ARD-alpha - Werner Heisenberg


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Werner Heisenberg Die Unschärferelation (1925–1939)

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Welt unabhängig von uns existiert. Dass dies nicht immer so ist, erkennt der erst 24 Jahre alte Physiker Werner Heisenberg.

Stand: 10.06.2016

Er versucht, die Bahnen der Elektronen im Atomkern zu berechnen. Doch letztlich entdeckt er: Von Elektrobahnen, wie die Physiker zu dieser Zeit noch annehmen, kann man gar nicht sprechen. Die Bahn entsteht erst dadurch, dass wir sie beobachten.

Albert Einstein kann die weltanschaulichen Konsequenzen der Quantenmechanik nie akzeptieren. "Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?" fragt er polemisch. Schließlich sollen nach Heisenbergs neuer Physik auch Elektronenbahnen erst durch Beobachtung entstehen.

"Wie ist das Phänomen der so genannten Nebelkammer zu erklären?" fragt Einstein weiter. In der Nebelkammer werden die Bahnen von Elementarteilchen sichtbar, ähnlich wie Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel.

Auf diese Frage konzentriert Heisenberg seine Anstrengungen. Was man in der Nebelkammer wirklich beobachtet sind nicht die Elektronen, sondern einzelne Wassertröpfchen, milliardenfach größer als ein Elektron. Die richtige Frage musste also lauten: Kann man in der Quantenmechanik eine Situation darstellen, in der sich ein Elektron ungefähr – das heißt mit einer gewissen Ungenauigkeit an einem gegebenen Ort befindet und dabei wieder ungefähr eine bestimmte Geschwindigkeit besitzt?

Aus diesem Ansatz heraus formuliert Werner Heisenberg seine berühmt gewordene Unschärferelation: Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens kann man nie gleichzeitig genau wissen. Und das bedeutet: Die Berechenbarkeit der Welt hat prinzipiell unüberwindbare Grenzen. 1933 ist Werner Heisenberg im Zenit seiner Karriere. Im Alter von 31 Jahren wird ihm der Nobelpreis für Physik verliehen.

Doch 1933 kommen in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht. Heisenbergs Physik wird als "jüdische Physik" angefeindet. Er fühlt sich politisch und wissenschaftlich isoliert. Deutschland steht vor dem Krieg. Die Skrupellosigkeit der Nationalsozialisten hat er kennengelernt.

Im Februar 1937 verliebt sich Werner Heisenberg in die Buchhändlerin Elisabeth Schumacher, und schon bald darauf heiraten sie. Mit Elisabeth hat Werner Heisenberg sieben Kinder.

Im Sommer 1939 ist Heisenberg auf Vortragstournee in den USA. Die Amerikaner versuchen, ihn in die Staaten zu locken. Lange ringt er mit sich, ob er den verlockenden Angeboten nachgeben soll. Doch letztlich entschließt sich Werner Heisenberg, mit seiner jungen Familie in Deutschland zu bleiben.


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