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Die Lokomotive Bayerns! Der Wirtschaftsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen

Die nordbayerische Wirtschaftsregion um Nürnberg entstand im Zuge der Industrialisierung. Nach schweren Krisen - Arbeitsplätze bei Traditionsunternehmen gingen verloren - hieß es: Herausforderung Strukturwandel!

Von: Ein Film von Georg Antretter

Stand: 15.02.2013

Blick auf die Erlanger Zentrale von Siemens | Bild: BR

Ein Ballungsraum entwickelt sich

1806 fiel Nürnberg, die stolze Reichsstadt, an Bayern. 1835 fuhr die erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Bald begannen sich Betriebe anzusiedeln, zum Beispiel die Maschinenfabrik Spaeth, das Elektrounternehmen Siemens-Schuckert und die Firma Cramer-Klett, die Keimzelle der späteren MAN-Werke. Arbeiter aus ganz Ostbayern strömten mit ihren Familien nach Nürnberg, zwischen 1850 und 1900 wuchs die Bevölkerung von 50.000 auf 250.000 Einwohner. Heute leben mehr als eine halbe Million Menschen in der Frankenmetropole.

In Erlangen fanden Hugenotten, Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, eine neue Heimat. Sie brachten Manufakturkenntnisse in die Region mit, auch die 1743 gegründete Universität hatte schon bald einen hervorragenden Ruf. Fürth wurde im frühen 20. Jahrhundert ein Begriff für Verkehrstechnik. Die Firmen hießen Triumph, Adler und Hercules und lieferten elegante Motor- und Fahrräder.

Trotz großer Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs trugen namhafte Firmen aus dem Raum Nürnberg-Erlangen-Fürth, wie zum Beispiel AEG, Grundig oder Quelle, entscheidend zum "Wirtschaftswunder" der 1950er-Jahre bei.

"Siemensstadt" Erlangen

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg startete Siemens in Erlangen einen Neuanfang. Als sich im beginnenden Kalten Krieg der Aufbau von Produktionsstätten in Ostdeutschland nicht lohnte, wurde Erlangen als Standort attraktiv. Bald setzte in Erlangen ein Bauboom ein: In keiner anderen bayerischen Stadt wurde nach 1945 so viel und so lange gebaut. Für die Siemens-Mitarbeiter entstanden große Wohnanlagen. "Leidet Siemens unter Husten", weiß man in Erlangen, "droht der Stadt eine Lungenentzündung". Deshalb gibt es längst Bestrebungen, durch eine enge Verknüpfung von Wirtschaft und Forschung weitere Standbeine aufzubauen.

Die Region stellt sich dem Strukturwandel

Ab den 1970er-Jahren schlitterte der Wirtschaftsraum in eine tiefe Krise. Zunehmende Automatisierung und die Verlagerung von Produktionsstätten führten zu Werkschließungen, Massenentlassungen und Branchensterben. In den 1990er-Jahren begann man in Nürnberg mit einer aktiven Ansiedelungspolitik für Zukunftsbranchen gegenzusteuern. Anschubfinanzierung leistete der Freistaat Bayern. Mittel aus der Offensive – Zukunft Bayern und der High-Tech-Offensive flossen in die Region. Projekte und Institutionen aus Wissenschaft und Technologie wurden gefördert. Zehntausende Stellen entstanden im Dienstleistungsbereich. Auch in der IT-Brache wurden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen.

Die "Solarstadt" Fürth

In Fürth machte man sich schon in den späten 1980er-Jahren Gedanken über die Entwicklung erneuerbarer Energien. 1991 wurde das Solar-Informations- und Dokumentationszentrum (solid) gegründet, 1996 entstand die Energieagentur Mittelfranken (EAM). Als erste Stadt in Bayern erteilte Fürth die Genehmigung zur Aufstellung von Solarmodulen in Kleingärten.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie betreibt in Fürth heute Materialforschung, Automobilfirmen arbeiten an Motoren und Abgastechnik. In Fürth wurde auch das Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik (ZMP) eingerichtet, die Stadt stieg damit zum Universitätsstandort auf und erhielt 2007 von der Bayerischen Staatsregierung den Titel "Wissenschaftsstadt" verliehen.

Die Metropolregion Nürnberg

2005 erhielt die Region um Nürnberg von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MRKO) den Titel "Metropolregion" zugesprochen. Die Metropolregion umfasst Mittelfranken, Oberfranken, Teile Unterfrankens und der Oberpfalz. Ziel ist es, ein Gebiet mit 3,5 Millionen Einwohnern und über 150.000 Unternehmen in der EU zu positionieren, Fördermittel zu beschaffen und Partner für internationale Kooperationen zu finden.


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