Report München


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Das Ringen um die Führung Wie CDU-Abgeordnete sich in der Kandidatenfrage positionieren

Bei der Union geht es ums Ganze: Wer wird die beiden Schwestern CDU und CSU in das Wahljahr 2021 führen? Armin Laschet, Norbert Röttgen oder Friedrich Merz stehen für die CDU im Focus, auch Jens Spahn wird immer wieder genannt. die besten Werte zur Zeit hat allerdings Markus Söder von der CSU. Für Abgeordnete, die um Einzug und Wiederwahl fürchten, zählt jede Stimme. Wen wünschen sie sich als K-Kandidaten? Wir begleiten zwei CDUler: Die neue Bundestagskandidatin und Shooting-Star der Brandenbuger CDU, Tierärztin Sabine Buder und den baden-württembergischen Wirtschaftsexperten Christian von Stetten, der bereits seit 2002 im Bundestag sitzt.

Von: Hans Hinterberger, Markus Rosch

Stand: 22.09.2020

Sie steht für den Generationswechsel in der CDU: Sabine Buder aus Biesenthal in Brandenburg. Die 36-jährige Tierärztin hat sich überraschend als Direktkandidatin für den Wahlkreis 59 durchgesetzt. Kandidiert nun für den Bundestag. Sie hat alte Strukturen aufgebrochen. Jetzt will sie diesen frischen Wind auch für die Bundespartei.

"Wir befinden uns im Umbruch. Und es ist ein Wunsch da, nach personeller und ein Stück weit auch inhaltlicher Neuaufstellung. Und das kann der Partei nur guttun."

Sabine Buder, CDU

Der Beruf als Tierärztin - ein Fulltime-Job. Aber sie kommt mit Vielen ins Gespräch. Heute ist sie auf dem Milchviehbetrieb von Tobias Böttcher. Impfen ist angesagt. Buders Wahlkreis ist schwierig, Linke und AfD sind stark. Schnell kommen Sie und der Landwirt auf die Personalfragen in der CDU zu sprechen;

"Wir als Landwirtschaft hängen unheimlich von der Politik ab, wie die Politik gemacht wird. Und dann letztendlich sind wir doch auch global, weltweit gesehen bloß ein ganz kleines Licht. Und unsere Produkte könnten eins zu eins ohne dass es einer merkt mit den Produkten aus dem Ausland ersetzt werden. Und dann sind wir arbeitslos hier, dass wäre schade."

Tobias Böttcher, Landwirt

"Und deshalb macht es einen Unterschied wer den Job kriegt. Also bei der spannenden Frage wer Vorsitzender oder Kanzlerkandidat wird, das bringt einen Unterschied für Deutschland."

Sabine Buder, CDU

Wer wird CDU-Vorsitzender? Wer wird Kanzlerkandidat?

Das Personal-Karussell in der Union dreht sich. Ausgang: Ungewiss. Da ist Armin Laschet, der Kümmerer, ein Vertrauter der Kanzlerin, der in der Coronakrise Akzente gesetzt hat. Friedrich Merz, der ewige Kandidat, CDU Fraktionschef der Vor-Merkel Ära. Und ein Außenseiter: Norbert Röttgen. Dem kaum noch Chancen eingeräumt werden. Dahinter lauern Markus Söder, der ehrgeizige Vorsitzende der kleinen Schwesterpartei CSU. Und Jens Spahn, der Jüngste, der sich zunächst hinter Armin Laschet gestellt hat.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Meinungsforscher Richard Hilmer mit der CDU.

"Die werden sich sicherlich, bei den Entscheidungen auch an den Umfragewerten orientierten. Denn die CDU ist eine sehr pragmatische Partei, da steht die Machtfrage ganz oben an. Insofern hat der die besten Chancen, der der CDU die besten Chancen verspricht, wenn es um die neue Bundestagswahl dann geht."

Richard Hilmer, Politikberater, Policy Matters

Die Union hat Ihre Personalentscheidungen immer an der Machtfrage orientiert: 1980, als man den CSU-Mann Franz Josef Strauß zum Kanzlerkandidaten kürt. Anstelle von Ernst Albrecht. Trotz eines starken Ergebnisses von über 44 Prozent verliert Strauß die Wahl.

