Report München


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Pressemitteilung vom 10. März 2020 Umfrage: Bedrohung von Bürgermeistern stark gestiegen

64 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland wurden bereits beleidigt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die im Auftrag des ARD-Politmagazins "report München" durch die Zeitschrift "Kommunal" durchgeführt wurde. Rund 2.500 – und damit rund ein Fünftel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland – haben sich an der großangelegten Studie beteiligt.

Stand: 10.03.2020

Die Ergebnisse zeigen auch: Aus Hasszuschriften wird immer häufiger körperliche Gewalt gegen Mandatsträger. Neun Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wurde bereits körperlich angegriffen, bespuckt oder geschlagen. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern berichten dies sogar 32 Prozent. Die Angriffe finden nicht nur aus der Anonymität heraus statt. 59 Prozent der Befragten berichten von Beleidigungen oder Übergriffen bei öffentlichen Veranstaltungen, 57 Prozent erlebten dies in den Diensträumen. Auch Mitarbeiter der Verwaltung und Gemeindevertreter werden vermehrt zur Zielscheibe: In 20 Prozent der Kommunen wurden diese körperlich angegriffen, bespuckt oder geschlagen.

In einer vergleichbaren Umfrage von "Kommunal" im Auftrag des ARD-Politmagazins "report München" aus dem vergangenen Jahr berichteten acht Prozent der teilnehmenden Bürgermeister von körperlichen Attacken auf sie selbst, Mitglieder des Stadt- und Gemeinderats oder Kollegen der Verwaltung.

Die Ergebnisse beunruhigen Professor Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld: "Wir sehen ein dramatisches Element: Die Gewalt verlässt das Internet. Die Angriffe aus dem Netz rücken näher an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister heran. Menschen suchen die Mandatsträger gezielt auf, um ihnen die Wut an den Kopf zu werfen und sie anzugreifen."

Die Befürchtung vieler Experten, dass sich das aggressive Klima auf die lokale Demokratie auswirke und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nicht mehr zu dem Job bereit seien, bestätigt sich teilweise. Der Umfrage zufolge will knapp ein Drittel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nicht mehr zur Wahl antreten. Fünf Prozent der Befragten begründen dies auch durch konkrete Bedrohungen, zwölf Prozent durch das Anspruchsdenken der Bürgerinnen und Bürger, neun Prozent nennen die Diskussionskultur im Alltag als einen Grund für den Rückzug.

Der Inhalt der Pressemitteilung ist frei zur Verwendung bei Nennung: Umfrage im Auftrag des ARD-Politikmagazins "report München", durchgeführt von der Zeitschrift "Kommunal"


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