Report München


2

Zwischen Umfrage und Inhalt Das CSU-Dilemma vor der Bundestagswahl

Nur auf 36 Prozent würde die CSU laut der aktuellen Umfrage von infratest dimap für den Bayerischen Rundfunk bei der Bundestagswahl kommen. Woran liegt es? Ist die CSU der Wählerschaft zu grün geworden? report München mit neuen Erkenntnissen und Einblicken.

Von: Markus Rosch

Stand: 20.07.2021

Täglich ist Josef Göppel in seinem Jagdrevier in Mittelfranken unterwegs. Und das seit über 30 Jahren.

Göppel war CSU-Landtags- und Bundestagsabgeordneter. Die Umweltpolitik war schon immer seine Leidenschaft. Auch als es in seiner Partei niemanden interessierte. Göppel gilt als „Grüner Vordenker der CSU“. Umso mehr bedrückt ihn die aktuelle Lage.

"Unsere gesamte Lebensweise und die Wirtschaftsweise müssen naturnäher werden. Damit wir eine Zukunft haben."

Josef Göppel, CSU

Dass seine CSU jetzt verstärkt auf grüne Themen setzt, findet er gut. Es sei aber fast zu spät, meint Göppel. Er fordert konsequenteres Handeln.

"Ich bemühe mich in meiner Partei, der CSU, der ich 50 Jahre angehöre, dieses Bewusstsein zu stärken, dass wir nicht eine technische Welt aufbauen können, gegen die Natur. Und das ist jetzt die entscheidende Frage, ob die CSU diesen Wandel schafft."

Josef Göppel, CSU

Umweltpolitik als Wahlkampfthema. Markus Söder will die CSU moderner aufstellen, fordert einen „Klimaruck“. Hauptgegner: Die Grünen.

"Die grünen Blütenträume sind vorbei."

Markus Söder, CSU, Bayerischer Ministerpräsident

Die Partei steht unter Druck. Seit der Bundestagswahl 1990 hat die CSU Stimmenanteile verloren.

Laut einer infratest dimap Umfrage für Report München Anfang Juli steht die CSU bei nur noch 36%.

"Das ist für die CSU deutlich zu wenig. Man vergleicht mit früheren Ergebnissen. Und die Sorge ist, wenn die Direktmandate für die CSU verloren gehen, dass diese Kandidaten noch nicht einmal über die Landesliste einziehen, wenn das Ergebnis nicht besonders gut ausfällt. Da ist tatsächlich für die einzelnen Kandidaten der CSU auch, da geht ums sein oder nicht sein."

Prof. Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin

Auch deshalb unterstreicht Söder seine Kompetenz als Umweltpolitiker. Betont immer wieder, dass er von 2008 bis 2011 bayerischer Umweltminister war. Söder will die Partei für neue Wählerschichten fit machen.

"Der CDU und der CSU ist klar, dass die Grünen der Hauptgegner sind. Und wenn man das so beobachtet, hat man den Eindruck, dass das der politische Gegner ist, der Söder auch am meisten reizt. Weil er im Grunde natürlich auch deutlich machen will, dass es möglich ist, konservative Politik zu betreiben und gleichzeitig auch grüne Inhalte zu vertreten. Aber ob er das tatsächlich schafft der CSU Basis zu vermitteln, dass es auch dort glaubwürdig vertreten wird, dass müssen ja auch die Kandidaten und Kandidatinnen vertreten, da bin ich mir nicht so ganz sicher."

Prof. Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin

Doch schrecken Klima- und Umweltthemen ab? Überraschende Ergebnisse der infratest dimap Umfrage Anfang Juli: 26 Prozent der bayerischen Wähler bejahten das. Aber 64 Prozent meinen, niemand werde abgeschreckt.

 Noch klarer ist es bei den CSU- Stammwählern: 17 Prozent meinen der Kurs schrecke ab. 78 Prozent sehen keine Auswirkungen der Thematik.

Nachfrage bei einem konservativen CSU-Urgestein: Peter Ramsauer war Verkehrsminister und Vorsitzender der CSU-Landesgruppe. Er weiß, wie die Partei tickt. Ramsauer will nicht, dass man dem Zeitgeist blind folgt. Will nicht, dass die Politik in Deutschland zu grün wird. 

"Wir müssen Maß und Mitte wahren, vor allem, weil wir nicht eine einseitige extrem hängende Programmatik haben, sondern wir sind Volkspartei. Für mich ist eine Regierungsbeteiligung der Grünen ein Horrorgespenst, dass ich vermeiden möchte."

Peter Ramsauer, CSU, Bundestagsabgeordneter

Hier sind die Grünen kein Schreckgespenst. Sophia Schenkel aus Erlangen ist JU-Kreisvorsitzende, sitzt im Stadtrat. Sie wird ständig mit Umweltthemen konfrontiert, arbeitet oft mit den Grünen zusammen. Auch wenn Schenkel eher eine Anhängerin von schwarz-gelb ist, Schnittmengen mit den Grünen sind da.

"Wir wollen natürlich auch unsere Artenvielfalt und Umwelt erhalten. So ein neues Thema für uns ist es nicht. Es hat mit Sicherheit an Priorität in den letzten Jahren verloren. Jetzt ist es wieder voll da und wir sind bereit anzupacken und wir wollen da gute Lösungen finden für die Zukunft."

Sophia Schenkel, JU Erlangen

Zu grün oder zu konservativ?

Laut infratest dimap halten 35 Prozent der Wähler die CSU für zu konservativ. 34 Prozent hingegen für richtig aufgestellt. Nur 18 Prozent zu wenig konservativ.

Bei den Parteianhängern ergibt sich folgendes Bild: 17 Prozent halten die Partei für zu konservativ. 64 Prozent hingegen sehen sie richtig aufgestellt. Und nur 15 Prozent finden, dass das Programm zu wenig konservativ ist.

"Die große Herausforderung ist, dass man unterschiedliche Wahlkämpfe führen muss. In einer Großstadt hat man völlig andere Themen als im ländlichen Raum und völlig andere politische Gegner. Die Sorge bleibt, was wählen die Leute eigentlich, wählen die die veränderte, die sich neu gebende, die lernfähige CSU, oder das Original."

Prof. Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin

Eine Gratwanderung, sagt auch der grüne Vordenker der CSU Joseph Göppel. Sein Rat: Nur mit einer klaren Umwelt- und Klimapolitik könne man Wahlen gewinnen.


2

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: