Report München


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Pressemitteilung vom 11.10.2021: Betrug mit angeblicher Messung wichtiger Gesundheitsdaten Recherchen von report München führen zu Prozess gegen Hersteller von "Bioscan"-Geräten

Recherchen von report München zu "Bioscan"-Geräten, die angeblich binnen Sekunden medizinisch wichtige Gesundheitsdaten liefern können, haben jetzt zu einem Prozess gegen den Hersteller geführt. Vor dem Amtsgericht Reutlingen müssen sich zwei Männer wegen Betruges und Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetz verantworten. report München hatte schon 2018 nachgewiesen, dass die Werbebotschaften für diese Geräte nicht stimmen: Denn der "Bioscan" lieferte Ergebnisse – egal, ob ein Mensch an das Gerät angeschlossen war oder ein Leberkäse.

Stand: 12.10.2021

Der Hersteller aus Pliezhausen (Lkr. Reutlingen) wirbt nach wie vor für das Gerät. Angeblich kann es innerhalb von Sekunden wichtige Gesundheitsdaten messen, für die man normalerweise aufwendige Blutuntersuchungen braucht. Der vom Gericht bestellte Gutachter bezeichnete am ersten Prozesstag die angebliche Messmethode laut der Lokalzeitung "Reutlinger Nachrichten" wörtlich als "Humbug". Der Professor für Elektrotechnik bezweifelt demnach, dass es mit dem Gerät möglich ist, menschliche magnetische Wellen zu messen und daraus Rückschlüsse auf Gesundheitsparameter zu ziehen.

Das hatte der von report München befragte Allergologe Prof. Walter Dorsch schon 2018 beim Test der Geräte festgestellt. Auch er wurde vom Gericht als Zeuge geladen. Gegenüber dem ARD-Politmagazin sagte er 2018, bei dem Gerät werde eine "medizinische Terminologie" vorgetäuscht, hier sei "eine Betrugssoftware am Werk". Ebenso vom Gericht als Zeugen geladen wurden Käufer der "Bioscan"-Geräte und auch der Blogger Daniel Pugge. Er hatte 2018 vor den Kameras des Bayerischen Rundfunks ein solches "Vital-Diagnose-Gerät" zerlegt, das angeblich Schwingungen im Informationsfeld des menschlichen Körpers messen soll. Pugge kam zu dem Schluss, dass das Gerät keinerlei Messungen durchführt, sondern die angeblichen Messergebnisse lediglich von einer Software stammten, die Ergebnisse nach Parametern wie Alter und Geschlecht per Zufallsgenerator liefere. Diesen Verdacht hatten auch Anwender, Ärzte und Heilpraktiker geäußert, denn das Bioscan-Gerät generierte unterschiedliche Messergebnisse von ein- und demselben Proband – je nachdem, welches Alter dem Gerät angegeben wurde.

Das Gerät war ein Verkaufsschlager. Sogar die Reformhauskette "Vitalia" bot bundesweit Tests unter dem Slogan "Gesundheit ist messbar" an. Während "Vitalia" nach der Berichterstattung die Tests zurückzog, ging und geht bis heute der Vertrieb an Heilpraktiker, Drogerien und Apotheken weiter.

In Bayern blieben die Behörden weitgehend untätig. Im Januar 2019 testete Report München dann "Global Diagnostics" – auch ein Gerät, das Informationen über den Gesundheitszustand liefern soll. Auch dieses Gerät bestand den Leberkäse-Test nicht, konnte also nicht zwischen Leberkäse und Menschen unterscheiden. Obwohl dieses Gerät eine Medizingeräte-Zulassung besaß und vom TÜV zertifiziert war, sind die bayerischen Behörden bis heute nicht gegen den Hersteller vorgegangen.

Das Urteil im Betrugsprozess in Reutlingen gegen den Hersteller der "Bioscan"-Geräte wird voraussichtlich im Dezember fallen.

Zur Verwendung frei nur bei vollständiger Quellenangabe: "ARD-Politmagazin report München"


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