Report München


1

Nachklapp: Betrug bei der Messung von Gesundheitsdaten Anklage nach report Recherche

Mit Bioresonanz sollten Geräte schnell Gesundheitsdaten messen, so die Hersteller. report München bewies 2018 das Gegenteil. Unter anderem mit einem sogenannten Leberkäse-Test. Nun wird in Reutlingen Anklage gegen die Hersteller erhoben.

Von: Ulrich Hagmann

Stand: 12.10.2021

Gesundheit ist messbar – binnen Sekunden über 200 medizinisch wichtige Gesundheitsdaten, ohne aufwendige Blutuntersuchungen. Eine medizinische Revolution versprechen Hersteller und Anwender eines Gerätes, namens „Bioscan“.

"Ich fasse ein Gerät an über 1 Minute und er bildet sämtliche Werte meines Körpers ab, das kann nicht sein."

Dr. med. Cornelia Czap, Kinderärztin (16.01.2018)

Das konnten wir bei report München auch nicht glauben, haben intensiv recherchiert und die Messungen angezweifelt. Konsequenz: Drei Verantwortlichen werden jetzt vor dem Amtsgericht Reutlingen gewerbsmäßiger Betrug und Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz vorgeworfen. 

Nach unseren Berichten hatten die Aufsichtsbehörden in Baden-Württemberg die Staatsanwaltschaft Tübingen eingeschaltet. 

"Zweck des Verfahrens ist zunächst mal festzustellen, ob den Angeklagten ein Betrug nachgewiesen werden kann und daraus werden sich weitere Schlüsse ableiten lassen, etwa dass man das Gerät nicht weiter mit der Maßgabe verkaufen kann, dass das wirksam irgendwelche Analysen vornehmen kann am Menschen."

Nicolaus Wegele, Staatsanwaltschaft Tübingen

Identische Werte für Mensch und Leberkäse

Messwerte bei angeschlossenem Leberkäse

report München hatte das Gerät zusammen mit dem Allergologen Professor Walter Dorsch mit einem Leberkästest überführt. Das Gerät lieferte bei Messungen mit einem Leberkäse und einem Menschen die exakt selben Daten. Die Ergebnisse variierten aber, wenn das Alter des Patienten verändert wurde.

"Wenn meinem Leberkäse ein Erektionskoeffizient im hochnormalen Bereich konstatiert wird, ein phantastisches Samenvolumen und eine Spermienverflüssigung, dann ist das einfach ein Witz. Das sind Begrifflichkeiten, die eine medizinische Terminologie vortäuschen aber keine sind."

Prof. Dr. Walter Dorsch, Allergologe

Und doch gerne geglaubt werden. Warum zeigt das Gerät unterschiedliche Ergebnisse für dieselbe Person an, wenn das Geburtsdatum geändert wird?

Erklärungsversuche bei einem Test in einem Reformhaus

report München: "Ich bin doch der gleiche Mensch und der misst meine Schwingungen. Das kann ihm ja egal sein...der Maschine..."

Verkäuferin: "Wir haben uns ja drauf geeinigt, dass ich das auch sehr kritisch sehe. Aber uns hat man, ich verstehe schon was Sie mir sagen wollen, uns hat man bei der Schulung ganz klar gesagt, bei allen Fragezeichen, die es da gibt, dass da quasi wenn da irgendwie Schwingungen, die wir ja verglichen, wir haben quasi eine Idealschwingung, und die ist Alters,- Geschlechtsverschieden natürlich definiert."

Als "Humbug" hat ein als Gutachter bestellter Professor für Elektrotechnik die Messungen bezeichnet. Das berichtet der Prozessbeobachter der Reutlinger Nachrichten. Trotzdem werden die Geräte weiterhin zu Preisen zwischen 4000 und 5000 Euro angeboten.

"Es gibt halt bisher sozusagen keine rechtskräftige, abgeschlossene Entscheidung, die das letztendlich beurteilt, darauf wirken wir jetzt hin."

Nicolaus Wegele, Staatsanwaltschaft Tübingen

Mit einem Urteil wird in Reutlingen im Dezember gerechnet. 


1

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: