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Reports in English The Tower of London

Kein Londonbesuch ohne Tower! Die markante Festung an der Themse ist seit mehr als 900 Jahren ein Wahrzeichen der britischen Monarchie und ein historisches Monument der Extraklasse. Spaß macht die Tower-Tour auf alle Fälle. Dafür sorgen unter anderem 36 Beefeaters, 6 Raben und exakt 23.578 Juwelen.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Susanne Delonge

Stand: 27.01.2012

White Tower | Bild: picture-alliance/dpa

Den Grundstock des Towers of London legte Wilhelm der Eroberer um das Jahr 1066/67. Schon kurz nach seiner Erhebung zum englischen König lässt er zunächst einen hölzernen, später einen massiven Steinturm als Symbol und zur Verteidigung seines Herrschaftsanspruchs errichten. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte wechselte die ständig erweiterte Anlage wiederholt ihre Funktion. Sie diente als Burg, königliche Residenz, Palast, Menagerie, Gefängnis, Waffenlager und nicht zuletzt als Richtstätte, auf der prominente "Staatsfeinde", darunter drei englische Königinnen, ihr Leben verloren.

Heute ist der Tower vor allem ein Ausflugsziel, das alljährlich mehrere Millionen Touristen anlockt. Das absolute Highlight jeder Tower-Tour sind ganz sicher die Kronjuwelen im Juwel House. Mehr als 23.000 kostbare Rubine, Saphire, Diamanten, Kronen, Schwerter, Ringe, Sporen und Reichsäpfel werden in einem Hochsicherheitstrakt ausgestellt und scharf bewacht. Zu den Prunkstücken zählen mehrere der bekanntesten und wertvollsten Diamanten der Welt, etwa die neun Cullinan-Steine oder der berühmte Koh-i-Noor. Ganz aus der Nähe zu besichtigen ist außerdem die von Königin Elisabeth bei besonderen Anlässen getragene Imperial State Crown.

Neben dem Kronschatz beherbergt der Tower ein weiteres Unterpfand, das den Fortbestand des Königreichs verbürgt. Genauer gesagt sind es sogar sechs Unterpfande, nämlich die berühmten Tower-Raben. Traut man der Überlieferung, fällt zusammen mit der Festung unweigerlich auch das Königreich, sollten sie je den Tower verlassen. Um das Risiko zu minimieren, schneidet man den Raben einen Flügel ab und hält einen siebten in Reserve. Es ist zwar nur eine Legende, aber man weiß ja nie! "Spotting the ravens" ist also nicht nur ein angenehmer Zeitvertreib, sondern auch eine sehr ernsthafte, sozusagen staatserhaltende Untertanenpflicht.

Untrennbar mit dem Tower verbunden und eine höchst lebendige Attraktion sind die Yeomen Warders of Her Majesty's Royal Palace and Fortress the Tower of London. Die zerimoniellen Torwächter mit ihren Hellebarden und blauroten Uniformen sind seit 1485 für die Bewachung der Kronjuwelen und der Staatsgefangenen zuständig. Seit 1509 stellten sie überdies die königliche Leibwache. Ihr Spitzname Beefeaters (Rindfleischesser) geht zurück auf ein besonderes Privileg: Aufgrund ihrer Ehrenstellung hatten sie das Recht, so viel Fleisch von der königlichen Tafel zu verzehren, wie sie nur wollten. Da die eigentliche Wachaufgabe mittlerweile längst auf schwer bewaffnete Spezialeinheiten des Militärs übergegangen ist, können sie die insgesamt 36 Yeoman Warders ganz auf ihre Funktion als Touristenmagnet und Towerführer konzentrieren. Mit der Ceremony of Keys, dem Schlüssel-Zeremoniell, bieten sie allabendlich ein äußerst sehenswertes und obendrein kostenloses Traditionsspektakel, das man keinesfalls verpassen sollte: Pünktlich um 21.53 Uhr schließt der oberste Leibgardist (Chief Yeoman Warder) im langen roten Gewand und mit einer Kerze in Händen das Haupttor des Towers, um die Schlüssel für die Nacht dem Resident Governor of the Tower zu übergeben.

Und da wir in England sind, kommt selbstverständlich auch der Tower nicht ohne eigenes Hausgespenst aus. Eigentlich sind es sogar zwei. Zum einen sucht der rast- und ruhelose Geist Lady Arbella Stuarts, einer 1615 im Tower gestorbenen Nichte Maria Stuarts die Gänge und Gemächer auf. Und dann treibt noch das Phantom eines Grizzly-Bären sein überirdisches Unwesen, dem vor Jahren ein buchstäblich zu Tode erschreckter Wachmann zum Opfer gefallen sein soll. Aber keine Angst! Die Chancen, zur regulären Besuchszeit einer Gespensterattacke anheimzufallen, sind relativ gering.


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