Report München


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Gipfeltreffen im Märchenschloss Warum besucht die Kanzlerin Markus Söder?

Herrenchiemsee im Sonnenglanz: Einen schöneren Ort hätte sich Markus Söder für sein überraschendes Treffen mit Angela Merkel nicht wünschen können. Ist dies der Startschuss für eine Kanzlerkandidatur des CSU-Vorsitzenden oder lediglich ein Höflichkeitsbesuch?

Von: Birgit Kappel, Benedikt Nabben

Stand: 14.07.2020

Mehr Kitsch geht nicht... Ein See, ein Schloss und ne Kutsche dazu.  Bayerische Postkartenidylle at its best. Es ist der Tag des Markus Söder mit Bildern für die Ewigkeit.

Und Angela Merkel? Man glaubt es kaum: Ihr gefällt´s.  Ja, die angereisten Söder-Fans. Sie hätten sich ein klares Statement gewünscht, aber um die Kanzlerkandidatur sollte es heute offiziell selbstverständlich nicht gehen. Ein Schelm, wer anderes denkt, bei diesem durch und durch inszenierten Auftritt.

Vor dem großen Spektakel auf der Insel treffen wir Söder Biograf Roman Deininger. Einer, der sich auskennt mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten.

"Die Gefahr bei Söder ist immer, dass er es überzieht, dass er es übertreibt und er hat in den letzten Wochen immer mehr mit der Kanzlerschaft kokettiert, obwohl es eigentlich gar nicht sein Karriereziel ist, also er ist in einer großen Versuchung offenbar. Er versucht jetzt das Spiel offen zu halten."

Roman Deininger, Reporter Süddeutsche Zeitung

Und sie spielt mit. Heute zumindest. Schiff, Kutsche, Schloss, alles an diesem Tag ist symbolträchtig. Zwar dürfen die Pressevertreter im historischen Spiegelsaal nur kurz ein paar Aufnahmen machen. Aber egal. Inhaltlich ist die folgende Kabinettssitzung heute eh nur am Rande Thema.

"Söder betont, dass Herrenchiemsee natürlich auch der Ort des Verfassungskonvents ist, der Grundgesetzberatungen, aber die erste Assoziation ist natürlich Ludwig der II., der hier den Französischen Sonnenkönig nachgeahmt hat, ein kleines Versailles gebaut hat, aus viel Gold und Mamor, glaub irgendwann ist Gold und Marmor ausgegangen und sie haben Fake-Material verwendet, also es ist ein bisschen Sache von Sein und Schein und Söder setzt sich in bestes Licht."

Roman Deininger, Reporter Süddeutsche Zeitung

Im besten Licht dann auch, der Höhepunkt des pompösen Tages. Und endlich auch die Fragen aller Fragen:

Pressekonferenz

Reporter: „Und meine zweite Frage: Hätte denn, Frau Bundeskanzlerin, Markus Söder das Zeug zum Bundeskanzler?"

Angela Merkel:  „Ja. (Lacher) Ich beantworte Frage 1.“

(Söder mit Handbewegung.... noch mal Lacher...)

Typisch Söder. Und dann 1. Minute und 48 Sekunden später: typisch Merkel.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin: „Ich kann nur sagen, Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten und der hat mich heute eingeladen, mehr können Sie heute von mir dazu nicht hören."

Das war's. An dieser Stelle blieb sich Merkel treu. Mehr konnte Söder aber auch nicht erwarten.

"Angela Merkel hat der Versuchung widerstanden irgendetwas allzu Positives über ihn zu sagen und die Frage wird sein, wie das in der CDU aufgenommen wird, ob die sich von solchen königlichen Inszenierungen eher bedrängt fühlen oder ob sie ihre neu entdeckte Liebe zu Markus Söder noch verstärken in den nächsten Monaten."

Roman Deininger, Söder-Biograf und Journalist

Offiziell mag sie sich in den Kampf um ihre Nachfolge nicht einmischen, doch Angela Merkel hätte auf die Inszenierung von heute auch verzichten können. Hat sie aber nicht. Zumindest Markus Söder dürfte es gefallen haben.

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