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Musik statt Maloche? Strukturwandel im Ruhrgebiet

Mythos Ruhrgebiet: Rußgeschwärzte Bergleute schürften Kohle unter Tage, Stahlkocher und Gießer schufteten an den Hochöfen. Doch die Schlote haben aufgehört zu rauchen, der Strukturwandel krempelte die Region um. Dienstleistungsbranche und Kulturbetrieb sollen neue Jobs generieren.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Susanne Delonge

Stand: 20.01.2012

Kohlenhalde | Bild: picture-alliance/dpa

Die Sendung zeigt, wie sich das Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert vom Bauernland zu einer dicht besiedelten Industrielandschaft wandelte. Im Zuge des Abbaus ergiebiger, aber tief liegender Fettkohleflöze wurden Schächte in die Erde getrieben, der Kohlebergbau dehnte sich vom Ruhrtalberg über Dortmund und Essen bis zu Emscher- und Lippetal aus. Für die Metallherstellung förderte man Erz, im Steinkohlerevier entstanden Stahlwerke. Die Bevölkerung des Ruhrgebiets wuchs stark an – von 200.000 Menschen um 1815 auf 1,5 Millionen im Jahr 1895. Sechzig Jahre später lebten mehr als fünf Millionen Menschen in der Region zwischen Rhein und Ruhr.

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Im Ruhrgebiet entwickelte sich eine industrielle Monokultur. Die Masse der Beschäftigten arbeitete entweder in der Kohle- oder in der Stahlproduktion. Daran änderte sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts nur wenig. Dann geriet das Ruhrgebiet in die Krise. Die Energieträger Öl und Gas konkurrierten mit der Kohle. Zudem drängten Kohleproduzenten aus aller Welt auf den Markt, die deutsche Steinkohle mit ihren hohen Produktionskosten geriet unter Wettbewerbsdruck. Trotz staatlicher Subventionen begann in den 1960er Jahren das Zechensterben, dem der Niedergang der Stahlbranche folgte.

Die Kohle- und Stahlkrise erzwang den Strukturwandel im Ruhrgebiet, das sich auf den mühsamen Weg in Richtung Dienstleistungsgesellschaft machen musste. In der Sendung werden Ruhrpott-Bewohner vorgestellt, die von der Entwicklung betroffen sind. Einer von ihnen ist Helmut Novaczyk, der 1987 seinen Job in einer Zeche verlor. Dem ehemaligen Kumpel fällt es schwer zu akzeptieren, dass der Bergbau der Vergangenheit angehören soll. Julian Rybarski, dessen Vorfahren im Bergbau arbeiteten, verdient sein Geld als Musik- und Eventmanager. "Diese Arbeiterkultur", sagt Julian, "wie sie immer noch von außerhalb wahrgenommen wird, das geht zu Ende". Auch die Rapper Snaga und Pillath, die einen Song über ihre Heimat gemacht haben, trauern der Vergangenheit nicht nach.

In jüngster Zeit wird viel über den Kulturbetrieb gesprochen. Essen und das Ruhrgebiet waren Kulturhauptstadt 2010. Unzählige Events fanden statt, viele davon in alten Zechen. Ob "Musik statt Maloche" dem krisengebeutelten Ruhrgebiet langfristig weiterhilft und neue Arbeitsplätze entstehen, wird sich zeigen.


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