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Reports in English The Mystery of Loch Ness

Ziemlich genau 31.460 "Lochs" gibt es in Schottland. So richtig bekannt ist nur eins von ihnen: Loch Ness. Berühmt ist der Hochlandsee, weil sich angeblich ein Seeungeheuer in seinen Tiefen verbirgt. Oder auch nicht. Hoffentlich wird das Rätsel nie gelöst. Es wäre schade um das schöne Geheimnis!

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Dora Traudisch

Stand: 16.11.2012

Blick auf das Loch Ness | Bild: WDR

Die Spur des Gletscherhobels

Loch Ness ist ein Überbleibsel der Eiszeit. Abfließende Gletscher haben vor etwa 12.000 Jahren ein tiefes Tal in den harten Granit der Highlands gekerbt. Als das Eis verschwand und das umgebende Land sich hob, wurde aus dem vom Meer abgeschnittenen Salzwasserfjord allmählich ein Süßwassersee. Genauer gesagt, der zweitgrößte See Schottlands: 39 Kilometer lang, durchschnittlich 1,5 Kilometer breit und 132 Meter tief. An seiner tiefsten Stelle geht es zwischen steil abfallenden Flanken sogar 230 Meter hinab.

Nessie kurbelt den Tourismus an

Das nährstoffreiche Wasser ist extrem fischreich, die Aussicht auf Lachse, Aale, Forellen und Hechte lockt regelmäßig zahlreiche Angler an die bewaldeten und leicht hügligen Ufer. Die größte Attraktion ist allerdings weder die Landschaft noch die Fischerei. Die größte Attraktion ist ein Geheimnis: Das Rätsel um Loch Ness und Nessie, seinen berühmtesten Bewohner, beziehungsweise Nichtbewohner. Etwa anderthalb Millionen Besucher lockt der Nessie-Tourismus alljährlich alleine nach Drumnadrochit, wo gleich zwei Besucherzentren um die Deutungshoheit in Sachen Seeungeheuer konkurrieren. Im wirtschaftlich schwachen Hochland ist das "Monster" damit ein unverzichtbarer Aktivposten.

19. April 1934: Der Nessie-Urknall

Das Gemunkel und Gerede über ein Seeungeheuer im Loch Ness ist mehr als tausend alt. Immer wieder wollen einzelne Beobachter ein riesiges Wasserwesen, eine Seeschlange, einen Drachen oder ein Seeungeheuer, gesichtet haben. Ein richtig populärer Dauerbrenner ist Nessie allerdings erst seit dem 19. April 1934. An diesem Tag schießt der Chirurg Robert Wilson das Bild seines Lebens. Er fotografiert etwas, das wie ein großes Tier mit langem Hals aussieht und im Wasser von Loch Ness herumschwimmt. Das Bild geht um die Welt, die Jagd auf "Nessie" beginnt. An ihr nehmen nicht seriöse Wissenschaftler, sondern auch zahlreiche Amateurforscher, Betrüger, Fälscher, Abenteurer, Besessene, Trickser und Witzbolde teil, die immer wieder neue, meist sehr zweifelhafte und rasch entlarvte "Beweise" für die Existenz des Ungeheuers liefern.

Die Plesiosaurus-Hypothese

1972 beginnt eine neue Ära der Jagd nach Nessie, als eine Forschergruppe aus den USA ein schemenhaftes Unterwasserfoto vorlegt, das als Aufnahme eines lebenden Fossils gedeutet wird. Die Konturen des "Wesens" legen nahe, dass im Loch Ness die Nachkommen einer vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Wasserechsenart namens Plesiosaurus überlebt haben. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen, Studien und Erkenntnisse lassen die Plesiosaurus-Theorie allerdings äußerst unglaubwürdig erscheinen. Um das Überleben der Art zu sichern, müsste Loch Ness eine große Plesiosaurus-Population beherbergen, die im See kein ausreichendes Nahrungsangebot fände. Da Plesiosauren als Lungenatmer immer wieder zum Luftholen an die Oberfläche müssten, wäre eine entsprechend große Zahl von Beobachtungen unvermeidlich.

Lasst uns Nessie: Ein Plädoyer für lustvolle Unschärfe

Neben den theoretischen Einwänden von Biologen und Paläobiologen gibt es mittlerweile auch eine Reihe handfester Argumente gegen die Existenz eines Ungeheuers im Loch. Der See wurde zweimal mit modernsten Sonarsystemen und Tauchrobotern bis in den tiefsten und verborgensten Winkel hinein lückenlos durchleuchtet. Beide Expeditionen brachten nicht den geringsten Hinweis auf Nessie. Da uns das Ungeheuer trotz ausgefeilter Hightech-Jagdmethoden bislang noch nicht in die Falle gegangen ist, sieht alles danach aus, als wären wir dem Ungeheuer in die Falle gegangen. Und das auch noch ausgesprochenen gerne. Kein Wunder: Ohne das Rätsel um Loch Ness ist der See nur ein See. So aber ist Loch Ness ein Geheimnis. Und erst das macht ihn wirklich interessant.


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