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Die französische Revolution (2/3) Der Adel tritt ab

Der Sturm auf die Bastille bricht alle Dämme. Die Nationalversammlung will Druck aus dem Kessel nehmen: Sie schafft Leibeigenschaft und Adelsprivilegien ab. Ludwigs Krone scheint gerettet. Dann erschüttert ein misslungener Fluchtversuch den Thron.

Von: Edeltraud Glaser & Volker Eklkofer, ein Film von Wolf Schneider

Stand: 01.04.2015

Gemälde: Der französische König Ludwig XVI im Kreise seiner Familie | Bild: picture-alliance/dpa

Freiheit für alle und Gleichheit vor dem Gesetz!

Mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 hat die Revolution begonnen. Der Widerstand gegen das Alte Regime hat aber nicht nur die Hauptstadt erfasst. Auch auf dem Land rebellieren die Bauern gegen ihre Grundherren. Sie plündern die Archive, um die Verzeichnisse ihrer Abgaben und Dienste zu vernichten, Schlösser gehen in Flammen auf. Die Nationalversammlung reagiert schnell. In der berühmten Nachtsitzung vom 4. August entlassen die adeligen Grundbesitzer ihre abhängigen Bauern in die Freiheit, sie schaffen Leibeigenschaft und Frondienste ab und eröffnen die Möglichkeit, die Eigentumsrechte des Grundherrn abzulösen. Adel und Geistlichkeit verzichten auf ihre Vorrechte und stimmen für eine steuerliche Gleichbehandlung. Die alte Gesellschaftsordnung Frankreichs, das Feudalsystem, ist mit einem Schlag beseitigt.

Ludwig XVI. treibt ein doppeltes Spiel

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Diesem spontanen Akt folgt in der "Erklärung der Menschenrechte" die Darlegung der Prinzipien, auf denen die neue Ordnung ruht: Alle Menschen sind von Geburt an frei und gleichberechtigt. Sie haben ein Recht auf Eigentum, auf Sicherheit und auf Widerstand gegen Unterdrückung. Aber mehr als für die Formulierung dieser wichtigen Grundsätze interessieren sich die Pariser im September 1789 für den Brotpreis. Dazu wird bekannt, dass der König die neuen Dekrete der Versammlung nicht unterschrieben hat; offenbar versucht er, das Volk zu hintergehen. Zuerst werden nur Bäckerläden geplündert, aber die Angst vor dem Hunger und das Misstrauen gegen den König wachsen, und eine große Volksmenge marschiert nach Versailles, um den König in die Hauptstadt zu holen. Der König und seine Familie in Paris, das bedeutet Sicherheit, aber auch eine bessere Überwachung.

Die Nationalversammlung folgt dem König und arbeitet an neuen Lösungen für die Finanzkrise. Die goldenen und silbernen Kultgegenstände der Kirchen werden gesammelt und eingeschmolzen. Dann wird der große Landbesitz der Kirche zum Nationaleigentum erklärt und zum Verkauf angeboten.

Der Fluchtversuch des Königs misslingt

Die Grundlagen des Staates müssen neu durchdacht und durch eine Verfassung geregelt werden. Souverän ist jetzt das Volk. Ludwig bleibt zwar "König der Franzosen von Gottes Gnaden", aber in der neuen Formel, die seine Stellung definiert, heißt es weiter "und auf Grund des Verfassungsgesetzes des Staates". Die Staatsgewalt, so die Theorie, soll zwischen ihm und der Volksvertretung geteilt werden. Aber in Wirklichkeit liegt das Schwergewicht auf Seiten der Volksvertreter. Sie schlagen die Gesetze vor und beschließen sie, und sie entscheiden über Krieg und Frieden. Der König spielt zum Schein mit, aber er ist entschlossen, seine alte Machtstellung zurückzuerobern, und zwar mit Hilfe des Auslands. Er flieht, wird kurz vor der Grenze erkannt und zurückgebracht.

Die Monarchie hat ihre Chance vertan

Jetzt fordern die demokratischen Klubs und die Leute auf der Straße offen seine Absetzung und Bestrafung. Aber die Nationalversammlung will den König halten. Wenn er fällt, ist die Verfassung wertlos, und die neuen, revolutionären Veränderungen sind nicht abzusehen. Am 1. Juli 1791 versammelt sich das Volk auf dem Marsfeld; die Versammlung lässt auf die protestierende Menge schießen.


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