ARD-alpha - Werner Heisenberg


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Werner Heisenberg Die Verantwortung des Wissenschaftlers (1945–1958)

Werner Heisenberg kann sich bei Kriegsende nicht lange um seine Frau und seine Kinder kümmern, denn er wird, mit neun weiteren deutschen Wissenschaftlern, auf dem Landsitz Farm Hall in England interniert. Ebenfalls interniert werden Carl Friedrich von Weizsäcker und Otto Hahn. Aus dem Radio erfahren die Physiker vom Abwurf einer Atombombe über Japan.

Stand: 10.06.2016

Für Heisenberg sind das schockierende Nachrichten: "Ich wollte diese Nachricht zunächst nicht glauben. ... Erst am Abend, als der Berichterstatter im Rundfunk den riesigen technischen Aufwand schilderte, der geleistet worden sei, musste ich mich mit der Tatsache abfinden, dass die Fortschritte der Atomphysik, die ich 25 Jahre lang miterlebt hatte, nun den Tod von weit über hunderttausend Menschen verursacht hatten."

Im Januar 1946 geht die Gefangenschaft der deutschen Physiker in England zu Ende. Die britische Besatzungsmacht gibt ihnen die Möglichkeit, in Göttingen mit dem Wiederaufbau von wissenschaftlichen Instituten zu beginnen. Für Werner Heisenberg beginnt eine glückliche Phase seines Lebens. Er wird Direktor des Physikinstituts der neu gegründeten Max-Planck-Gesellschaft.

Mit Bundeskanzler Konrad Adenauer pflegt Heisenberg engen Kontakt. Er ist davon überzeugt, dass die neue Zeit, die mit der Atombombe begonnen hat, den verantwortungsvollen Wissenschaftler erfordert. Heisenberg ist auch am Aufbau des internationalen Forschungslaboratoriums in Genf beteiligt, das unter dem Namen CERN weltweit bekannt ist.

1953 ernennt ihn Adenauer zum Präsidenten der Alexander von Humboldt Stiftung. Zweck der Stiftung ist es, hochqualifizierten jungen Wissenschaftlern einen Forschungsaufenthalt in der Bundesrepublik zu ermöglichen. Heisenbergs Name bürgt fast in der gesamten Welt für Integrität, wissenschaftliche Qualität und Unbestechlichkeit.

In den USA zeichnet man ein anderes Bild von ihm: Für die Amerikaner ist Heisenberg derjenige, der für Hitler an der Bombe baute. Den Tatsachen entspricht das nicht. Heisenberg hat, im Gegensatz zu seinen Kollegen, in den USA das ihm Mögliche getan, um Kernwaffen zu verhindern.

Daran hält er auch nach dem Zweiten Weltkrieg fest: Im Frühjahr 1957 kommt es zur Veröffentlichung des so genannten Göttinger Manifests. Neben Werner Heisenberg sprechen sich darin 17 weitere deutsche Wissenschaftler gegen die atomare Bewaffnung der Bundesrepublik aus.


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