ARD-alpha - Stil-Epochen


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Stil-Epochen Klassizismus und Romantik

Dass die Antike nach der Renaissance in Deutschland wieder auflebte, ist dem Archäologen Johann Joachim Winckelmann zu verdanken. Er propagierte das Ideal von der "edlen Einfalt und stillen Größe", das er in der Antike sah.

Stand: 17.03.2016

Die strengen Linien, der Rückgriff auf die antiken Säulenordnungen und die zahlreichen Zitate des klassischen Formenkanons - all das entspricht im ausgehenden 18. Jahrhundert sehr dem Zeitgeist der Aufklärung. Viele offizielle Gebäude, Triumphbögen und Parkanlagen greifen die klaren antiken Elemente wieder auf. 

Dabei gerät manchmal stilistisch einiges durcheinander. Das Brandenburger Tor in Berlin wird von einer stilfremden Attika mit Postament überbaut. Die Propyläen in München ergänzt Architekt Leo von Klenze durch zwei römische Wachtürme, das Bauwerk verziert er mit Ornamenten, die verdächtig ägyptisch aussehen.

Die sich entfremdende Gesellschaft

Jean-Jacques Rousseau

Dass die industrielle Revolution Ende des 18. Jahrhunderts die Gesellschaft grundlegend zu verändern beginnt, ist den Künstlern bewusst. In der Malerei und Literatur entsteht eine Gegenbewegung zum Klassizismus - die Romantik. Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau spricht schon in den 1750er-Jahren von einer "vom natürlichen Ursprung sich entfremdenden" Gesellschaft. Er warnt vor der Gefahr, dass sich Zivilisation und Natur zu weit auseinander entwickeln könnten.

Sehnsucht und Naturgefühl: Romantik

In der Malerei thematisieren William Turner, Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix und andere Künstler in ihren Landschaften subjektives Gefühl und Sehnsucht. Den Klassizismus kritisieren sie als künstlich und leblos. Mystisch-religiöse Motive prägen das neue individuelle Naturgefühl, das besonders in Friedrichs riesigen Landschaftsbildern zur Geltung kommt und den Menschen in seiner Verlorenheit und Belanglosigkeit vor der göttlichen Schöpfung zeigt.

Kunst und Architektur wenden sich schließlich ganz vom Klassizismus ab. Im Zuge der Romantik erfahren vergangene Stile eine Aufwertung und regelrechte Neuauflage. Der Stilpluralismus geht einher mit dem Aufbruch ins Industriezeitalter und die Gründerzeit.


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