2002, als Angela Merkel Edmund Stoiber die Kandidatur überlässt. Der CSU-Chef scheitert um wenige tausend Stimmen. Danach ist für Merkel der Weg frei.

2018 kommt es zur Kampfkandidatur um den CDU-Vorsitz. Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Friedrich Merz und Jens Spahn. AKK setzt sich kurzzeitig durch. Doch jetzt ein erneuter Kampf um die Führung und letztlich um die Kanzlerkandidatur. Die müsse für die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch allerspätestens bis März 2021 entschieden sein.

Entscheidung bis März?

"Viel länger kann man nicht warten. Weil man schlicht und ergreifend einen Wahlkampf gerade in diesen Zeiten auch ganz stark personenorientiert machen muss. Und da spielt es schon eine Rolle, ob der Kanzlerkandidat Laschet, Merz oder womöglich Söder heißt."

Prof. Ursula Münch, Bundeswehr-Universität München

Auch in der Bundestagsfraktion steigt die Spannung von Woche zu Woche. Sitzung des Mittelstands-Kreises. Christian von Stetten aus Baden-Württemberg gilt als erfahrener Strippenzieher. Er hofft, dass es schon im Dezember Klarheit über den Vorsitz gibt. Und: Der CDU-Vorsitzende müsse natürlich auch der Kanzlerkandidat sein.

"Ich habe mich schon sehr früh festgelegt, dass ich alle Kandidaten für geeignet halte, aber ich werde Friedrich Merz wählen."

Christian von Stetten, CDU

Warum?

"Ich glaube, er tut der Partei in dem jetzigen Zustand gut, ich glaube, wenn man mit der Basis spricht, die sind geradezu elektrisiert und sie würden eigentlich Morgen schon gerne die Plakate aus dem Keller holen und Wahlkampf machen für den nächsten Bundestagswahlkampf."

Christian von Stetten, CDU

"Nach Corona oder eigentlich ja jetzt schon haben wir massive Wirtschafts- und finanzpolitische Probleme. Da braucht es jemand mit seiner Erfahrung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik.  Das spricht ein bisschen für Merz. Und dann gibt es aber ungefähr genauso viele, die sagen, wir wollen die insgesamt erfolgreiche Linie der Bundeskanzlerin Merkel fortsetzen. Wir wollen eher eine liberale Flüchtlingspolitik, Gesellschaftspolitik, die setzen eher auf das Team Laschet."

Prof. Ursula Münch, Bundeswehr-Universität München

Sabine Buder ist noch nicht richtig im Wahlkampfmodus. Die vierfache Mutter ist gerade erst nominiert worden. Doch die Spannung steigt auch bei ihr. Die CDU im Osten muss sich gegen rechts und links behaupten. Ihren Favoriten für die Kanzlerkandidatur hat sie schon. Der hat am letzten Parteitag gesprochen.

"Wer mich besonders begeistert hat, war tatsächlich der bayerische Ministerpräsident. Markus Söder war in seiner Ansprache genauso, wie ich mir die Unionspolitik wünsche. Seine Ansprache war kompetent, kernig, aber sie war auch unterhaltsam und lustig. Und die Leute waren begeistert."

Sabine Buder, CDU

"Am Ende zählt, wem werden die besseren Chancen gegeben, nur die Voraussetzung, für eine Kanzlerkandidatur, wenn sie dann eben Söder angetragen wird, besteht schon darin, dass dieser Ruf auch aus der CDU erkennbar, hörbar kommt, denn alleine als CSU-Vorsitzender den Hut in den Ring schmeißen, das wäre eher kontraproduktiv."

Richard Hilmer, Politikberater, Policy Matters

Am Abend dann kommt Sabine Buder in der Hauptstadt an. Zum ersten Mal als gewählte Kandidatin. Ob ihre Präferenz für den möglichen Kanzlerkandidaten Söder auch von anderen CDU-Kollegen geteilt wird? Abwarten...


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