Report München


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Überlebt Drei Wochen Corona-Hölle

Über den Fall berichteten wir in der vergangenen Sendung: Die Corona-Infektion eines Iranischen Ingenieurs und seiner schwangeren Frau wurde zunächst unterschätzt, das Paar kam erst in eine Münchner Klinik als sie schon fast kollabiert waren. Zwischendurch schwebten sie in Lebensgefahr. Nun wurden sie entlassen. Welche psychischen Spuren haben die Wochen zwischen Tod und Leben hinterlassen? Was ist ihre Botschaft an die Gesunden?

Von: Markus Rosch

Stand: 31.03.2020

Shurab Khosbuie ist gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der 43jährige Ingenieur ist noch geschwächt, hat stark abgenommen. Fast vier Wochen war Khosbuie auf der Isolationsstation des Schwabing Krankenhauses. Einer der ersten, schweren Corona-Fälle in München.

Einer der ersten, schweren Corona-Fälle in München

"Es war eine sehr lange Zeit. Inzwischen geht es mir viel viel besser. Ich bin seit ein paar Tagen zu Hause. Und es gibt keinen Alltag. Es ist alles andere als normal draußen. Wir waren die ganze Zeit zu Hause. Wir sind auch neulich umgezogen. Bei uns liegen noch überall Umzugskartons, die nicht ausgepackt sind. Und wir haben weder Kraft noch Motivation die auszupacken. Wir leben jetzt einfach. Wir versuchen uns erst einmal zu erholen von der Krankheit."

Shurab Khosbuie

Vor vier Wochen erreicht report München der Hilferuf von Khosbuies Anwältin. Ihr Mandant liege seit dem 1. März auf der Intensivstation. Er sei verzweifelt, wolle seine Geschichte öffentlich machen:

"Vorgestern ging es mir sehr, sehr schlecht, sodass ich wirklich mein Testament geschrieben habe. Ich dachte ich sterbe."

Shurab Khosbuie am Handy

72 Stunden kommt niemand, um Ihnen zu helfen

Khosbuies schwangere Frau war im Urlaub im Iran. Ende Februar reist sie mit Krankheitssymptomen ungehindert nach Deutschland ein. Als sich ihr Zustand verschlechtert, auch ihr Mann Symptome zeigt, rufen sie die Notnummern an, wollen sich testen lassen. 72 Stunden kommt niemand, um Ihnen zu helfen, dann werden sie abgewiesen, erzählt uns damals ein befreundeter Arzt.

"Er sagte zu mir, er war beinahe schon bewusstlos, bis die dann verstanden haben, was es ist und ihn und seine schwangere Frau, die ja noch stärker betroffen ist wie er, dann eben zu Hause abholen und ins Schwabinger Krankenhaus bringen. Offensichtlich war niemand hierauf vorbereitet."

 Dr. Sasan Harun-Mahdavi, Zahnarzt

"Ich muss zugeben, dass ich mich immer noch ärgere, warum man uns nicht geglaubt hat und man uns nicht frühzeitig getestet hat.  Wir mussten dann drei Tage oder mehr zu Hause leiden unter Fieber, Schmerzen."

Shurab Khosbuie

"Ich kann es nicht beschreiben, weil ich so etwas noch nie erlebt habe"

Immer wieder schaut sich Khoshbuie die Bilder aus dem Krankenhaus an. Tagelang ist nicht sicher, ob er überlebt.  Die Lunge ist schwer geschädigt. Mit Hilfe der Schwabinger Ärzte gelingen schließlich Fortschritte. Dann die Erleichterung: Seiner schwangeren Frau geht es besser, sie wird wenige Tage vor ihm entlassen, will aber heute nicht vor die Kamera. Die Welt draußen ist für beide nun eine andere.

"Ich kann es nicht beschreiben, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Ich glaube, für uns alle ist das neu. Aber daran müssen wir uns wohl gewöhnen."

Shurab Khosbuie

Jetzt hoffen Shurab Khosbuie und eine Frau, dass ihr ungeborenes Kind gesund zur Welt kommt. Und versuchen bis dahin die dramatische Zeit im Krankenhaus zu verarbeiten.

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