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Reports in English Skye's Revival

Kahle Berge, die schroff und steil aus dem Meer wachsen, nebelumsponnene Gipfel, tief hängende Wolken, endlose Moore und windgestriegeltes Gras. Das ist Skye, die Hauptinsel der Inneren Hebriden vor Schottlands Nordwestküste: einsam, dünn besiedelt, wildromantisch und wunderschön.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 09.11.2012

Leuchtturm am Neist Pint auf der Insel Skye | Bild: picture-alliance/dpa

Das Wort Skye ist gälisch und bedeutet "Insel der Nebel". Gälisch ist nicht nur eine eigene Sprache, sondern auch eine eigene Kultur. Ihre Barden und Dichter schufen eine blühende Literatur, deren erste schriftliche Zeugnisse auf das 10. Jahrhundert zurückgehen.

"Barbarisch, ungehobelt, zurückgeblieben" - Die Ächtung der gälischen Kultur

Mit der Reformation, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch Schottland und die Hebriden erfasste, geriet das Gälische in Misskredit. König James I. (1566-1625) hielt das Gälische gar für "für eine der wichtigsten und hauptsächlichsten Ursachen für das Fortbestehen von Barbarei und Unbildung unter den Bewohnern der Inseln und Highlands." 1616 erließ er daher ein Gesetz, das die englische Sprache zur verbindlichen Norm erhob. Das Gälische hingegen sollte abgeschafft und gänzlich ausgerottet werden.

Zwangsräumungen zerstören einen Traditionsstrang

Einen weiteren, bis heute nachwirkenden Schlag musste die gälische Kultur im Zuge der berüchtigten "Highland Clearances" (ca. 1762 - 1886) hinnehmen. Wie im schottischen Hochland auch, wurden die Einheimischen durch Schikanen wie Heiratsverbote oder Zwangsräumungen systematisch vertrieben, um den Großgrundbesitzern eine ungestörte, extensive Schafzucht zu ermöglichen. Mit dem Bauernsterben verlor auch das Handwerk seine Bedeutung; Armut und schließlich Emigration waren die unausweichliche Folge.

Von den Nachwirkungen der gewaltigen Auswanderungswellen hat sich die Insel bis heute nicht erholt. Lebten um die Mitte des 19. Jahrhunderts rund 25.000 Menschen auf Skye, waren es hundert Jahre später nur noch 13.000. Heute leben noch etwa 9.000 Menschen auf Skye, also etwa ein Drittel der einstigen Bevölkerung.

Skye's Revival - welchen Wert hat der Wiederbelebungsversuch?

Mit dem Versuch, den anhaltenden Entvölkerungstrend durch wirtschaftliche Subventionen und den Ausbau des Tourismus zu stoppen, erlebte auch die einst verpönte gälische Kultur eine zaghafte Renaissance: Seit 1958 wird in den Grundschulen wieder offiziell gälisch gesprochen, auf dem Gymnasium können die Schüler zwischen Französisch und Gälisch wählen, es gibt Zeitungen, Radio- und TV-Sendungen sowie neue Literatur.

Wie viel jedoch auf Dauer verloren ist, wie viel tatsächlich gerettet werden konnte und vor allem, wie viel davon jenseits des bloßen Bewahrens kulturell fruchtbar und zeugungsfähig ist, muss die Zukunft zeigen.


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