Report München


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Franziskus unter Druck Starke Resonanz auf report-Recherchen

Im Vatikan rumort es, Papst Franziskus steht unter gehörigen Druck. Darüber haben wir in report Anfang des Jahres berichtet. Weltweit sorgte die report-Berichterstattung für Resonanz.

Von: Von Tilmann Kleinjung

Stand: 28.01.2019

Papst Franziskus | Bild: picture-alliance/dpa

Vor allem international hat die report-Geschichte große Resonanz hervorgerufen. Der „Corriere della Sera“ und die „Repubblica“ aus Italien haben darüber berichtet, das große spanischsprachige Portal „Religion Digital“ und „Crux“, die Seite des angesehenen amerikanischen Vatikanexperten John Allen. In report kamen Gegner und Unterstützer von Franziskus zu Wort. Und sie haben sich so offen geäußert wie selten.

Man sollte meinen, es ist einfach, einen Kardinal zu finden, der sich schützend vor seinen Papst stellt. Er hätte es gerade besonders nötig. Denn seine Feinde rüsten auf: Der Erzbischof und ehemalige Nuntius in Washington Carlo Maria Viganò hat im Sommer gar den Rücktritt des Pontifex gefordert. Doch hochrangige Würdenträger empören sich höchstens bei ausgeschalteten Mikrofonen über solche Angriffe auf den Reformpapst. Ein Interview wollen sie nicht geben. Das hieße ja, man würde anerkennen, dass es diese interne Opposition gegen Franziskus gibt.

Wir haben dann bei Kardinal Kasper angerufen. Kasper ist im Ruhestand, kann also ganz offen reden, er war einmal päpstlicher „Ökumene-Minister“ und gilt heute als Unterstützer und Ratgeber dieses Papstes. Seine Antwort auf unsere Interviewanfrage: „Da muss man doch was sagen!“  „Es gibt schon Leute, die einfach dieses Pontifikat nicht mögen“, hat uns Kardinal Walter Kasper dann kurz vor Weihnachten in seiner Wohnung in Rom erzählt. „Die wollen das so schnell wie möglich beenden und wollen ein neues Konklave haben.“

report München vor Ort in Rom

Wir waren für report München in Rom, um herauszufinden: Wer sind die Gegner, die laut Kasper schon dabei sind, die Zeit nach Franziskus vorzubereiten? Und: Was haben sie gegen ihn? Selbst seinen Freunden macht es Franziskus nicht immer leicht. In der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hat er keine klare Linie. Er fordert die lückenlose Aufklärung von Vorwürfen gegen Kleriker auch durch die Justiz. In Chile aber hat er sich schützend vor einen verdächtigen Bischof gestellt, von „Verleumdung“ gesprochen.

Katholiken, denen die Reformpolitik dieses Papstes nicht gefällt, dient das schlechte Management der Missbrauchsaffäre als willkommener Anlass, um ihn zu demontieren. Mit dem US-Kardinal Raymond Leo Burke haben sie in Rom einen mächtigen Verbündeten. Auch er spricht mit uns und will die Forderung nach einem Rücktritt von Papst Franziskus nicht kommentieren, nur so viel: „Wenn ein Papst sich der Häresie schuldig macht, hört er automatisch auf, Papst zu sein.“

Echte Loyalität sieht anders aus. Und so werden die Aussagen von Burke in report München vor allem von den Seiten zitiert, die kirchenpolitisch und ideologisch auf seiner Seite stehen, zum Beispiel vom erzkonservativen US-Portal „lifesitenews“. Bei all dem geht es wenn überhaupt nur am Rande um den Missbrauch an Minderjährigen. Der wird nur instrumentalisiert, um den Papst anzugreifen. „Das ist der Missbrauch des Missbrauchs“, findet Kardinal Kasper. Noch so ein Satz, der in den vergangenen Wochen oft zitiert wurde. 


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