Report München


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Gegen das Vergessen Deutsch-Israelisches Manöver

Es ist ein historischer Moment. Deutsche und israelische Luftwaffensoldaten trainieren zum ersten Mal in Deutschland. Report begleitet Soldaten aus beiden Ländern. Bei der Reise, beim Training und beim gemeinsamen Gedenken.

Von: Benedikt Nabben

Stand: 25.08.2020 14:44 Uhr

Fliegerhorst Nörvenich bei Köln. Eurofighter-Pilot Thomas muss sich beeilen:

"Wir sollen heute ein Ziel angreifen. Leider stellen sich uns böse Flugzeuge in der Luft entgegen. Und wir erwarten, dass wir sozusagen die erst abschießen müssen."

Major Thomas

Herausfordernd: Deutsche und israelische Piloten trainieren erstmals gemeinsam über Deutschland. Israel ist kein NATO-Partner – einheitliche Standards fehlen.

"Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, die wir aus dem Training kennen. Ansonsten reichen wenige Wörter, um zu wissen, wovon wir sprechen. Das ist hier nicht so. Wir haben das versucht in der Planung auszumerzen, aber wir werden gleich sehen, wie gut das funktioniert."

Major Thomas

report München ist zwei Tage bei der Übung dabei, wird exklusive Einblicke bekommen. Sogar eine Notlandung werden wir erleben.

Eine Woche zuvor, Nevatim, Süd-Israel. Wir treffen den Piloten Omer. Der 29-Jährige bereitet sich auf seine erste Übung im Ausland vor. Und dann gleich: Deutschland.

"Jeder in Israel hat einen persönlichen Bezug zur Geschichte. Jeder von uns kennt jemanden, der den Holocaust überlebt hat. Das ist sehr emotional für mich."

Major Omer

Erste Übung in Deutschland

Für Omer ist es eine Ehre, sein Land bei der ersten Übung in Deutschland vertreten zu dürfen.

"Es repräsentiert die Vergangenheit, aber auch die Zukunft. Ich freue mich sehr darauf."

Major Omer

Die deutsch-israelische Geschichte – immer wieder nimmt sie die zentrale Rolle bei dieser eigentlich militärischen Übung ein. Gleich zum Auftakt der zwei Wochen darf Pilot Omer die große, weiße Gulfstream über das ehemalige Konzentrationslager Dachau fliegen. Gedenken per Funk: “Gemeinsam über das Tal der Dunkelheit zu fliegen schafft Raum für Licht in der Zukunft. Wie wir geschworen haben: Nie wieder.”

Kampfjets über einem ehemaligen KZ: Was hier manche irritieren mag – in Israel ist es ein Augenblick, der live übertragen und von einer halben Millionen Menschen verfolgt wird. Sogar Präsident Rivlin ruft persönlich bei seinem Luftwaffenchef an, um sich bei ihm und dem deutschen Inspekteur der Luftwaffe zu bedanken.

Der nächste Morgen: Jetzt geht es nur noch um die militärische Übung. Beide Luftwaffenchefs sehen große Herausforderungen:

"Die israelische Luftwaffe fliegt zu Hause in ihrer native Language, wie es so schön heißt. Hebräisch. Wir alles in Englisch. Und jetzt haben wir natürlich zusammenzufinden in Englisch."

Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe

"Wir kennen nicht das Terrain, wir sprechen Englisch, und wir fliegen mit anderen. So bereiten wir uns vor für unbekannte Missionen."

Amikam Norkin, Chef der israelischen Luftwaffe

Zurück in Nörvenich. Hier üben die Soldatinnen und Soldaten genau diese unbekannten Manöver. Mechaniker kontrollieren die Eurofighter auf kleinste Beschädigungen. Gleich sollen die deutschen Flugzeuge gemeinsam mit den Israelis in den simulierten Luftkampf aufbrechen.

Nur wenige Hundert Meter entfernt: Israelische F-16 Kampfjets. Mechaniker David ist eigens aus Israel angereist. Denn nur die eigenen Mechaniker können die Jets warten:

"Hier fehlt uns die gesamte Logistik. Wir haben alle Werkzeuge und so mitgebracht und alles in 24 Stunden aufgebaut. Das war hart, aber jetzt funktioniert es gut."

Mechaniker David

Historischer Moment

Heute soll alles besonders gut funktionieren, es ist Pressetag. Das gewaltige Medieninteresse zeigt: Hier passiert gerade Historisches. Die Piloten trainieren für einen möglichen Ernstfall – Flügel an Flügel.

Während die Soldaten am Boden ihre neu gefestigte Freundschaft präsentieren – dann das: Ein technischer Defekt zwingt einen der Eurofighter zum Umkehren. Der Jet muss mit vollen Tanks notlanden – ist entsprechend schwer zu bremsen. Mit zusätzlichem Bremsschirm kommt die Maschine schließlich zum Stehen.

Eurofighter-Pilot Thomas ist zufrieden mit seinen Übungs-Flügen, stellt aber Unterschiede bei den Israelis fest.

"Wir haben unterschiedliche Flugzeuge, unterschiedliche Bewaffnungen. Das ist geschuldet, nehme ich an, der Tatsache, dass sie eben eine Luftwaffe sind, die seit Jahrzehnten eine Verteidigungsrolle hat, noch stärker, als wir das mal hatten."

Thomas, Eurofighter-Pilot

Auch Jetpilot Omer ist inzwischen wieder gelandet. Noch immer ist er emotional berührt. Den Gedenk-Flug über Dachau wird er nie vergessen.

"Es war wunderbar, wirklich wunderbar. Wir haben gemeinsam Geschichte geschrieben."

Omer

Zwei Länder, deren Geschichte untrennbar verbunden ist gehen einen weiteren Schritt aufeinander zu – 75 Jahre nach dem Holocaust.

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