Report München


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60 Jahre report München Die ersten Jahre: Weichenstellungen für die Zukunft

Am 5. August 1962 sendet die ARD die erste Ausgabe von report München. Bald schon gehört die Sendung "zu den Unentbehrlichen des Deutschen Fernsehens" schreibt die Hannoversche Presse. Die report München-Sendungen werden zum Tagesgespräch.

Von: Olivia Rademacher

Stand: 02.08.2022

Altes report Logo in schwarz weiß | Bild: BR

Am 5. August 1962 sendet die ARD die erste Ausgabe von report München. Bald schon gehört die Sendung "zu den Unentbehrlichen des Deutschen Fernsehens" schreibt die Hannoversche Presse. Das Magazin zeichne sich "durch nüchterne Arbeit (…) den journalistischen Problemen dieser Tage gewachsen" ist in der Welt zu lesen. Neben dem Lob gibt es aber natürlich auch Kritik: report München sei "flüchtig skizziert und ungewürzt", findet die Münchener Abendzeitung im Februar 1964.

Klaus Stephan

Die report München-Sendungen werden zum Tagesgespräch. Veränderungen im report-Team und der Moderation sorgen für Diskussionsstoff. Im Sommer 1970, beim Wechsel der Moderation von Hans Heigert zu Klaus Stephan berichten Zeitungen ausführlich über die Rochade. Denn "Report ohne Nachfolger" sei nicht akzeptabel, meint die Süddeutsche Zeitung.

Erfinder des Sendungsnamens report ist Dagobert Lindlau zusammen mit Moderator Hans Heigert. Der Begriff "report" sei nicht nur gebräuchlich und international verständlich, er drücke auch aus, welches journalistische und filmische Genre der Zuschauer erwarten darf: Reportage pur. Für die Reporter gibt es keine Grenzen; weder damals noch heute.

1967 fliegt Dagobert Lindlau in die USA. Sein Bericht trägt den Titel: "Die Hippies von San Francisco". Lindlau zeigt junge Menschen im Drogenrausch, fährt mit einem Ford Mustang durch das berühmt-berüchtigte Haight-Ashbury und kauft am Ende sogar selbst LSD am Straßenrand. Ein Beispiel dafür, wie politische Magazine wie report München in ihren Anfangsjahren das klassische Genre der Reportage geprägt haben.

Vietnam während des Krieges 1968: Report begleitet Kriegskinder, die alleine oder in Gruppen im Dreck der Straßen Saigons leben. Durch Krieg und Tod von ihren Eltern getrennt, kämpfen sie um das tägliche Überleben, den Hunger und gegen die nächtlichen Entführungen der Mädchen in die geheimen Kriegsbordelle.

1972 macht report München erneut Riesenschlagzeilen: Der neue Redaktionsleiter und Moderator, Klaus Stephan, ist Teil einer großen internationalen Recherchekooperation. Journalisten aus Großbritannien, dem damaligen Jugoslawien, der Schweiz, Israel und Kanada testen die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen. Damals ein Riesenthema: In den frühen 70er Jahre kommt es immer wieder zu furchtbaren Terroranschlägen in der Luftfahrt. Die Rechercheidee der Journalisten: Sie geben Gepäckstücke mit tickenden Uhren auf, um so Sicherheitsmaßnahmen zu testen. Polizei und Zoll werden im Vorfeld streng vertraulich informiert. Die Recherchen zeigen: Einige der Pakete werden tatsächlich mitgenommen.

Egal, was in der Welt passiert – die Kuba Krise, die Spiegel-Affäre, der Fall der Berliner Mauer oder die Terroranschläge in New York — report München war und ist immer mit dabei. Höchst prominente Persönlichkeiten wie der der mächtigste Politiker der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, der französische Staatspräsidenten Charles de Gaulle oder der Philosoph Jean-Paul Sartre stellen sich den Fragen der report München Journalisten.

Die ersten Jahre des Politimagazins aus München sind wegweisend für alle weiteren Jahre, sodass report München heute – 60 Jahre nach seiner Gründung – immer noch durch seine hartnäckigen und investigativen Recherchen für Gesprächsstoff sorgt.


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