ARD-alpha - Schulfernsehen


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Reports in English Life in a Boarding School

Spätestens seit Harry Potter umweht englische Internate ein zauberisches Flair. Doch wie sieht die Realität diesseits von Hogwarts aus? Die 16-jährige Cara aus Niedersachsen hat den Sprung gewagt und schildert ihre Erfahrungen.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 08.10.2012

Ein Internat | Bild: WDR

Internat – nein danke! Bei uns in Deutschland sind Heimschulen eher eine Randerscheinung Im Vereinigten Königreich ist das, wieder einmal, ganz anders. Und nicht erst, seit Harry Potter in Hogwarts das Zaubern erlernte.

A Tradition of Excellence

In Großbritannien gehören Boarding Schools zum Alltag und gelten, zumindest in der Ober- und aufsteigenden Mittelschicht, als Sprungbrett für eine solide berufliche Karriere. Manche dieser ehrwürdigen Institutionen blicken auf eine mehrhundertjährige Vergangenheit zurück. Ganz so alt ist die Stowe School in Buckhamshire noch nicht. Sie wurde erst 1923 gegründet, verfügt aber dennoch über alles, was ein typisch britisches Internat ausmacht.

Lernen und Leben in Gemeinschaft

Das Haupthaus, ein neoklassischer Prachtbau, liegt inmitten einer rund 300 Hektar großen Garten- und Parklandschaft. Um Stowe House herum gruppieren sich zwölf Boarding Houses, acht für Jungs, vier für Mädchen. Die Häuser sind weitaus mehr als bloße Wohnunterkünfte oder Schlafstätten. Sie bilden durch ein starkes Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl getragene Familien auf Zeit mit eigenem Ethos und eigenem Gepräge. Jedem Haus, dem etwa 60 "Stoics" angehören, steht ein Housemaster oder eine Housemistress vor, die sich neben organisatorischen Belangen vor allem um das schulische Fortkommen ihrer Schutzbefohlen kümmern.

Ganzheitliches Bildungsideal

Zur "Tradition of Excellence", der sich Stowe verpflichtet weiß, zählt nicht nur ein nachhaltig betreutes Lernen in kleinen Klassen oder die ständige Erreichbarkeit der Lehrerinnen und Lehrer, die selbstverständlich auch auf dem Schulgelände wohnen, sondern ein weitgefächertes Angebot an kulturellen, sportlichen und musischen Aktivitäten. Schließlich sind gute Noten und ein anregendes Lernklima nicht alles. Fairness, körperliche Fitness, Wettstreit und Kreativität sind mindestens ebenso wichtige Säulen des ganzheitlichen Erziehungskonzepts. Eine tragende Rolle spielt dabei auch das enge Zusammenleben selbst: Es verlangt hohes Maß an sozialer Kompetenz, Toleranz, Integrationsbereitschaft und den Willen, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen.

Ein Mädchen aus Niedersachsen im Reich des Union Jack

Aktuell zählt die Schulfamilie fast 800 Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 18 Jahren. Die meisten Stoics, rund 90 Prozent, kommen aus England, etwa zehn Prozent sind Gäste aus dem Ausland, die in Stowe ein Austauschjahr absolvieren. Zu ihnen gehört auch Cara Dörenberg aus Niedersachsen. In unserem Film erzählt die Sechzehnjährige, wie sie den Alltag an einer britischen Boarding School erlebt, wie sie mit dem Umfeld von Deutschland nach England zurechtkommt und wie es nach dem Schulabschluss weiter gehen soll.


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