Report München


10

report München-Recherche Hundeattacken nehmen in Bayern zu

Hund tötet Mensch – solche Schlagzeilen gab es in diesem Jahr schon häufiger. Das Problem sind aus Sicht von Experten weniger die Hunde – sondern die Halter. Viele fordern daher einen Hundeführerschein für alle Hundehalter.

Von: Anna Klühspies, Fabian Mader

Stand: 31.07.2018

Rentner Wolfgang H. kann es bis heute kaum fassen. Vor rund einem Jahr ging seine Frau noch kurz spazieren durch das Dorf Frohnstetten in Baden-Württemberg. Sie kam nie mehr zurück. Ein Hund hat sie getötet.

"Ein sinnloser Tod, mit dem ich mich nicht abfinden kann. Dass sie so grausam sterben musste, das ist für mich schwer zu verkraften."

Wolfgang H., Witwer

Der Kangal war zuvor stundenlang allein in der Hitze – angekettet mit einem Halsband, von dem er sich losreißen konnte. Die Frau, die sich um das gefährliche Tier kümmerte, war den ganzen Tag über nicht zuhause.

Hundeattacken in Süddeutschland häufiger

Nicht nur in Baden-Württemberg, auch in Bayern nehmen Beißattacken von Hunden auf Menschen zu. Gab es 2011 noch 470 Vorfälle, waren es 2017 schon 624. Die Attacken durch sogenannte Kampfhunde sind sogar um fast 70% gestiegen, von 23 (2011) auf 39 (2017).

Was genau ein Kampfhund ist, ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. In Bayern gibt es dafür zwei Kategorien. Die erste zählt Rassen auf, für die es eine spezielle Erlaubnis braucht – die Hundehalter müssen sie immer an der Leine führen und weitere – teils strenge – Auflagen erfüllen. Dazu gehören Pit-Bull, Bandog, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa-Inu.

Bei anderen Rassen, etwa dem American Bulldog und dem Rottweiler können Halter im Einzelfall widerlegen, dass der Hund gefährlich ist. Gelingt das, müssen sie keine besonderen Auflagen beachten.

„Es gibt keine per se aggressiven Hunde“

Die Mainzer Tierärztin Kathrin Roiner-Frenzel hat in einer Studie untersucht, welche Hunderassen aggressiver sind als andere – Ihr Fazit: Es kommt ganz auf die Halter an. Eine Rasseliste greift daher aus ihrer Sicht zur kurz, sie fordert einen Hundeführerschein für alle Halter in Deutschland.

"Es gibt per se keine aggressiven Hunde. Wenn jeder Hundehalter angehalten ist, eine Prüfung mit seinem Hund zu machen, wenn man lernt, seinen Hund zu verstehen und besser zu lesen, werden hoffentlich Beißvorfälle vermieden."

Dr. Kathrin Roiner-Frenzel, Tierärztin aus Mainz

Einen solchen Hundeführerschein gibt es bislang nur in Niedersachsen. Und dort müssen die Halter den Test nicht mit ihrem eigenen Hund bestehen. Es reicht auch irgendein anderer Hund. Alle anderen Bundesländer verzichten bisher auf allgemeine Tests für alle Hundebesitzer – Berlin ist die Ausnahme – der Stadtstaat plant die Einführung im kommenden Jahr. In Bayern ist eine solche Regelung nicht geplant.

Urteil gegen die Halter

Die Halter des Hundes, der die Frau von Wolfgang H. totgebissen hat, wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Was der Rentner bis heute nicht fassen kann: Im Internet echauffierten sich Menschen, dass der Hund getöetet wurde - für seine Frau interessierte sich nach seinem Empfinden kaum jemand.

Manuskript zum Druck

Manuskript als PDF:


10