Report München


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Alternative Biomethan? Die deutsche Politik setzt einseitig auf Elektromobilität

Wie heißt das Antriebskonzept der Zukunft? Die Antwort der deutschen Umweltpolitik ist eindeutig: Elektromobilität – obwohl es viele ungelöste Probleme gibt. Dass es eine Alternative gibt, deren Ökobilanz mindestens genauso gut ist und zudem serienreif und viel wirtschaftlicher, nehmen Umweltverbände und Politik kaum wahr. Der Staat fördert Biomethan im Gegensatz zur Elektromobilität kaum. report München über eine bislang unterschätzte Alternative.

Von: Arnowski Christoph

Stand: 13.11.2018

Umweltschutz ist Stefan Schober sehr wichtig. In seiner Garage steht trotzdem kein Elektroauto.
Der IT-Experte aus Puchheim bei München hat sich bewusst für ein CNG-Fahrzeug entschieden. CNG steht für Compressed Natural Gas, auf Deutsch:  Komprimiertes Erdgas. Ein Elektroauto kam für Schober nicht in Frage. Wegen dessen schlechter Ökobilanz.

"Nach aktuellen Studien zum Beispiel vom MIT hat ein Elektroauto schon eine doppelt so hohe CO2 Startbelastung wie ein normaler Verbrenner. Und das muss ein Elektroauto erstmal im Laufe seines Lebenszyklus abarbeiten und dann ist aber das Akkurecycling noch gar nicht dabei."

Stefan Schober

Erdgas ist deutlich billiger als Benzin oder Diesel. Und produziert beim Verbrennen fast keine Stickoxide, keinen Ruß und 10 bis 23 Prozent weniger CO2. Und wenn man wie Schober ausschließlich Biomethan tankt, sinkt der CO2 Ausstoß sogar um 90 Prozent.

Zudem ist diese Antriebsart viel wirtschaftlicher, sagt Prof. Ralph Pütz, Experte für Motorentechnik an der Hochschule Landshut.

"Der Vorteil ist, wir haben billige Technologie, billige Verbrennungsmotorentechnologie, die durch die Abgasnachbehandlung hochsauber ist, was die lokalen Emissionen anbelangt und durch den Einsatz von Biogas eben nahezu Klimaneutralität erreicht, eben mit über 90 Prozent CO2 Reduzierung."

Prof. Ralph Pütz, Hochschule Landshut

Klimaneutralität mit einem Verbrennungsmotor, das geht überall im Straßenverkehr.
In Augsburg fahren nur die Trambahnen mit elektrischem Strom. Die 85 städtischen Busse dagegen ausschließlich mit Biomethan. Und das seit dem Jahr 2011.
Wenn die Fahrzeuge abends ins Depot kommen, sind sie innerhalb von maximal sieben Minuten wieder aufgetankt. Die doppelt so teuren Elektrobusse sind hier überhaupt kein Thema.

"Wir sagen, der Elektrobus ist für uns nicht das Maß der Dinge, das ist nicht die Lösung, wir sagen, ein Biomethan-Bus, so wie wir ihn betreiben, das ist momentan verfügbar Umweltschutz, eine bessere Ökobilanz, Energiebilanz über die komplette Wertschöpfungskette gibt es nicht."

Klaus Röder, Stadtwerke Augsburg

Andere Städte setzen dennoch auf Elektrobusse. Beispiel Berlin. Letztes Jahr haben die Verkehrsbetriebe die ersten 30 bestellt. Für 18 Millionen Euro. Bis 2030 sollen alle 1500 Berliner Dieselbusse ersetzt sein.

Die von den Grünen entsandte Umweltsenatorin Regine Günther nennt das ambitioniert. Am Rande der Umweltministerkonferenz in Bremen vergangenen  Freitag begründet sie die Entscheidung auch  damit, dass es für die Berliner Flotte gar nicht genügend Biomethan gäbe.

"Woher haben Sie die Information, dass dies in dieser großen Dimension nicht vorliegt, Biomethan?"

Arnowski

"Naja, da muss man sich nur die Berechnungen angucken, dass dies in diesem großen Maßstab, dass dies noch sehr viel mehr in den Kinderschuhen steckt als Elektromobilität."

Regine Günther, Umweltsenatorin Berlin

Ein Argument, das selbst bei grünen Fachpolitikern auf Unverständnis stößt. Matthias Dittmer, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität, hat vergeblich gegen die Elektrobusentscheidung gekämpft.

"Die Debatte wird nicht sachgerecht geführt, in dem man nämlich schwere Nachteile des Elektrobusses ausblendet."

