Report München


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60 Jahre report München Recherchen, Stories, Schlagzeilen

1962 ging report München das erste Mal auf Sendung. Egal ob Kubakrise, Vietnamkrieg oder Mauerfall: report war vor Ort und sorgt seit nunmehr 60 Jahren für Gesprächsstoff. Ehemalige und aktuelle Reporterinnen und Reporter berichten über ihre Erlebnisse, Erfahrungen und die Geschichten hinter ihren Stories.

Von: Ulrich Hagmann

Stand: 02.08.2022

Günther von Lojewski | Bild: BR

12. September 1972, report München analysiert die katastrophal gescheiterte Befreiung der israelischen Geiseln. 

"Wahrscheinlich ahnen die Polizeibeamten, die da ins olympische Dorf gerufen werden, dass sie, Angehörige einer Polizei für den Bürger, ein paar Stunden später einem militärischen Spezialkommando gegenüberstehen werden. Die sich mit neun Geiseln, acht Maschinengewehren, einem Dutzend Handgranaten und 600 Schuss Munition in den Quartieren der Israelis verschanzt haben: Pannenlos funktionierende Killer, per Du mit der Erpressung, selbstmörderisch, gedrillt im Töten ohne Federlesen."

  Dagobert Lindlau

Alle 11 Geiseln und ein Polizist sterben. Nur wenige Tage nach der Tragödie konfrontiert Dagobert Lindlau den damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher mit seinen Recherchen und fragt nach Konsequenzen.

"Denkt der Bundesminister daran, nach dieser Erfahrung eine Spezialtruppe zu schaffen, die nach Ausbildung und Ausrüstung für solche Einsätze geeignet ist und zur Verfügung steht?"

Dagobert Lindlau

Tatsächlich wird wenige Tage später die Antiterroreinheit GSG 9 gegründet.

"Er war wirklich unheimlich extrem gut vernetzt. Heute unvorstellbar, in allen Bereichen. Also dass man zum Beispiel Frankfurter Schule und Geheimdienst und Militär alle zusammen kombiniert, für mich heute unvorstellbar, aber Dagobert hatte das."

Peter Mezger

report setzt sich durch

60 Jahre report, 60 Jahre unbequeme Fragen. Wir wollen zurückblicken auf sechs bewegte Jahrzehnte mit Reporterlegenden wie ...

Peter Mezger: "Das war damals in Freimann absolute Champions League"
Silvia Matthies: "Das haben damals nicht 4 Millionen gesehen. Das haben, glaube ich, über 10 Millionen gesehen."
Peter Miroschnikoff: "Ist das tatsächlich gesendet worden?"
Oliver Mayer-Rüth: "Das geht ja darum, gute Geschichten zu machen und den Zuschauerinnen und Zuschauern zu erklären, was dort los ist."
Sabina Wolf: "Das war damals noch eher eine Männerdomäne. Aber es gab schon ein paar Frauen, und ich war auch eine davon."

Zusammen mit anderen ARD-Sendern geht report am 5. August 1962 aus München auf Sendung. Nach langen Diskussionen:

"Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis die Redaktion, vereint mit mir, es durchgesetzt hatte, den Namen report zu akzeptieren. Die Begründung lautete, report ist ein Fremdwort. Das wird sich in Deutschland nie durchsetzen."

Helmut Hammerschmidt, Redaktionsleiter 1962

Report hat sich durchgesetzt.

Immer dabei

Das große Thema der 60er: der Vietnamkrieg und der Protest dagegen. Die Hippies, die Pazifisten und die Intellektuellen.

report München bot allen eine Plattform, auch Jean-Paul Sartre und der Frankfurter Schule.

"Die waren ja bei Lindlau und bei report München sozusagen fast feste freie Mitarbeiter könnte man sagen. Und die haben auch öfter nach Sendungen bei uns angerufen. Böll hat öfters angerufen. Walter Jens hat öfter angerufen und gesagt, also dieser Beitrag hat mir gefallen, oder dieser Beitrag hat mir nicht gefallen."

Peter Mezger

Er war dabei, beim Werbespot der report Redaktion anno 1976. Den Spot hat er schon fast vergessen. Im Gedächtnis geblieben ist Peter Miroschnikoff dieser Einsatz. Die Redaktion schickte ihn 1976 in den Bürgerkrieg nach Angola. Kubanische Einheiten gegen Söldner aus Südafrika und Belgien.

"Eigentlich ist es ganz wichtig irgendwo hinzugehen, wo es besonders problematisch ist. Es gibt einen alten Witz, dass aus einer belagerten Stadt die Flüchtlinge fliehen und die fünf Korrespondenten, die wollen unbedingt rein. Eigentlich hatten wir, ich sage es wirklich arrogant, eher die Angst, etwas zu verpassen."

Peter Miroschnikoff

Reporterinnen verhaftet

1982 werden zwei Reporterinnen und ihr Team verhaftet; mitten in Aachen: "Ohne Angaben von Gründen werden wir samt Kamerateam ins Präsidium gebracht. Dort erst erfahren wir den Verhaftungsgrund. Es habe Verdacht auf Kindesentführung bestanden, heißt es einmal, das anderes Mal: Bombenalarm."

Sie war eine der Verhafteten: Silvia Matties. Sie kam 1982 zu report München. Mit ihrer Kollegin Beatrice Sonhüter recherchierte sie zu Terror, Islamismus, Mafia. Ihre Recherchen sorgen für mächtig Ärger.

"Da ist man ja ganz schön unter Druck gesetzt worden. Der Sender hat mich immer unterstützt, aber wenn Sie da eine Hausdurchsuchung haben, und dann hatte ich ein Verfahren. Das ist aber eingestellt worden. Sofort. Also, dann findet man das eigentlich nicht mehr ganz so lustig. Also, ich habe mehr Angst vor den deutschen Behörden gehabt, als vor den Kriminellen."

Silvia Matthies

Welt im Krisenmodus

Er kam damals als junger Reporter in die Redaktion. Oliver Mayer-Rüth erlebte eine Welt im Krisenmodus und wurde sofort nach Pakistan und Afghanistan geschickt. Die Reise prägte ihn. Immer wieder berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten.  

"Das sind schon dramatische Erlebnisse. Kinder, die ihre Eltern verloren haben, Eltern, die ihre Kinder verloren haben, unter Umständen. Also mich lässt so etwas nicht kalt, das muss man dann schon, man muss irgendwie bewusst sein, dass man das irgendwie verarbeiten muss. Man sieht ja auch verletzte Menschen unter Umständen, man sieht auch tote Menschen, also das lässt einen nicht kalt, man muss damit umgehen."

Oliver Mayer-Rüth

Im Frühjahr 2022 berichtet Oliver Mayer-Rüth aus der Ukraine.

Kriminalität, Mafia, IT-Sicherheit

Sie gehört seit den 90ern zum Team. Sabina Wolf: ihre Themen: Kriminalität, Mafia, IT-Sicherheit.

"Hintergrund-Recherchen, das ist unheimlich wichtig. Sonst findet keine Aufklärung mehr statt. Und dann bleibt alles eine schnelle Nachricht an der Oberfläche."

Sabina Wolf

Eines ihrer großen Themen: Die Bedrohung der Infrastruktur, wie U-Bahnen oder Energieversorger, durch Kriminelle im Cyberspace.

60 Jahre Report. Das waren auch 60 Jahre harte Arbeit für Journalistinnen und Journalisten. Mit Themen, die Millionen Menschen bewegen.


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