ARD-alpha - Schulfernsehen


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Der Zauberring Was Macht mit Menschen macht

"Und führe uns nicht in Versuchung" – mit dieser Bitte thematisiert das Vaterunser ein generelles Problem ethischen Handelns: Wie verlässlich sind unsere moralischen Prinzipien?

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Wojtek Sperl & Ralf Schneider

Stand: 07.12.2012

Niels mit dem Zauberring der unsichtbar macht | Bild: BR

Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt. Mit diesem Satz schließt die "Fromme Helene", eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch. Was das mit Plato und der Frage nach dem rechten Handeln zu tun hat? Eine ganze Menge. Schließlich geht Plato in seiner Philosophie davon aus, dass wir das Gute kennen. Und zwar von Geburt an, weil jeder Mensch in seiner Seele die Urbilder der rechten Verhaltensweisen trägt.

Die Angst vor Strafe fördert das Gute

Aber Plato weiß auch, dass jeder Mensch ungeachtet dieses „eingeborenen“ Wissens um das Richtige und Rechte jederzeit bereit ist, Unrecht zu begehen. Und zwar immer dann, wenn ihm dieser Verstoß einen Vorteil beschert. Nur die Furcht vor den Folgen der Taten kann die menschliche Dauerbereitschaft zu unrechtem Handeln hemmen. Und weil das so ist, gibt es Gesetze und Strafen, die das Miteinander regeln.

Wie verführbar ist der "furchtlose" Mensch?

So weit, so gut. Aber - und damit sind wir wieder bei der Frommen Helene -, wo bleibt das Gute, wenn wir das Böse nicht mehr lassen müssen? Was passiert, wenn wir den Vorteil ohne das kleinste bisschen Strafe haben können? Wie moralisch handeln wir, wenn uns die Angst vor den schlimmen Folgen schlimmer Taten nicht mehr bremst?

Die Parabel der ethischen Misere

Plato beantwortet die Frage ziemlich eindeutig: Ohne Furcht vor Strafe sind wir skrupellos. Um diese These zu stützen, erzählt er die Geschichte vom Ring des Gyges. Dieser Zauberring macht seinen Besitzer unsichtbar und bringt ihn dazu, hemmungslos den eigenen Vorteil zu suchen. Die Macht des Rings, meint Plato, verleitet den Träger unweigerlich zum Bösen. Und zwar jeden Träger, den Gerechten wie den Ungerechten.

Wer wirft den ersten Stein?

Doch ist das wirklich so? Hat Plato Recht? Wie steht es um unsere ethischen und moralischen Prinzipien? Wie wertvoll sind unsere Werte, wenn es drauf ankommt? Wie anfällig sind wir für die Versuchung? Angenommen, wir hätten einen Gyges-Ring, der uns unsichtbar macht: Was würden wir tun, wie würden wir uns verhalten?

Niels und die große Verlockung der Macht

Für den fünfzehnjährigen Niels in unserem Film ist das keine abstrakte Diskussion. Er findet so einen Zauberring, einen, der ihn unsichtbar macht. Jetzt kann er sich endlich alle Wünsche erfüllen und legt auch gleich mächtig los. Ob ihm das wirklich gut tut, ist eine andere Frage.


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