Report München


2

Die große Dürre Die Existenzangst der Bauern

Es ist ein Rekord-Hitze-Sommer. Vor allem die Landwirtschaft ist schon wieder von der Dürre betroffen. Beispiel Unterfanken: Landwirt Thomas Schwab versucht kreativ gegen den Wassermangel vorzugehen. Oft wird er aber durch die Bürokratie ausgebremst.

Von: Sabine Lindlbauer

Stand: 25.08.2020

Feldarbeit in Unterfranken. Die Erde ist völlig ausgetrocknet. Die Region gilt als die Steppe Bayerns. Thomas Schwab aus Remlingen bei Würzburg ist Gemüsebauer. Seine Böden sind hervorragend. Doch nach mehreren trockenen Sommern hat er nun ein Wasser-Problem:

"Unsere Brunnen schütten nur sehr, sehr wenig, die Wasserwirtschaft prognostiziert zukünftig noch weniger und mit dem Wenigen müssen wir zurechtkommen."

Thomas Schwab, Landwirt

Versiegter Brunnen, sinkender Grundwasserspiegel

Der Speicherteich, aus dem er seine Gemüsefelder bewässert, ist fast trocken. Und das schon seit Anfang des Jahres. Der Brunnen ist weitgehend versiegt, der Grundwasserspiegel abgesunken.

"Wir stehen jetzt mehr oder weniger für das kommende Jahr mit relativ leeren Händen da, was unseren Wasservorrat betrifft und perspektivisch wird das Ganze ja noch dramatischer die nächsten Jahre."

Thomas Schwab, Landwirt

Die Bohrung eines neuen Brunnens soll die Lösung sein. Doch die Genehmigung lässt seit Monaten auf sich warten. 

"Der Worst Case, der wäre, dass wir einfach nichts finden. Dann heißt das Bohren und die Kosten sind pro Meter Bohrtiefe. Wenn man sagt ok – immer tiefer – könnte noch weiter unten was sein. Und dann ist immer noch nix. Dann wird des ziemlich teuer."

Thomas Schwab, Landwirt

Mehrere Zehntausend Euro muss er für die Brunnenbohrung in die Hand nehmen. Ein enormes Risiko. Doch ohne Bewässerung keine Ernte. Er muss handeln. Klimawandel und Dürre schreiten voran im regenarmen Franken; fast überall sinken die Pegel. Der Würzburger Klimaforscher Heiko Paeth erlebt den Klimawandel direkt vor der eigenen Haustür.

"Der Globus hat sich ja um etwa 0.9, 0,95 neun fünf Grad erwärmt, seit Beginn der Industrialisierung im späten 19ten Jahrhundert, Unterfranken im genau gleichen Zeitraum um 1,7 Grad Celsius, also fast doppelt so viel."

 Professor Heiko Paeth, Klimaforscher

Und es wird nicht nur heißer: Im Sommer regnet es auch weniger. Ein Problem – vor allem für die Landwirte.

Thomas Schwab baut nicht nur Gemüse an, sondern handelt auch damit. Möhren, Kartoffeln und Zwiebeln aus Eigenanbau und von Bauern aus der Region. Die Wasserknappheit auf dem Acker wirkt sich aus. Man merkt es dem Gemüse an.

"Die Wuchsform der Möhren leidet einfach unter dem Wassermangel, den wir hier haben. D.h. wir müssen uns zukünftig darauf einstellen Möhren zu vermarkten – man könnte sie als Klimawandelmöhren bezeichnen, die einfach nicht so perfekt wie sonst üblich wachsen."

Thomas Schwab, Landwirt

Und auch zum Waschen des Gemüses ist viel Wasser notwendig. Aber woher? Eigentlich sollte der Ersatzbrunnen mittlerweile längst gebohrt sein. Doch nun soll erst untersucht werden ob es Auswirkungen auf den gemeindlichen Trinkwasserbrunnen geben könnte.

"Von daher müssen wir uns etwas einfallen lassen um über diesen Wassermangel, der heuer im Sommer auf uns zukommt, da drüber wegzukommen."

Thomas Schwab, Landwirt

Er muss selbst aktiv werden – ob es etwas bringt?

Weinbauern kämpfen mit Anbaubedingungen

Auch die Weinbauern haben mit den neuen Anbaubedingungen zu kämpfen. Zwar braucht der Wein deutlich weniger Wasser als Gemüse, aber der knochentrockene Frühling verheißt nichts Gutes.

Anja Schmitt-Kraiß und ihr Mann Frank betreiben ein Weingut in Unterfranken. Die Erinnerungen an den letzten Hitzesommer sind noch sehr präsent: Ihre Trauben litten unter Sonnenbrand:

"In dieser extremen Situation wie es letztes Jahr war, so was hat bis jetzt noch kein Winzer gesehen gehabt. Also da waren die Trauben wirklich komplett eingetrocknet wie -  also trockener wie Rosinen."

Anja Schmitt-Kraiß, Winzerin

Die Winzer sind darauf gefasst, dass sie zukünftig weniger Trauben ernten werden. Ihre Strategie ist es, nur die ganz jungen Reben zu bewässern und die Pflanzen ansonsten eher knapp zu halten, damit sie möglichst tief wurzeln und ihr Wasser von ganz unten aus dem Erdreich holen. So, wie man es auch in den südländischen Weinbaugebieten macht.

Vor einiger Zeit haben Anja Schmidt-Kraiß und ihr Mann an einem Pilotprojekt der Bayerischen Staatsregierung teilgenommen. Ein Zukunftsworkshop, der die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels bis Mitte des Jahrhunderts aufzeigen sollte. Doch alles geht viel schneller als gedacht:

"Wir haben ja jetzt die letzten zwei Jahre wirklich die Situation gehabt. Genau das, was die uns prognostiziert haben, was eigentlich erst in 30 Jahre kommen sollte Und des is schon – ja des war für uns a wenig erschreckend wie schnell dass sich eine Landschaft – ja die Welt einfach ändert."

Anja Schmitt-Kraiß, Winzerin

Thomas Schwab in Remlingen hat nun ein eigenes System entwickelt.  Zusammen mit dem Samenkorn verlegt er einen Tropfschlauch unter der Erde.  So kann er seinen Wasserverbrauch bis zu 50% reduzieren.

"Ich hol den jetzt mal so bissl raus den Schlauch. Da sieht man wie des so langsam und ohne Druck aus diesem Tropf herausquillt, das Wasser. Und des is ja gar nicht viel. Des is so ne Mini Mini Menge, die sich so ganz langsam im Boden verteilt."

Thomas Schwab, Landwirt

Doch das Wasser bleibt knapp. Er wünscht sich mehr Unterstützung von Fachbehörden und auch vom Staat.

"Meine Forderung wäre, dieses Thema Wasser einfach viel ernster zu betrachten wie nur Grundwasser zu nehmen und zu bewässern – das große Ganze das fehlt völlig und das große Ganze sieht wahrscheinlich ziemlich dramatisch aus."

 Thomas Schwab, Landwirt

Diesen Sommer hat er es trotz noch einmal geschafft. Dennoch hofft Thomas Schwab, dass er sein Brunnenprojekt bald verwirklichen kann. Denn die Prognosen für die kommenden Jahre verheißen nichts Gutes.

Manuskript zum Druck

Manuskript als PDF:


2