Report München


0

Diskussion: Testen und Beschränkungen lockern Schwierige Massentests

Kaum sind die Ausgangsbeschränkungen in Kraft, beginnt auch schon die Diskussion um die Lockerung und die Zeit danach. Für viele ein Patentrezept: Testen und dann separieren. Welche Bevölkerungsgruppe darf sich freier bewegen, welche nicht? Und am besten: alle testen. Mit der führenden Virologin der TU München stellen wir dar, wie schwierig das schon mit den jetzt gebräuchlichen Abstrich-Testmethoden ist.

Von: Ulrich Hagmann, Sebastian Kemnitzer, Stefan Meining

Stand: 31.03.2020

Das Runterfahren des öffentlichen Lebens hat Folgen. Die Wirtschaft leidet massiv, Menschen haben Existenzängste. Daher werden nun Stimmen lauter, über ein zeitnahes Ende der Beschränkungen nachzudenken.

"Wir halten das natürlich nicht monatelang durch."

Hubert Aiwanger, Freie Wähler, Bayerischer Wirtschaftsminster

"Es ist eine Frage von Tagen und wenigen Wochen, bis es Schaden gibt."

Christian Lindner, FDP, Parteivorsitzender

Wie lange kann man also die Regelungen aufrechterhalten?

Als ein möglicher Ausweg werden Massentests auf Corona gesehen. Gerne wird dabei auf Südkorea verwiesen, das ohne strikte Ausgangsbeschränkungen auskommt. Mehr testen?  Geht das so einfach?

"Wir hatten in der letzten Woche rund 350.000 Tests, viel mehr ist da sicher nicht drinnen momentan."

Prof. Lothar Wieler, Robert-Koch-Institut

Virus lässt sich nur kurz direkt nachweisen

Bei dem derzeit verfügbaren PCR-Test geht es darum, das Virus direkt nachzuweisen. Das Problem: Der Test ist nur in einer kurzen Zeitspanne aussagekräftig.

"Wenn ich also mich angesteckt habe, dann dauert es ein paar Tage, bis das Virus überhaupt positiv werden kann in dem Abstrich. Und dann nach ein paar weiteren Tagen ist es schon wieder negativ, auch wenn ich vielleicht sogar noch Symptome habe. Das heißt, der Zeitraum, in dem der Test überhaupt anschlagen kann, ist limitiert."

Prof. Ulrike Protzer, TU München/Helmholtz-Zentrum

Das heißt, eine Person kann auch ansteckend sein, obwohl ein Test negativ ausfällt. Prof. Ulrike Protzer leitet ein großes Labor an der Technischen Universität in München. Die Virologin sieht weitere Probleme.

Die schwierige Durchführung von Massentests | Bild: BR

"Die Limitation ist einmal da, man braucht Menschen, die gut diese Abstriche machen können. Denn wenn der Abstrich nicht gut gemacht ist, dann zeigt er mir auch nicht das an, was er mir anzeigen soll, nämlich ist da Virus, ist da kein Virus. Und dann gibt`s natürlich eine Limitation an den Labors, die so etwas auch qualitativ vernünftig verarbeiten können. Und was leider immer extremer wird, dadurch, dass die ganze Welt jetzt massiv testet, laufen wir in einen Mangel an Reagenzien hinein."

Prof. Ulrike Protzer, TU München/Helmholtz-Zentrum

Ausreichend Schnelltests stehen in den nächsten Wochen nicht zur Verfügung

Reagenzien, also flüssige Lösungen zum Nachweis des Virus, werden jetzt schon knapp. Die große Hoffnung sind daher so genannte Antikörper-Schnelltests. Mit einem Blutstropfen lässt sich nachweisen, wer Corona hatte und immun ist. Könnte das der ideale Massentest sein?

"Da würde ich auf jeden Fall darauf warten, bis validierte Teste zur Verfügung sind; bis wir einfach wissen, der Test funktioniert wirklich gut. Das wird noch drei bis vier Wochen dauern."

Prof. Ulrike Protzer, TU München/Helmholtz-Zentrum

Prinzipiell seien mögliche Massentests aber nur ein Element zur Eindämmung des Corona-Virus.

"Das Testen, oder die Verfügbarkeit von Testungen, schützt einen nicht per se vor der Infektion. Da heißt es wirklich Abstand halten."

Prof. Ulrike Protzer, TU München/Helmholtz-Zentrum

Schnelltests stehen in den nächsten Wochen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung. Das bedeutet, Exitstrategien können darauf alleine nicht bauen. 


0