Report München


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Pressemitteilung vom 6.3.18 - report München Mitarbeiter mehrerer Hilfsorganisationen haben Menschen missbraucht oder sexuell belästigt

Der Sex-Skandal bei Oxfam ist womöglich nur die Spitze des Eisbergs: Zahlreiche weitere Hilfsorganisationen müssen nach Recherchen des ARD-Politmagazins "report München" eingestehen, dass Mitarbeiter aus ihrem Haus Menschen in Not oder Kolleginnen und Kollegen sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Stand: 06.03.2018

Laut einer Umfrage von "report München" unter den 50 größten Hilfsorganisationen hat es in den vergangenen Jahren mindestens 132 bestätigte Fälle von sexuellem Missbrauch, sexueller Belästigung oder Ausbeutung gegeben. Angefragt wurde über die deutschen Niederlassungen. Die Opfer sind Menschen, die in Not Hilfe suchen oder aus dem Kollegenkreis stammen.

Zahlreiche Fälle bestätigen gegenüber "report München": Care International, UNICEF, Amnesty International, SOS Kinderdorf International, die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Save the Children und Ärzte ohne Grenzen.

Für die Menschenrechtsaktivistin Inge Bell sind Kontakte zu Prostituierten oder sexueller Missbrauch durch Mitglieder von Hilfsorganisationen seit vielen Jahren ein offenes Geheimnis.

Inge Bell:  "In Kriegs- und Krisengebieten sind Frauen und Mädchen die Verliererinnen – und um zu überleben, um das blanke Überleben zu gewährleisten, verkaufen sie alles, was sie haben, und das ist letztlich nur noch ihr Körper. Und leider ist es eben so, dass sich auch internationale Friedenshelfer zu Schulden kommen lassen, diese Notfallsituation auszunutzen."

Bell sagte "report" weiter, die Institutionen hätten viel zu lange versucht, diese Fälle totzuschweigen.

Die UNO gibt inzwischen jährliche Berichte zu sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung durch Soldaten ihrer Friedensmissionen und zivile Mitarbeiter heraus. Allerdings kann sie die Täter nicht strafrechtlich verfolgen. Gegenüber "report München" räumt ein UNO-Sprecher ein, man müsse darauf vertrauen, dass die zuständigen Staaten dies übernähmen.

Zuletzt entgingen französische Soldaten einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft in Paris. Sie sollen in Zentralafrika mehrere Kinder missbraucht haben.

Die Recherchen von "report München" machen eines deutlich: Viele Hilfsorganisationen haben erst vor wenigen Jahren damit begonnen, professionelle Meldesysteme zu etablieren. Teilweise befinden sie sich noch im Aufbau. Nach Aussagen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, UNHCR, sind die dokumentierten Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung in den vergangenen Jahren auch deshalb gestiegen – erst durch die Verbesserung des Meldesystems kommen viele Beschwerden demnach ans Licht.

Zur Verwendung frei bei Quellennennung "report München".


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