Report München


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report 15.01.2020 Gefährliches Cannabis

Zu unserem Film „Gefährliches Cannabis“ haben uns sehr viele Zuschriften und Kommentare erreicht. Hier nehmen wir zu den wichtigsten Punkten Stellung.

Stand: 15.01.2020

Grafik: CBD und THC in Cannabis | Bild: BR

Uns ging es in dem Film darum, auf die steigenden THC-Werte und die damit verbundenen Gefahren hinzuweisen. Darüber hatten wir im Vorfeld der Sendung mit mehreren Therapeuten und Suchtmedizinern gesprochen. Aus Sicht des Leiters „Suchtbereich und Substitutionsambulanz“ am Klinikum der Universität München, Prof. Dr. Oliver Pogarell, könne der „zunehmende Gehalt des THC - da haben wir in den letzten 10, 15 Jahren einen, großen starken Anstieg in den Blüten vermerkt - dazu führen, dass mehr cannabisbezogene Probleme auftreten.“ In seinem Bereich habe sich die Anzahl der Cannabispatienten „fast verdoppelt in den letzten Jahren.“ Therapeut Günther Schwind, der das Therapiedorf „Villa Lilly“ in Hessen leitet, stellt fest, dass sich „der Anteil der Menschen, die mit der Primärdiagnose Cannabis zu uns kommen, sich drastisch erhöht hat.“  In den 70er Jahren sei der THC-Gehalt „verschwindend gering“ gewesen. Das Cannabis, das heute auf dem Markt sei, erzeuge einen Rausch. „Das hat eine ganz andere Wirkung und ist für die Menschen, die es nutzen, eine große Herausforderung.“ Laut Prof. Dr. Pogarell sprächen Patienten von „Ängsten,  Wahrnehmungsstörungen oder auch von Realitätsverkennungen, wir nennen das cannabisinduzierte Psychose.“  Diese Analyse teilt auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V., Prof. Dr. Rainer Thomasius, der in unserem Film zu Wort kommt.

Eine europaweite Verdopplung der THC-Durchschnitts-Werte in Cannabisharz (Haschisch) stellten zudem Freeman et al. in ihrer vielbeachteten Studie „Increasing potency and price of cannabis in Europe, 2006–16“ fest. Der Anstieg der THC-Werte und die Anzahl der Cannabispatienten spiegelt sich zudem in den Reitox-Berichten der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht wieder.

Aus unserer Sicht sind diese suchtmedizinischen Analysen und Studien gerade in der aktuellen Debatte um die Legalisierung von Cannabis von hoher Relevanz. Natürlich lassen sie sich in politischer Sicht ganz unterschiedlich bewerten. Deshalb kommt in dem Film ausführlich die drogenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen zu Wort, Kirsten Kappert-Gonther, die einen legalen Verkauf von Cannabis in lizensierten Abgabestellen vorschlägt, um Nutzern transparent zu machen, wie stark eine Sorte ist. Renommierte Suchtmediziner sehen eine Legalisierung allerdings kritisch. Prof. Dr. Rainer Thomasius verweist auf eine großangelegte Untersuchung in den USA, die zeige, dass die sogenannte „Cannabis Use Disorder“ – also Nebenwirkungen des Cannabiskonsums – seit der Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten der USA zugekommen hätten. Sie ist im November 2019 erschienen: “Association Between Recreational Marijuana Legalization in the United States and Changes in Marijuana Use and Cannabis Use Disorder From 2008 to 2016”. Therapeut Günther Schwind ist ebenfalls gegen eine Legalisierung, da er davon ausgeht, dass dann mehr Menschen geben würde, die „psychische Auffälligkeiten“ zeigen würden.

report München hat an keiner Stelle einen Vergleich zu den Auswirkungen von Alkohol oder anderen legalen Drogen gezogen, weil das nicht Thema des Films war. Die Gefährlichkeit von Alkohol stellen wir nicht in Abrede. Es ging uns darum, abzubilden, welche Gefahr nach Expertenmeinung von steigenden THC-Werten in Cannabis ausgeht.


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