Report München


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Gefährliche Onlinewerbung Deutsche Firmengelder für Extremisten

Werbegelder großer bekannter deutscher Unternehmen und Institutionen fließen an Webseitenbetreiber, die extremistische Inhalte verbreiten. Nach Recherchen von report München ist sogar die Bayerische Staatskanzlei betroffen.

Von: Sabina Wolf

Stand: 13.02.2018

Werbebanner der Postbank auf einer Webseite mit einem Dschihadisten Chat. Anzeigen des Schuhherstellers Buffalo auf dschihadistischen Seiten, genauso wie die Annonce des Brillenherstellers Fielmann und des Optik-Konzerns Zeiss. Sogar Werbung für das Bürgergutachtens 2030. BAYERN, DEINE ZUKUNFT der Bayerischen Staatsregierung findet sich auf Internetseiten mit islamistischen Inhalten.

Es sind keine Einzelfälle, die das ARD-Politmagazin report München im Internet aufspürt. Gesucht haben die Reporter nach Online-Werbebannern deutscher Unternehmen und Institutionen ganz gezielt auf Seiten, die zum Kampf gegen Christen und Juden aufrufen, die Ermordung Homosexueller fordern, die Scharia propagieren und Propaganda gegen die westliche Welt streuen.

Unternehmen sind ahnungslos

Konfrontiert mit diesem Missstand reagieren Unternehmen alle gleich. Sie haben keine Ahnung: "Die Postbank distanziert sich ausdrücklich…" Wir bei Buffalo sind schockiert". Für die Bayerische Staatskanzlei ist die Angelegenheit "absolut inakzeptabel". Das sogenannte "Google-Display-Network" steuere die Werbung. Die Bayerische Staatskanzlei hätte weder Kenntnis noch Einfluss gehabt. Das ist in allen recherchierten Fällen so.

Thomas Jarzombek ist Bundestagsabgeordneter und IT-Experte der CDU-Fraktion. Die Reporter zeigen ihm einen Werbebanner der Postbank auf der Seite eines terroristischen Netzwerks.

"Das muss man abstellen. Das sind ja im Wesentlichen die Werbenetzwerke, die das organisieren, ich glaube nicht, dass bei der Postbank jemand mit Absicht eine Anzeige schaltet auf einem terroristischen Netzwerk."

Thomas Jarzombek, CDU-Bundestagsabgeordneter

Wie läuft das Geschäft?

So läuft das Geschäft mit Online-Werbefirmen normalerweise: Über komplizierte Algorithmen verteilen Werbefirmen im Auftrag von Unternehmen deren Werbebanner an Millionen von Webseiten. Werden die Webseiten oder Banner angeklickt, fließt dann Geld; sowohl an ganz legale Webseiten-Betreiber, als auch an höchst dubiose.

Der IT-Sicherheitsexperte Bharat Dube beobachtet, dass Extremisten das Werbebanner-Geschäft als neue Finanzierungsquelle nutzen:

"Wir sprechen hier von einem Einkommen zwischen fünf und zehn  Tausend Dollar pro Jahr. Die größeren Webseiten aber,  die viele Klicks generieren verdienen mehrere Millionen Dollar."

Bharat Dube, IT-Sicherheitsexperte, SIPI Strategic IP Information

Missstand müsse abgestellt werden

Rund 50 Milliarden Euro schwer ist der Online-Werbemarkt in Europa. Den TV-Werbemarkt hat er bereits überholt. EU-Sicherheitskommissar Julian King fordert die Online-Werbefirmen dazu auf, den Missstand abzustellen:  

"Sie nennen hier schlimme Beispiele. Da gibt es mehr. Wir brauchen besondere Anstrengungen der Werbe-Firmen. Die Sachen müssen vom Netz!"

Julian King, EU-Sicherheitskommissar

Was sagt Google?

Google erklärt gegenüber dem ARD-Politmagazin report München auf Anfrage: Die Content-Richtlinien würden es verbieten, dass extremistische Webseite Online-Werbung schalten. Einzelfälle aber wolle man nicht kommentieren.

Die Bayerische Staatsregierung hat jetzt selbst reagiert. Die betreffende Seite ist unverzüglich und unmittelbar gesperrt worden.


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