ARD-alpha - Schulfernsehen


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Haustiere und ihre wilden Verwandten (2) Schweine

Wie weit haben sich unsere Hausschweine von ihren wilden Vorfahren wegentwickelt? Dieser Frage nachzugehen, lohnt sich: Je "wilder" und artgerechter Schweine leben, desto besser schmeckt es ihnen und schmecken sie am Ende uns.

Von: Dr. Horst Wisniewski, ein Film von Wolfgang Meschede

Stand: 13.01.2012

Schweine im Stall | Bild: SWR

Vor 10 Jahren starteten Wissenschaftler einen Versuch, bei dem sie Hausschweine aus ihren engen Ställen in die freie Natur entließen und auswilderten. Das Experiment sollte klären, wie sich domestizierte Schweine in freier Wildbahn anstellen.

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Die Überraschung war groß: Die isoliert aufgewachsenen Tiere schlossen sich zu Gruppen zusammen und verhielten sich exakt wie ihre wilden Verwandten: Auch die ausgewilderten Hausschweinsauen bauten in eine Erdmulde ein Nest aus Reisig, Farnwedeln und anderen Pflanzenteilen, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen und zu säugen. Und ganz wie die wilde Verwandtschaft, suhlen auch sie sich leidenschaftlich im Schlamm. Trotz ihrer bereits Jahrtausende währenden Domestizierung hatte sich ihr genentisch verankertes Verhaltensprogramm also kaum verändert.

Ein weiterer Test sollte zeigen, wie sich jene Tiere verhalten, die nicht in Familienverbänden, sondern in altersgleichen Gruppen zusammenleben. Auch hier ergab sich ein klares Bild: Schweine leben nicht gerne alleine und fühlen sich in größeren Verbänden bedeutend wohler.

Die Erkenntnisse dieser Versuchsreihe trugen zur Entwicklung landwirtschaftlich nutzbarer Lösungen bei, die eine finanziell vertretbare und dabei zugleich weitaus artgerechtere Schweinehaltung ermöglichen.

In der Schweiz haben die Besitzer eines Biobauernhofs dieses Konzept erfolgreich umgesetzt. Die Tiere werden unter Bedingungen gehalten, die einem Leben in freier Wildbahn möglichst nahe kommen. Sie sind nicht isoliert in viel zu kleinen Ställen eingesperrt, sondern leben in großen Familiengruppen zusammen, die aus einem Männchen, dem Eber, mehreren Weibchen, den Sauen, und vielen Ferkeln bestehen. Da der Auslauf ausreichend groß ist, können sich die Schweine suhlen, die Erde nach Fressbarem durchwühlen und ungestört gebären.

Im Gegensatz zu den meisten Artgenossen haben die Schweizer Schweine also buchstäblich Schwein gehabt.


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