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Reports in English Highland Dreams

My heart is in the Highlands – das schottische Hochland ist mehr als ein geografischer Raum. Die Highlands sind eine Projektionsfläche für die nationale Identität Schottlands und sein Freiheitsstreben.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 02.11.2012

Blick vom Gipfel-Plateau des Ben Nevis in die Highlands | Bild: picture-alliance/dpa

Wer Schottland sagt, denkt unvermeidlich an granitgraue Städte, Dudelsackmusik, Männer in Röcken, an Whisky und an menschenleere, baumlos karge Gebirgstäler. Die Highlands im Norden des Landes sind äußerst dünn besiedelt, wirtschaftlich kaum genützt und aufgrund fehlender Wälder den Kräften der Erosion schutzlos preisgegeben.

Die Gier nach Holz verödet ein ganzes Land

Das war nicht immer so. Ursprünglich waren Schätzungen zufolge rund 70 Prozent der Highlands bis zu einer Höhe von etwa 600 Metern mit Mischwäldern (hauptsächlich Kiefern, Eichen, Birken und Eschen) bedeckt. Doch bereits im Mittelalter und vor allem in der frühen Neuzeit wurden der Baumbestand rigoros abgeholzt, entweder um neue Ackerbau- und Weideflächen zu schaffen, oder um Holz für den Schiffsbau sowie die Herstellung von Holzkohle zu gewinnen. Der Jahrhunderte währende Raubbau reduzierte den schottischen Wald schließlich auf etwa ein Prozent seiner ursprünglichen Ausdehnung.

Schafe – die Geißel Schottlands

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten überdies zahlreiche Kleinbauern und Pächter (crofter) in den weit verstreuten Hochebenen. Während der so genannten Highland Clearances (ca. 1762 - 1886) wurden sie gewaltsam vertrieben, um wenigen Großgrundbesitzern eine ungestörte, extensive Schafzucht zu ermöglichen. Mit den ständig wachsenden Schafherden und ihrer Zerstörung der fragilen Vegetationsdecke war die endgültige Verödung des Hochlands zuletzt unvermeidlich geworden.

Die schwierige Reparatur eines Ökosystems

Nach dem 2. Weltkrieg rief Schottland ein großangelegtes Wiederaufforstungsprogramm ins Leben. Massenhaft gepflanzte Bäume sollten die zunehmende Erosion des Bodens aufhalten und neue Arbeitsplätze schaffen. Doch obwohl inzwischen rund 2.600 Quadratkilometer der Highlands wieder bewaldet wurden, sprechen Kritiker von einem Fehlschlag: Die künstlich entstandenen Fichten-Monokulturen sind zum einen äußerst anfällig und bieten überdies nur einen eingeschränkt nutzbaren Lebensraum für Tiere und Pflanzen.


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