Report München


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Die Odyssee Die komplizierte Rückführung aus dem Traumurlaub

Ein deutsches Urlauberehepaar wartete tagelang auf einer Trauminsel in Süd-Ost-Asien auf ihre Rückführung nach Deutschland. Für report München haben sie ein Videotagebuch geführt und geben uns einen detaillierten Einblick: das Chaos vor Ort, die quälende Warterei auf den Rückflug und der Kampf um die letzten freien Plätze im rettenden Flieger.

Von: Ahmet Senyurt

Stand: 31.03.2020

"Also wir sind gefangen im Paradies. Wir können nichts machen, wir kommen auch nicht raus. Und wir wissen nicht weiter."

Füsun Ovat

Mitte März - das Corona-Virus hat die philippinische Trauminsel Bohol erreicht. Es droht eine Ausgangssperre.  Die Münchnerin Füsun Ovat und ihr Mann verlassen das Hotel nur noch stundenweise. Der Traumurlaub wird zum Alptraum.

"Wir haben vorhin jetzt die Meldung bekommen, das Emirates auch nicht mehr fliegt. Das heißt, es gibt keine Chance mehr die Philippinen auf kommerziellem Weg zu verlassen."

Füsun Ovat

Füsun Ovat und Bruno Schmidt sind seit Anfang März hier – da war das Virus noch weit entfernt. Wie schnell es sie einholt, hätten sie nie gedacht. Ein Bekannter gibt uns ihre Nummer. Wir nehmen Kontakt auf. Bitten die Beiden, dass sie für uns von nun an alles mit dem Handy dokumentieren. Es wird eine Odyssee.

25. März

Der Tag beginnt im Medizin Centrum. Denn ohne Attest darf kein Tourist mehr die Insel verlassen. Und alle sollen sich auf eine Liste eintragen. Die Informationen würden dann mit denen der deutschen Botschaft abgeglichen, heißt es. Das Prozedere wiederholt sich.

An diesem Abend, zurück im Hotel, erreicht Füsun und Bruno dann eine gute Nachricht.

"Das deutsche Konsulat war so nett und hat uns ein Schreiben aufgesetzt, dass wir auch ohne Ticket Bohol verlassen können in Richtung Cebu. … Und dann kam die Nachricht, es wird einen Flug geben am 27.03. von Cebu nach Frankfurt."

Füsun Ovat

27. März

Drei Uhr in der Früh. Füsun und Bruno werden nun mit einem Bus zur Fähre gebracht. Vor Abfahrt Fiebermessen. Dann über drei Stunden zum Hafen.

Ihr Ziel: Cebu mit einem internationalen Flughafen.

Dann reißt plötzlich der Kontakt zu Beiden ab. Erst viele Stunden später erreicht uns eine neue Video-Nachricht.

"Wir sind mittlerweile auf Cebu. Aus unserem Hotel, wenn ihr aus dem Fenster rausschaut seht ihr: Geisterstadt. Also es hat nichts mit Paradies zu tun, wie viele, manche in Deutschland glauben."

Füsun Ovat

28. März

Flughafen Cebu. Hunderte Touristen wollen nur noch nach Hause. 

"Die Situation ist hier sehr gereizt. Ich hätte deutlich weniger Leute erwartet. Wahnsinn, es ist Wahnsinn. Vor allem, was mich sehr wundert, ist, dass keiner vom Konsulat hier aufgetreten ist und uns unterstützt."

Füsun Ovat

Abstand und Distanz hält hier keiner. Es geht ums Ganze.  

Jeder, der einen Platz auf einem Rückholflug der Bundesregierung bekommen will, muss sich sich wieder in eine Liste eintragen. Füsun und Bruno bekommen zunächst keine Bestätigung, müssen stundenlang warten. Ein quälender Prozess.

29. März

"Wir haben es geschafft, dass wir unser Ticket haben. …"

Füsun Ovat

Sie sind erleichtert. Bruno Schmidt macht sich nun nützlich, hilft dem Bodenpesonal. 

"Bitte haltet den Weg in der Mitte frei, damit die Leute, die aufgerufen sind, nach vorne kommen können."

Bruno Schmidt

Dann endlich sind alle eingecheckt. Flug 7428. Erst geht es nach Manila. Dann weiter nach Frankfurt. Und gestern Abend dann endlich, Ankunft mit dem Zug in München. Füsun und Bruno sind wieder daheim.

"Wir sind in Deutschland. Es ist Wahnsinn. Als wir in Frankfurt angekommen sind, hatten alle Tränen in den Augen, wir haben´s geschafft, wir haben´s geschafft."

Füsun Ovat


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