Report München


2

Laschet im Umfragetief Schafft die Union die Wende?

Miese Umfragen, schlechte Persönlichkeitswerte des Kanzlerkandidaten: Der Wahlkampf von Armin Laschet läuft schlecht. report München hat sich in den neuen Bundesländern umgehört; dort wo viele CDU-Anhänger von Anfang mit Armin Laschet haderten.

Von: Markus Rosch

Stand: 31.08.2021

Eine Fahrt durch Berlin und Brandenburg. Endspurt im Wahlkampf. Was auffällt: Nirgendwo hängen Plakate des CDU-Kanzler-Kandidaten.

Auch sie plakatiert. Mit der ganzen Familie. Sabine Buder, Bundestagskandidatin im Wahlkreis 59, Märkisch-Oderland. Eigentlich eine CDU-Hochburg. Doch diesmal gibt es ein Kopf-Kopf Rennen. Vor allem die AfD ist stark, die SPD holt auf. 

Schafft die Union die Wende? | Bild: BR

"Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Ernsthaftigkeit der Lage noch nicht bei allen angekommen ist. Es gibt noch eine gewisse Bräsigkeit. Wir schaffen das schon. Wir haben es ja immer irgendwie geschafft. Wir hängen ein paar Plakate, wir drucken CDU drauf, und dann wird es schon reichen. Ich habe schon die Bedenken, dass dann am 26. September ein böses Erwachen geben könnte."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Wir haben Sabine Buder über das Jahr begleitet. Den Wahlkampf führt sie ohne große logistische Unterstützung der Partei. Die Tierärztin hat sich immer klar positioniert. Erst für Merz als Parteivorsitzenden. Dann für Söder als Kanzlerkandidaten. Jetzt muss sie gegen die Abwärtsspirale und um jede Stimme kämpfen. An diesen Tag hat sie prominente Unterstützung: Den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans. Das Problem von Sabine Buder: Ihre persönlichen Werte sind gut, die Parteiwerte aber miserabel.

"Wir haben noch wenige Wochen. Aber diese wenigen Wochen sind auch eine Chance. Wenn da Nachbesserung-Möglichkeiten sind, dann sollte man die auch nutzen. Wir müssen alles in die Waagschale werfen. Ein Stück weit müssen wir auch riskieren. Wir müssen mutig sein, sonst werden wir es nicht schaffen."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Umfragewerte auf Rekordtief

Buders Hoffnung: Das sogenannte Triell der Kanzlerkandidaten letztes Wochenende. Doch auch danach gibt es keine Trendwende. Die Umfragewerte der CDU, von Armin Laschet, sinken weiter. Auf ein Rekordtief. Hilflos, ohne Strategie sei das alles, meint der Politologe Albrecht von Lucke. Die Union sei zerrissen, ohne Kampfeswillen.

Schafft die Union die Wende? | Bild: BR

"Wenn Armin Laschet Pech hat, momentan spricht Einiges dafür, wenn sich sein Abwärtstrend weiter verstetigt und er am Schluss krachend verliert, dann ist es nicht nur eine tragische Rolle, sondern Ausdruck eines doppelten Partei-Egoismus, sowohl seiner eigenen Person als auch der CDU in Gänze, vor allem von Wolfgang Schäuble, der dazu geführt hat, den schlechteren Kandidaten Laschet gegen den Stärkeren, Söder, in Stellung zu bringen und dann am Ende alles zu verlieren für die gesamte Union."

Albrecht von Lucke, Politologe, Blätter für deutsche Politik

Rückblick: Das Ringen um die Kanzlerkandidatur. Showdown in Berlin im April. Laschet setzt sich in einem harten Kampf gegen Markus Söder durch. Der hat mehr Zuspruch bei den Parteimitgliedern, besser Umfragewerte. Doch die Parteigranden unterstützen den CDU-Chef. Vor allem Wolfgang Schäuble. Bei der CSU hat man diese Niederlage immer noch nicht verdaut. Wie tief der Stachel sitzt, merkt man letztes Wochenende.

Markus Söder im Interview

Journalist: "Wer war der härtere Rivale, Seehofer oder Laschet?"

Markus Söder: "Schäuble."

Seitdem hat die Union ein Problem: Den Schattenkandidaten Söder. Der trifft am Wochenende auf Robert Habeck, den Schattenkandidaten der Grünen. Die eigentlichen Spitzenkandidaten werden in der Diskussion nicht erwähnt. Ein kalkulierter Affront?!

"Söder ist kein Mann, der für eine Gemeinsamkeit zu kämpfen bereit wäre. Söder kämpft immer in erster Linie für Markus Söder. Man könnte sagen: Söder First, CSU First. Und dann kommt die CDU. Damit sind zwei Dinge zusammengekommen, die für diesen Wahlausgang der Union fatal sind: Die Einheit ist nicht vorhanden und es ist der ersichtlich schlechtere Kandidat."

Albrecht von Lucke, Politologe, Blätter für deutsche Politik

Scholz als Nachfolger von Merkel?

Das alles nützt momentan ihm: Olaf Scholz. Der Kanzlerkandidat der SPD liegt in den Umfragen plötzlich vorne. Er hat das im report-Interview schon im Juni prophezeit: Wolfgang Thierse, der ehemalige Bundestagspräsident. Wir treffen das SPD-Urgestein erneut. Thierse sieht Scholz in der Kontinuität von Angela Merkel und seine SPD am Ende eines harten Lernprozesses nach einem entäuschenden Wahlkampfauftakt.

Schafft die Union die Wende? | Bild: BR

"Offensichtlich ist vielen Funktionären der SPD der Schreck in die Glieder gefahren angesichts der niederschmetternden Umfrage-Ergebnisse. Und sie haben gelernt, das nur Geschlossenheit den Eindruck von Verlässlichkeit und politischer Führungskraft ermöglicht."

Wolfgang Thierse, SPD, ehemaliger Bundestagspräsident

"Er ist der Mann mit der Raute. Scholz kann für sich reklamieren, ich bin der natürliche Nachfolger von Merkel. Und deshalb fliegen ihm mittlerweile auch die Wähler zu, die keine Experimente sagen."

Albrecht von Lucke, Politologe, Blätter für deutsche Politik

Schwierige Zeiten für Sabine Buder. Auch in Brandenburg verliert die CDU an Zustimmung. Es könnte knapp werden mit dem Direktmandat. 

"Die Lage ist ernst. Und ich habe manchmal den Eindruck, dass Kritik oder geäußerte Skepsis als Nestbeschmutzung wahrgenommen wird.  Und das ist falsch. Ich bin diejenige, die hier die Fahne der CDU hochhält."

Sabine Buder, CDU, Bundestagskandidatin

Noch knapp vier Wochen bis zum Wahltag. Sabine Buder will weiter Plakate aufstellen. Armin Laschet wird auf ihnen weiter nicht abgebildet sein.

Manuskript zum Druck

Manuskript als PDF:


2