Report München


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Kampf ums Brennholz Wie Betrüger Kasse machen

Die Preise für Brennholz sind gestiegen, das bringt Diebe auf den Plan. In Brandenburg wurden 100 Bäume entwendet. Fake-Shops bieten angeblich Brennholz an, liefern dann aber nicht und zocken so Bürger ab.

Author: Lisa Wreschniok

Published at: 31-10-2022

Ein Samstagmorgen in Niederbayern. Wildes Sägen - ganz legal:  Einsteigerkurs für den "Motorsägenschein" - um Brennholz zu machen. Billiger als im Handel - aber auch anstrengender. Viele hier haben kaum Erfahrung mit der Kettensäge. Die Herausforderung:

"Es selber zu machen zum ersten Mal. Sonst war es immer mit Helfern… Das ist schon beeindruckend."

Kursteilnehmer

Holzpreise rasant gestiegen

In die Kurse von Ralf Hofmann kommen vor allem Besitzer von Holzheizungen. Aber auch immer mehr, die jetzt im Winter mit einem Holzofen zuheizen wollen. Um teures Erdgas und Erdöl einzusparen.

"Ja, also, wir bieten fast wöchentlich Anfängerkurse an, die kriegen wir immer voll. Wir können die Nachfrage fast nicht bedienen. Unter der Woche Profikurse, momentan haben wir da alle Hand voll zu tun…"

Ralf Hofmann, Wald und Holz Hofmann

Kampf ums Brennholz: Wie Betrüger Kasse machen  | Bild: BR

Der Grund für den Run aufs Selbstmachen: Die Preise für Brennholz und Holzpellets. Im Vergleich zum recht stabilen Vorjahr ist das Preisniveau 2022 rasant gestiegen. Derzeit auf gut das Doppelte des Vorjahresmonats. Selber sägen lohnt sich also. Gefällt wird nur, was ohnehin weg muss, um anderen Bäumen Platz zu machen.

"Das ist eine Fälltechnik, die ich gestern gelernt habe … bin jetzt natürlich auch zufrieden."

Kursteilnehmer        

Wer den Motorsägenschein hat, kann beim Waldeigentümer eine "Selbstwerber"-Erlaubnis beantragen, gegen Gebühr. Oder im eigenen Wald Brennholz machen!

"Man kriegt Holz wirklich sehr, sehr schwer. Und wenn, dann zu überhöhten Kosten. Von daher ist ein eigener Wald zwar ist kein Sechser im Lotto, aber zumindest ein Fünfer."

Kursteilnehmer

Fakeshops zocken Kunden ab

Doch später werden wir erfahren - im Wald sind auch Kriminelle unterwegs. Günstig heizen wollen alle. Doch der Ansturm aufs Brennholz ruft Betrüger auf den Plan: Mit Fakeshops werden Kunden hemmungslos abgezockt. Falk H. suchte Holzpellets und fand online ein günstiges Angebot - gut 40% billiger als beim Händler.

"Dann hab' ich telefoniert und gefragt, ist die Ware vorrätig und wann kann ich damit rechnen. Und dann hieß es, ja nach Zahlung maximal zwei Wochen. Dann haben wir bestellt, bezahlt und warten immer noch auf die Ware."

Falk H.

Zwei Monate ist das nun her. Der Verkäufer nicht mehr erreichbar. Die über 800 Euro, die Falk H. auf ein ausländisches Konto überwiesen hatte, sind vermutlich futsch.

"Das ist schon ein Batzen, wo auf Nimmerwiedersehen weg ist. In der heutigen Zeit, wo jeder Cent wichtig ist, das tut schon weh."

Falk H.

Wir wollen den Verkäufer zur Rede stellen und fahren an die angegebene Adresse der Firma in Bayern. Gibt es den Brennholz-Verkauf wirklich? Währenddessen geht unsere Recherche in Königs-Wusterhausen südlich von Berlin weiter.

Holzdiebstahl aus Wäldern

Wir treffen Jürgen Gaulke, von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände. Immer wieder wird Holz aus Wäldern gestohlen. Heute möchte uns einen besonders schweren Fall von Diebstahl zeigen: In diesem Waldstück wurden 100 Kiefern illegal gefällt und heimlich abtransportiert.

"Die Baumstämme sind aufgetaucht vor dem Sägewerk, wo sie dann abgeliefert wurden (…) und dann war der Fahrer aus Litauen und der Laster war von einem polnischen Unternehmen und der Auftraggeber stammt aus Finnland. Das ist offensichtlich eine internationale Verflechtung, die da stattfindet."

Jürgen Gaulke, Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände

Der unglaubliche Diebstahl wird nun vor Gericht verhandelt.

Zurück nach Bayern - auf der Spur des Onlineshop-Betreibers, der günstiges Brennholz und Pellets anbietet - aber nicht liefert. Unter der angegebenen Anschrift wollen wir nachfragen. Doch Fehlanzeige - kein Holzhandel. Unsere Recherchen ergeben, dass dies die Lagerhalle eines völlig anderen Unternehmens ist. Die Adresse: Offenbar einfach geklaut.

