der Antisemitismus in der alteingesessenen deutschen Gesellschaft. Wenn man nur oder hauptsächlich vom Antisemitismus der Araber in Europa spricht, hat man hier vom Hauptproblem abzulenken versucht."

Moshe Zimmermann, Historiker Hebrew Universität Jerusalem

Antisemitismus, ob von Arabern oder Deutschen: Adam Armoush fühlt sich momentan nicht mehr sicher in Berlin, sagt er. Und auch wenn der Angreifer mittlerweile festgenommen wurde: Die brutalen Bilder bekommt er nicht mehr aus dem Kopf.

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