ARD-alpha - Stil-Epochen


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Stil-Epochen Floral - Jugendstil und Art Deco

Nach dem Vorbild der ab 1850 in England aufkommenden arts-and-crafts-Bewegung formt sich bald auch in den anderen europäischen Ländern ein freieres Kunstverständnis. Die Jugendstil-Künstler heben die Trennung zwischen der sogenannten hohen und der angewandten Kunst auf.

Stand: 08.08.2017

Im Jugendstil bringen schlanke, blumige Ornamente Eleganz und Schwung in Malerei, Architektur und Möbeldesign. Den Namen verdankt die Bewegung der Münchner Wochenschrift für Kunst und Leben "Jugend". In ihr kommt ein freieres Kunstverständnis zum Tragen, das sich vom Historismus abwendet und den Kunstbegriff weiter fasst. Die Grenzen zwischen hoher und angewandter Kunst verwischen in der Gestaltung von Geschirr und Möbeln, Grafiken, Schmuck und Mode. Eine Gebrauchskunst, die sowohl schön anzusehen ist als auch eine Funktion erfüllt - das ist neu.

Qualität und Sinnlichkeit

Die Kunst des Jugendstils zeichnet vor allem hohe handwerkliche Qualität aus und: Sinnlichkeit. Hochgewachsene schlanke Frauen mit langen wallenden Haaren fließen in vollendeter Weiblichkeit in das florale Dekor mit ein. In Spanien ist es Antonio Gaudí, in Wien Otto Wagner, die die Architektur entsprechend entschlacken. Wagner gehört zu den Künstlern der Wiener Secession, die dem traditionellen Künstlerhaus ein eigenes, modernes Ausstellungszentrum entgegensetzen: das Secessionsgebäude.

Neue Klarheit: Art Deco

Die Lorbeer-Kuppel des Wiener Secessionsgebäudes

Auch Koloman Moser und Josef Hoffmann sind Secessionsmitglieder. Sie gründen 1903 die Wiener Werkstätten. Die Möbelstücke, die die beiden entwerfen, bestechen durch klare und schlichte Formensprache. Mit diesem Design bereiten sie einem neuen Modestil den Weg - dem Art Deco, der nach dem Ersten Weltkrieg den Jugendstil ablöst. Der Name kommt von der gleichnamigen Pariser Kunstgewerbeausstellung von 1925. In erster Linie geht es um das Design von Gebrauchsgegenständen - elegante Autos, mondäne Damenmode.

Art Deco goes USA

Die Zeit zwischen den Weltkriegen ist die Phase der großen Depression und des aufziehenden Faschismus. Eine ambivalente Epoche geprägt von Existenzangst, Not und wilden Partys, mit denen sich die Oberschicht vom drohenden Unheil ablenkt. Der Zweite Weltkrieg bedeutet das Ende des Art Deco. In den USA aber wird das Design fortgeführt. Hier entstehen einige der berühmtesten Bauensembles dieser Stilrichtung.

Stilmerkmale Jugendstil / Art Deco

  • Den Jugendstil bestimmten florale, der Natur entlehnte Ornamente.
  • Die Möbel und anderen Gebrauchsgegenstände zeichnet eine hohe handwerkliche Qualität aus.
  • Nackte, schlanke Frauen mit langen fließenden Haaren ergänzen die florale Ornamentik.
  • Reformkleidung für Frauen befreit sie vom Zwang des Schnürkorsetts.
  • Das Art Deco beeinflusst in erster Linie das Design von Gebrauchsgegenständen. Elegante, klare Linien und ein oft geometrisches Dekor prägen die Werke.
  • Neue Werkstoffe wie Baskelit und Stahl ermöglichen die Fertigung in Serie.

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