Matthias Dittmer, Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität, Bündnis90/Grüne

Und genauso, ergänzt Klaus Sauter, nehme die Politik nicht die Vorteile von Biomethan zur Kenntnis. Sauter ist Vorstandsvorsitzender der Verbio AG. Das Unternehmen produziert in Schwedt an der Oder aus Stroh  Biomethan. Aus vier großen Ballen  wird durch Vergärung so viel Biogas, wie ein durchschnittlicher PKW im Jahr verbraucht.

"In Deutschland stehen ungefähr 12 Millionen Tonnen ungenutztes Getreidestroh zur Verfügung. Daraus könnte man genügend Biomethan produzieren, um 7 Millionen Mittelklasse PKW  zu betreiben."

Klaus Sauter, Vorstandsvorsitzender Verbio AG

Biomethan für 1500 Busse in Berlin, das wäre also wirklich kein Problem. Was der verantwortlichen Senatorin irgendwie nicht in den Kopf will.

"Wollen Sie alle Landschaften in Stroh verwandeln?"

Regine Günther, Umweltsenatorin Berlin

Ein klimaneutraler Kraftstoff ohne Stickoxide, angesichts drohender Fahrverbote und Klimawandel müsste doch eigentlich die Politik darauf abfahren. Sauter aber sagt, das Gegenteil sei der Fall. Um die Elektromobilität voranzubringen, habe das Umweltministerium zuletzt Verordnungen erlassen, die Biomethan unwirtschaftlich machten.

"Wir haben vor sieben Jahren mit dem Thema angefangen und waren 2016 soweit, dass bereits 23 Prozent  des gesamten Erdgases, was als Kraftstoff verwendet wurde in Deutschland, Biomethan war. Aber im Frühjahr gab es zwei neue Gesetze, die im höchsten Maße gegen unser Geschäftsmodell gehen und dann waren wir gezwungen, die Mengen, die wir an die Tankstellen bringen, zurückzufahren."

Klaus Sauter, Vorstandsvorsitzender Verbio AG

Auf der Konferenz in Bremen fragen wir die Umweltministerin. Warum fördert die Bundesregierung Elektromobilität mit über 3 Milliarden Euro,  während sie Biomethan  ins Abseits manövriert.

"Da kann ich wirklich nix zu  sagen, das ist nicht in meinem Verantwortungsbereich, ehrlich gesagt."

Svenja Schulze, SPD, Bundesumweltministerin

"Der Herr Flassbarth, Ihr Staatssekretär erlässt alle Verordnungen, die die Biomethanbranche grad ganz stark bremsen, BimSch!?."

Arnowski

"Ehrlich gesagt, wenn ich jetzt nicht fahre, verpasse ich meinen Zug. Das wollen wir nicht, ich glaube nicht, dass alle Züge Verspätung haben, der jetzt nicht, ich kann da echt nix dazu sagen."

  Svenja Schulze, SPD, Bundesumweltministerin

Vielleicht ist ja die ahnungslose Ministerin die Erklärung dafür, warum Deutschland nur auf Elektro setzt. Experten fordern auf jeden Fall mehr Technologieoffenheit.

"Aus unserer Sicht ist es nicht nachvollziehbar, warum die Elektromobilität  einseitig die Verkehrswende einleiten soll. CNG-Fahrzeuge oder auch Wasserstoff sollte hier genauso technologieneutral mit in der Diskussion sein."

Alexander Kreipl, ADAC Südbayern

"Ich finde es absurd, nur einen einzigen Weg, nämlich die Elektromobilität aus Gründen der höheren Energieeffizienz zu beschreiten. Die Technik, die der Elektromobilität  zum Durchbruch verhelfen wird, wird erst in 10 bis 15 Jahren am Markt betrieblich serienreif sein."

Prof. Ralph Pütz, Hochschule Landshut

"Die Förderungen für diese Elektromobilität in diesem  Bereich, die findet einseitig statt, das kann nicht sein, es gibt so viele ungelöste Probleme."

Matthias Dittmer, Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität, Bündnis90/Grüne

Probleme, die Stefan Schober mit seinem CNG-Auto gar nicht kennt.

"Das Auto fährt sich ganz normal wie jeder andere Verbrenner, es ist etwas leiser durch das Erdgas, sehr sparsam, aber man kann ihn auch gleichzeitig sehr flott bewegen."

Stefan Schober

Ach ja, dank Dieselumtauschprämie hat der Wagen  21.000 Euro gekostet, ein vergleichbares Elektroauto wäre mindestens 10.000 Euro teurer.

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