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Reports in English Looking for the Real Shakespeare

Shakespeare ist mehr als ein Dichter. Shakespeare ist eine britische Institution, ein nationales Heiligtum, ein Menschheitserbe. Umso schwerer wiegt der Verdacht, dass der Mann, den wir als Shakespeare kennen, kein begnadeter Verseschmied, sondern nur ein gekaufter Strohmann war. Shocking, isn't it?

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 10.02.2012

Willliam Shakespeare sitzend auf dem Gower Monument in Großbritannien | Bild: picture-alliance/dpa

Shakespeare, das ist ein immenser Wortschatz, eine bildungsgesättigte, rhetorisch geschulte Hochsprache, das sind breiteste Kenntnisse aus Geschichte und Philosophie, intime Kenntnisse adliger Lebensart und detailliertes Wissen um die Innenansicht staatlicher Mechanismen. Kann es sein, dass der Sohn eines einfachen Handschuhmachers aus der Provinz tatsächlich über eine solche Vielzahl erstaunlicher Talente gebot?

Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass sich ein anonymer Adliger des mittellosen Schauspielers, der um 1590 wie aus dem Nichts in London auftaucht, als Strohmann bediente? Oder nutzte ein bereits gefeierter Dichter, der vor der Justiz untertauchen musste, den Namen Shakespeare, um seine im Exil geschriebenen Stücke auf die Bühne zu bringen?

Zu den Topkandidaten im manchmal gelehrten und oft auch nur sensationsgierigen "Shakespeare-Raten" gehört seit nahezu einem Jahrhundert Edward DeVere, 17. Graf von Oxford. Als Angehörigem des Hochadels wäre DeVere (1550-1604) zum einen jener Kenntnis- und Bildungshintergrund quasi in die Wiege gefallen, der bei einem Handwerkersohn tatsächlich verwundert. Darüber hinaus hätte DeVere in den Augen seiner Propagatoren gute Gründe gehabt, unter Pseudonym zu schreiben. Seine Zeitgenossen, so die Argumentation, hätten ihm das Verfassen oftmals äußerst deftiger Bühnenverse als nicht standesgemäß verübelt.

Ein in jüngster Zeit hoch gehandelter, "wahrer" Urheber der Shakespearewerke ist auch der Dichter "Christopher Marlowe". Der gefeierte Bühnenautor Marlowe (1564-1593) geriet 1593 aufgrund von Denunziationen und schwerer Atheismusvorwürfe in die Fänge der Justiz. Zu einer Verhandlung oder Verurteilung kam es nur deshalb nicht, weil Marlowe im Mai 1593 in einem Wirtshausstreit erstochen wurde. Verfechter der Marlowe-Theorie behaupten indes, der Dichter habe seinen Tod nur vorgetäuscht, sei lebend nach Italien entkommen, habe dort fleißig weitergeschrieben und seine Werke unter dem Namen Shakespeares in Umlauf gebracht.

Bewiesen ist keine dieser Theorien. Was wir allerdings haben, sind Shakespeares Werke. Und die sprechen seit mehr als 400 Jahren für sich, ganz egal, wer immer sie geschrieben hat.


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