ARD-alpha - Vom Ahorn bis zur Zwiebel


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Vom Ahorn bis zur Zwiebel Die Herbstzeitlose

Einerseits ist die Herbstzeitlose dank ihrer späten Blütenpracht ein willkommener Farbtupfer in Gärten und Parks, andererseits zählt sie zu den giftigsten Pflanzen unserer Breitengrade. Ihr Gift kann für Mensch und Tier todbringend sein. Ein Pflanzenporträt.

Stand: 27.06.2009

Herbstzeitlose | Bild: picture-alliance/dpa

Eine Besonderheit der Herbstzeitlosen ist ihr Lebenszyklus: Reife und Frucht läuft bei ihr den Winter über ab - und nicht, wie bei den meisten Pflanzen, während des Sommers. Die Römer nannten die Pflanze daher "filius ante patrem", der Sohn vor dem Vater. Und das funktioniert so:
Im Frühjahr treiben die Blätter aus. Sie umschließen die Frucht, die ebenfalls im Frühjahr heranwächst. Nach der Fruchtreife im Mai oder Juni verwelken die Blätter. Von der Pflanze ist den ganzen Sommer über nichts mehr zu sehen. Erst im Herbst erscheinen dann die Blüten.

Eine todbringende Schönheit

Sämtliche Pflanzenteile enthalten ein starkes Gift: Colchicin. Es gibt immer wieder Vergiftungsfälle, vor allem im Frühjahr, da die Blätter der Herbstzeitlosen oft mit denen des Bärlauch verwechselt werden. Im medizinischen Bereich wird Colchicin seit Hunderten von Jahren in niedrigen Dosierungen als Gicht hemmendes Mittel eingesetzt. Auch in der Gentechnik und bei der Züchtung neuer Obstsorten findet Colchicin Verwendung, da es die Zellteilung hemmt. Trotz ihrer Giftigkeit ist die Herbstzeitlose gern gesehen. Denn sie zaubert dank ihrer späten Blüte willkommene Farbtupfer in herbstliche Gärten und Parks.

Die Herbstzeitlose - Steckbrief

  • Wuchsform: krautige Staude
  • Höhe: maximal 30 Zentimeter
  • Wurzel: zwiebelähnliche Wurzelknolle mit braunen Schuppen
  • Blätter: breite, lanzenförmige Blätter, die am Grunde der Pflanze zusammenstehen; Blattnerven parallel zu einer deutlich erkennbaren Mittelachse
  • Frucht: dreiteilige Kapselfrucht, im Inneren Samen mit nährstoffreichem Anhängsel (attraktiv für Ameisen)
  • Fruchtreife: Mai oder Juni
  • Verbreitung: durch Wind und Ameisen
  • Blüte: leuchtend violett, erinnert an Krokus
  • Blütezeit: September bis weit in den November hinein
  • Standort: feuchte Wiesen und Auwälder
  • Besonderheit 1: Alle Pflanzenteile enthalten das Gift Colchicin
  • Besonderheit 2: Lebenszyklus mit Reife und Frucht läuft über den Winter ab (nicht, wie bei den meisten Pflanzen, über den Sommer)

Achtung! Giftige Doppelgänger!


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