ARD-alpha - Schulfernsehen


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Reports in English Homecoming at Glenwood High

Die spinnen, die Amis! Sie feiern "ihren" Schulgeist, sind stolz auf "ihre" Schule und bleiben der "Schulfamilie" ein Leben lang verbunden. Unser Bericht versucht, das Rätsel um den Mythos High School zu lösen.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Clemens Gersch & Michael Wieseler

Stand: 22.03.2013

Symbolbild: Spinde in einem langen Gang  | Bild: colourbox.com

Mythos High School: Erwachsenwerden mit und nicht gegen die Schule

Mahala Springhower macht Sprüche, die einem deutschen Altersgenossen nie über die Lippen kämen. Die 17-Jährige ist stolz auf ihre Schule, stolz auf ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, stolz auf den Schulgeist, stolz darauf, ein Teil der Schulfamilie zu sein.

Die starke Identifikation mit "ihrer" Schule ist typisch für amerikanische Schüler und ein Phänomen, das zahlreiche TV-Serien und Filme inspiriert. Bei uns ziehen diese Schulgeschichten nicht besonders, in den USA sind sie der Renner. Womöglich deshalb, weil sie dort zum Erwachsenwerden gehören und Teil einer prägenden Lebensphase sind, die alle Jugendlichen durchlaufen: Das letzte große, verbindende Gemeinschaftserlebnis, bevor jeder seinen eigenen Weg einschlägt.

Eine für alle: Gesamtschule mit Kursystem

Aber das erklärt noch lange nicht, warum Mahala und die meisten amerikanischen Jugendlichen so unverhohlen begeistert hinter "ihrer" Schule stehen. Das erklärt vor allem nicht den mythischen Schein, der die High School umgibt und eine Gemeinsamkeit stiftet, die ganze Generationen ehemaliger Schüler in Alumni Associations einbindet. Denn technisch gesprochen meint High School nichts anderes als die letzten vier von insgesamt zwölf verpflichtenden Schuljahren. Anders als in Deutschland kennt das amerikanische Bildungssystem nämlich keine unterschiedlichen Schulformen wie Haupt- und Realschule oder Gymnasium, sondern durchwegs Einheitsschulen, die jeder absolvieren muss. Um den jeweiligen Begabungen und Neigungen gerecht zu werden, gibt es statt fester Klassenverbände nur Kurse mit unterschiedlichen, frei wählbaren Leistungsstufen. Jeder Schüler bestimmt also selbst, ob er einen Kurs mit normalem, gehobenem oder ein sehr hohem Anspruchsniveau belegt. Obwohl alle Jugendlichen dieselbe Schule besuchen, sind daher trotzdem unterschiedlich gewichtete Abschlüsse möglich. Ein High-School-Diploma kann also entweder dem Hauptschulabschluss, der mittleren Reife oder dem Abitur entsprechen. Das entscheidende Kriterium ist letztlich die Zahl der absolvierten Kurse mit gehobener und höchster Anforderungsstufe.

Homecoming: Hurra, die Schule beginnt

Den Schlüssel zum Verständnis des Phänomens High School liefert vermutlich das Wort "Gemeinschaft". Dieses Zugehörigkeitsgefühl entsteht nicht von selbst. Es wird massiv gefördert: Durch Schulmannschaften, die für die Ehre ihrer High School auf dem Spielfeld einstehen, durch Jahrbücher, die von den Schülern selbst erstellt werden, durch Marchingbands, in denen alle Jahrgangsstufen vertreten sind, durch den Wettbewerb der Schulen untereinander, durch die lokale Einbindung und vor allem durch Rituale wie die Homecoming-Woche nach den langen Sommerferien.

In dieser ganz speziellen Woche feiert sich die High School Community selbst. Die Schule fängt nach der Sommerpause nicht einfach irgendwie an. Sie beginnt mit einem Paukenschlag und zelebriert dabei den School Spirit, den Geist der Schule, dem sich alle verpflichtet fühlen, der alle ergreift und befeuert.

Zugehörigkeit: Der Schulgeist feiert sich selbst

Mitten in dieser Ausnahmewoche, in der wild kostümierte Schüler den Campus in bunte Farben tauchen, begegnen wir Mahala. Für sie ist das diesjährige Homecoming etwas ganz Besonders. Zum einen, weil ihr letztes Schuljahr beginnt, zum anderen, weil Mahala ein wichtiges Ehrenamt übernommen hat: Sie wird die Schulband beim großen Umzug durch die Stadt dirigieren und allen zeigen, was die Glenwood High School musikalisch draufhat. Die "Homecoming Parade" ist kein bloßes Schulereignis. Die meisten der 5.000 Einwohner Glenwoods werden teilnehmen, wenn sich "ihre" High School präsentiert, alle ortsansässigen Firmen, Betriebe, Institutionen und Schulen werden dabei sein, wenn die Kapelle marschiert. Auch beim zweiten Homecoming-Highlight sind Mahala und die Band mit von der Partie, beim großen Football-Turnier der "Glenwood Rams" gegen die "Panthers" der Fulton High School. Es ist das wichtigste Spiel des ganzen Jahres, die Entscheidungsschlacht gegen einen übermächtigen Gegner, den die Rams bisher noch nie bezwungen haben. Dieses Jahr versuchen sie es wieder, angefeuert von der ganzen Stadt. Und selbstverständlich spielt die Brassband auch beim dritten Höhepunkt der Homecoming-Woche in Glenwood High auf, dann nämlich, wenn die Homecoming Queen und der Homecoming King aus den Reihen des Abschlussjahrgangs gewählt und feierlich gekrönt werden.

Leben lernen: Verantwortungsbewusstsein als Ausbildungsziel

Während Mahala und die Band noch üben, haben wir Zeit, Zach Bayse zu treffen. Auch er steht im Abschlussjahrgang und paukt für sein High School Diploma. Aber nicht nur. Zach treibt jede Menge Sport und hat gleich drei Jobs, die er nebenher ausübt: Er arbeitet für Pizzahut, trägt morgens Zeitungen aus und mäht den Rasen des Golfclubs. Klar verdient er sich was dazu, aber das, worum es wirklich geht, ist Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit. "Die Leute können auf mich zählen", sagt Zach, "das gibt mir den eigentlichen Kick".

Praxisfeedback: Pizzahut und Baseball-Träume

Von den Lehrern und der Schulleitung wird Zachs außerschulisches Engagement nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich gefördert. Die Schüler sollen sich möglichst früh mit der Arbeits- und Lebenswirklichkeit vertraut machen. Die Unterstützung geht so weit, dass manche Schüler sogar vom Unterricht befreit werden, damit sie ihren Jobs nachgehen können. Auch dafür, dass alle von den Praxiserfahrungen profitieren, ist gesorgt: Die Jobber berichten regelmäßig ihren Lehrern und den anderen Kursteilnehmern, was sie "draußen" erleben. Ein Berufsziel hat Zach auch schon, besser gesagt, einen Traum: Er möchte Baseball-Profi werden, am liebsten natürlich in einem der nationalen Top-Vereine. "Berühmt sein und Geld für das bekommen, was man am liebsten tut, wäre schön", sagt Zach", "besser kann es nicht kommen."


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