Falsche Onlineshops kopieren Websites realer Firmen

Wir finden zahlreiche Onlineshops, die verdächtig günstiges Brennholz anbieten und alle nur "auf Vorkasse" liefern wollen. Zu einem Facebook-Shop nehmen wir Kontakt auf, geben vor, etwas bestellen zu wollen. Und bekommen eine Kontonummer in Irland, auf die umgehend überwiesen werden soll. Eigentümerin des Kontos angeblich: Backus Brigitta.

Wieder fahren wir zur online angegebenen Adresse, diesmal in Mönchengladbach - und siehe da - den Brennholzhandel Backus gibt es wirklich und offenbar auch unsere Ansprechpartnerin…

Gespräch mit der angeblichen Ansprechpartnerin

report München: "Hallo, sind Sie Frau Backus?"

Brigitta Backus:
"Ja." 

report München:
"Ich wollte ihnen mal zeigen, wie wir kommuniziert haben, vermeintlich."

Brigitta Backus:
"Ja, vermeintlich."

report München:
"Diese Seite habe ich gefunden, mit ihrem Namen. Und per Vorkasse darf ich überweisen an Backus Brigitta. Das sind Sie?"

Brigitta Backus: "Ja, das bin ich, aber ich habe nicht geschrieben und ich habe keinen Zugriff auf dieses Konto."

report München:
"Und Sie haben kein Konto in Irland?"

Brigitta Backus:
"Nein."

Mit dem Facebookshop hat sie nichts zu tun. Anrufe landen auf einer englischen Mailbox, niemand geht ans Telefon. Auf schriftliche Nachrichten reagiert der Betrüger prompt, gibt sich sogar als "der Vertriebsmitarbeiter des Familienunternehmens" aus.

Der Brennholzhandel ist seit Jahren bekannt in der Region, hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Das scheinen die Betrüger auszunutzen. Websites der Firma wurden einfach für Facebook kopiert - nur mit anderen Kontonummern. Alles flog auf, als sich Kunden beim Chef beschwerten.

"Wir sind natürlich zur Polizei gegangen, die Polizei hat zu uns gesagt in dem Sinne, wir können die Anzeigen aufnehmen. Aber ob der Straftäter herausgefunden wird, können wir Ihnen nicht versprechen. Und ich habe vor einer Woche einen Brief bekommen, wo die Anzeige aktuell eingestellt wurde."

Nikolaj Kalinitschew, Geschäftsführer Brennholz Backus/Zeus

Immer mehr betrügerischer Handel mit Holz

Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Der Fakeshop ist weiter online. Wie groß ist das Phänomen dieser Holz-Fakeshops? Wir fragen nach beim Bundeskriminalamt. Dort heißt es - Zitat: "Aktuell stellt das BKA zunehmend den betrügerischen Handel mit Brennholz fest."

Der Stadtwald von Wuppertal. 1700 Hektar ist er groß und beliebt bei der Bevölkerung - manchmal auch zu beliebt. Immer wieder kommen Hinweise von Spaziergängern, dass Holzdiebe unterwegs sind. Förster Sebastian Rabe will nun vorsorgen - mit kleinen Peil-Sendern, die in Holzstapeln versteckt werden.

"Jemand, der das mit dem LKW holen will, der würde sich natürlich beeilen, der kann nicht das ganze Holz durchsuchen, da würde das nicht auffallen und sobald der Stamm in Bewegung kommt, würde der ausschlagen, ein Signal abgeben und dann könnte man auch verfolgen, wohin sich das Holz denn dann bewegt und da dann die Polizei hinschicken."

Sebastian Rabe, Forstamtsleiter der Stadt Wuppertal

Er darf sich Brennholz holen - Lars Jakobs. Der Wuppertaler tritt sich heute mit Förster Rabe. Lars Jakobs hat einen Motorsägeschein und eine offizielle Selbstwerbererlaubnis der Stadt Wuppertal. Jakobs hat eine Holzheizung. Er hat sich genau ausgerechnet, wieviel er im Vergleich zum Brennholz aus dem Baumarkt spart.

"Bei fünf Schüttraummeter á 250 Euro sind wir bei 1250 Euro … 84 habe ich bezahlt. Aber der Rest ist manpower. Schon anstrengend, aber macht ja auch Spaß."

 Lars Jakobs, Selbstwerber

Lange Wartelisten für Brennholz

Zurück in Mönchengladbach beim Brennholzhandel Backus. So viel, wie in diesem Jahr gab es schon lange nicht mehr zu tun. Die Wartelisten sind lang - doch vor Winterbeginn sollen alle Kunden ihr Holz erhalten. So wie Manfred Zinnow. Er hat bereits vor Monaten bestellt.

"Wir warten auf die Lieferung von Brennholz sehnsüchtig nach langer, langer Zeit."

Manfred Zinnow

Endlich ist es so weit. Teurer als im Vorjahr - aber zum Treuekundenpreis und pünktlich bevor es richtig kalt wird.

"So, jetzt sind wir happy, jetzt kann der Winter kommen."

Manfred Zinnow

Deutschland im Holzfieber - bei den hohen Preisen für Erdgas und Öl kein Wunder.

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