Report München


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report München extra: Sprengsatz Asylpolitik Merkels und Seehofers Ansehen leidet

Wer hat das bessere Konzept in der Flüchtlingspolitik: Merkel oder Seehofer? Nach einer exklusiven BR-Umfrage sind die Deutschen in dieser Frage unentschlossen. Ein Punkt scheint hingegen klar: Der Asylstreit hat beiden Politikern geschadet.

Von: Stephan Keicher

Stand: 19.06.2018

Die Deutschen unterstützen nach einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes infratest dimap für das ARD-Politikmagazin report München mehrheitlich die CSU-Forderung zur Zurückweisungen von Flüchtlingen an der deutschen Grenze. Zugleich sind sie jedoch bei der Beurteilung der generellen Konzepte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) gespalten.

41 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Merkel das bessere Konzept in der Flüchtlingspolitik hat, 40 Prozent meinen: Seehofer.

Ansehen von Merkel und Seehofer hat gelitten

Eine Woche lang hat die Union heftig über die Flüchtlingspolitik gestritten, bei den Wählern löst das negative Reaktionen aus. 66 Prozent sind der Meinung, die Autorität der Bundeskanzlerin habe darunter gelitten; lediglich 29 Prozent sehen keine Autoritätseinbußen.

Nur noch 47 Prozent halten Angela Merkel für eine gute Besetzung im Amt. Das sind minus zehn Prozentpunkte im Vergleich zum April. Horst Seehofer halten nur 35 Prozent für eine gute Besetzung als Bundesinnenminister. Er rutscht um vier Punkte in der Zustimmung ab. 54 Prozent halten ihn für keine gute Besetzung im Amt. Bei der Kanzlerin sind das 48 Prozent.

Mehrheit unterstützt CSU-Forderung nach Zurückweisungen

Dabei unterstützt in der konkreten Streitfrage eine deutliche Mehrheit der Befragten die CSU-Forderung, bereits in anderen EU-Ländern registrierte Flüchtlinge an der deutschen Grenze abzuweisen. 62 Prozent der Befragten sind dafür, 31 Prozent sind dagegen.

Die Kanzlerin lehnt solche nationalen Maßnahmen ab. Sie und Horst Seehofer haben eine Lösung dieses Konflikts faktisch auf Anfang Juli verschoben. Der CSU-Vorsitzende Seehofer räumt der Kanzlerin bis dorthin Zeit ein, auf EU-Ebene oder mit den betroffenen Ländern Lösungen zu finden. 69 Prozent der Wahlberechtigen befürworten in der Umfrage diesen Kompromiss, 25 Prozent lehnen ihn ab.

Mehrheit: "AfD profitiert vom Streit"

Dennoch glauben die Befragten, dass die AfD langfristig von der Klärung der Meinungsverschiedenheiten von CDU und CSU und der Debatte bis zum gestrigen Tag profitiert. 63 Prozent glauben, dass das der AfD langfristig eher nutzt; bei der CDU sehen 60 Prozent einen langfristigen Schaden und nur 26 Prozent einen Nutzen. Bei der CSU sehen dagegen 40 Prozent einen langfristigen Nutzen und 44 Prozent einen langfristigen Schaden.

Streit auch wegen der Landtagswahl?

47 Prozent der Befragten glauben, dass es bei dem unionsinternen Streit der CSU eher um die Chancen bei Landtagswahl in Bayern geht. Dass es um die Sache selbst geht, meinen 14 Prozent, und dass es um beide Punkte gleichermaßen geht, sagen 33 Prozent.

Mehrheit will starkes Europa

Infratest dimap hat auch nach der Haltung der Deutschen zu Europa gefragt: Grundsätzlich stehen die Befragten Europa positiv gegenüber. 52 Prozent sind der Meinung, Deutschland solle die Zusammenarbeit mit den EU-Ländern vertiefen und weitere Zuständigkeiten an die EU abgeben. 30 Prozent meinen, Deutschland solle wieder stärker alleine handeln und Zuständigkeiten zurückholen. An der Zusammenarbeit nichts Wesentliches ändern wollen 14 Prozent der Befragten.

Das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap hat am 18. Juni 2018 im Auftrag des ARD-Politikmagazins report München 935 Wahlberechtigte in ganz Deutschland befragt. Die repräsentative Umfrage begann am Montag nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Sitzungen der Parteigremien von CDU und CSU. Methode: Repräsentative Zufallsauswahl mit Telefoninterviews. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten.


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